BER-Aus für Berliner Taxis: Ab 2027 droht die Rückfahrt ohne Fahrgast
Am Flughafen geht es dabei um mehr als einen Parkplatz. Die Vereinbarung aus dem Jahr 2020 hatte einen Ausgleich zwischen den beiden Regionen geschaffen: Bis zu 550 Berliner Taxis durften am BER Fahrgäste aufnehmen. Im Gegenzug erhielten Unternehmen aus Dahme-Spreewald die Möglichkeit, an Berliner Taxiständen Kunden mitzunehmen. Mit dem Ende der Vereinbarung entfällt dieser gegenseitige Zugang. Ob eine neue Lösung zustande kommt, war zunächst offen. Der Landkreis begründet den Schritt mit veränderten Marktbedingungen. Fahrer müssten häufig länger als drei Stunden auf einen Auftrag warten. Zugleich sei die Nachfrage gesunken. Der Flughafenexpress FEX fährt seit Dezember 2025 viermal pro Stunde in rund 23 Minuten vom BER zum Berliner Hauptbahnhof. Der Landkreis hält deshalb künftig 500 bis 600 Fahrzeuge für ausreichend. Auch die Konkurrenz durch Mietwagenplattformen wie Uber und Bolt setze die örtlichen Taxiunternehmen unter Druck. Landrat Sven Herzberger begrüßte die Entscheidung und erklärt:
„Die aktuellen Marktbedingungen machen eine Anpassung der bestehenden Regelungen erforderlich“, sagte er."Nach unserer Einschätzung werden die im Landkreis konzessionierten Taxis auch künftig ausreichen, um die Nachfrage am Flughafen zuverlässig zu bedienen. Dies wurde durch die örtlichen Taxiverbände auch zugesichert.“
Leerfahrten für Berliner Taxis
Für Berliner Taxiunternehmer ist die Entscheidung dennoch ein Einschnitt. Sie verlieren die Möglichkeit, nach einer Fahrt zum Flughafen auf einen spontanen Folgeauftrag zu warten. Wer einen Fahrgast aus Berlin zum BER bringt, muss ohne einen vorbestellten Rückauftrag künftig damit rechnen, leer zurückzufahren. Das kostet Zeit, Kraftstoff und Umsatz. Ganz ausgeschlossen sind Berliner Taxis am Flughafen allerdings nicht. Vorbestellte Abholungen bleiben erlaubt, wenn Fahrgäste ein Taxi bei einem Berliner Unternehmen telefonisch, über die Funkvermittlung oder per App bestellen. Verkehrssenatorin Ute Bonde kündigte an, diese Möglichkeit bekannter zu machen und durch einen gesicherten Festpreis attraktiver zu gestalten. Die Senatsverwaltung stehe dazu bereits mit dem Gewerbe im Austausch.
„Die aktuellen Marktbedingungen für das Berliner Taxigewerbe sind herausfordernd“, erklärt Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU).
Die entscheidende Frage ist nun, ob Bestellfahrten die wegfallenden spontanen Aufträge zumindest teilweise ersetzen können. Für Taxiunternehmen hängt viel davon ab, wie einfach Fahrgäste ein Berliner Taxi am BER buchen können und ob sich Anfahrt, Wartezeit und Rückfahrt wirtschaftlich kalkulieren lassen. Gleichzeitig muss der Flughafen auch bei Nachfragespitzen genügend Fahrzeuge bereitstellen können. Berlin und Dahme-Spreewald wollen dazu weiter im Gespräch bleiben.
Der Konflikt zeigt, wie eng das Taxigewerbe an Verwaltungsgrenzen gebunden ist, obwohl Fahrgäste diese Grenzen im Alltag kaum wahrnehmen. Für die einen geht es um den Schutz des örtlichen Gewerbes, für die anderen um einen ohnehin schwierigen Markt. Ab Januar 2027 könnte am BER eine klare regionale Zuständigkeit gelten. Die angeblich verlässliche Taxi-Verfügbarkeit wird sich besonders dann zeigen, wenn viele Flüge gleichzeitig landen oder die Bahn nicht fährt…
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