Tino Schopf und das Taxi: Ein Verkehrspolitiker prägt die Debatte um die Zukunft des Berliner Gewerbes

Kaum ein Landespolitiker hat sich in den vergangenen Jahren so intensiv mit den Herausforderungen des Berliner Taxigewerbes beschäftigt wie Tino Schopf. Der SPD-Verkehrspolitiker setzte sich wiederholt für strengere Kontrollen im Mietwagenmarkt ein, unterstützte die Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts und begleitete zahlreiche Diskussionen über die Regulierung plattformvermittelter Personenbeförderung. Am Sonntag bewirbt er sich erneut um ein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus.

Tino Schopf in seinem Element - als Kämpfer für die Berliner Taxi-Branche, hier beim TMV-Think Tank in Bamberg.| Foto: T. Kanzler
Tino Schopf in seinem Element - als Kämpfer für die Berliner Taxi-Branche, hier beim TMV-Think Tank in Bamberg.| Foto: T. Kanzler

Politiker und Taxifahrer pflegen traditionell eher ein pragmatisches Verhältnis. Die einen setzen den regulatorischen Rahmen, die anderen müssen darin wirtschaften. In Berlin hat sich daraus in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte verkehrspolitische Debatte entwickelt. Wer über Uber, Bolt, Mindestbeförderungsentgelte oder die Kontrolle des Mietwagenmarktes spricht, stößt dabei regelmäßig auf den Namen Tino Schopf.

Der SPD-Abgeordnete aus Pankow gehört seit Jahren zu den profiliertesten Stimmen seiner Fraktion in Fragen des gewerblichen Personenverkehrs. Während andere verkehrspolitische Themen häufig von Radverkehr, ÖPNV-Ausbau oder Elektromobilität dominiert werden, beschäftigt sich Schopf regelmäßig mit den Rahmenbedingungen des Taxi- und Mietwagenmarktes.

Frühe Kritik an Plattformmodellen

Schopfs Positionen reichen zurück bis in die Debatten um die Reform des Personenbeförderungsrechts. Bereits damals äußerte er die Sorge, dass neue plattformbasierte Mobilitätsangebote bestehende Verkehrsformen wirtschaftlich unter Druck setzen könnten. Im Berliner Abgeordnetenhaus warnte er 2021 vor einer „Kannibalisierung des ÖPNV“ durch Plattformanbieter und sprach sich für verbindliche Sozialstandards im Taxi-, Mietwagen- und Ride-Hailing-Markt aus. Dabei vertrat er die Auffassung, dass Taxi und öffentlicher Nahverkehr Teil einer gemeinsamen Mobilitätsinfrastruktur seien und deshalb nicht isoliert betrachtet werden sollten.

Fokus auf Marktkontrolle und Rechtsdurchsetzung

Besondere Aufmerksamkeit erhielt Schopf ab 2024, als die Auseinandersetzungen um Wettbewerbsbedingungen im Berliner Personenbeförderungsmarkt an Schärfe zunahmen. Vertreter des Taxigewerbes beklagten damals unter anderem Dumpingpreise, Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben sowie Defizite bei der behördlichen Kontrolle.

Im Frühjahr 2024 organisierte die SPD-Fraktion eine Fachveranstaltung unter dem Titel „Taxigewerbe in Berlin sichern – geltendes Recht konsequent umsetzen“. Dort standen die Kontrolle bestehender Vorschriften und die Entwicklung des Mietwagenmarktes im Mittelpunkt. Schopf kritisierte in diesem Zusammenhang wiederholt die Arbeit der zuständigen Behörden und forderte eine konsequentere Überwachung des Marktes. Damit positionierte er sich als Befürworter einer stärkeren Regulierung und Kontrolle plattformvermittelter Mobilitätsangebote.

Mindestbeförderungsentgelt als zentrales Thema

Einen Schwerpunkt seiner verkehrspolitischen Arbeit bildete die Diskussion um die Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts für Mietwagen. Ziel dieses Instruments ist es, Fahrpreise unterhalb einer behördlich festgelegten Untergrenze zu verhindern. Befürworter sehen darin ein probates Mittel gegen Preisunterbietungswettbewerb und wirtschaftliche Fehlentwicklungen im Markt. Die Plattformbetreiber warnen dagegen erwartungsgemäß vor einer zusätzliche Regulierung und Einschränkungen des Wettbewerbs.

Schopf gehörte zu den politischen Unterstützern des Vorhabens. Er warb innerhalb der Berliner Landespolitik für eine Umsetzung und nahm regelmäßig an Veranstaltungen und Demonstrationen des Taxigewerbes teil. Als die Berliner Koalition Ende 2024 die Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts auf den Weg brachte, zählte er zu den Befürwortern der Maßnahme.

Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg

Neben Preisfragen beschäftigte sich Schopf wiederholt mit der Genehmigungspraxis im Mietwagengewerbe. Dabei thematisierte er insbesondere die Entwicklung von Unternehmensstandorten im Berliner Umland. Hintergrund war die Beobachtung, dass zahlreiche Mietwagenunternehmen Betriebssitze in Brandenburg anmeldeten, ihre Fahrzeuge jedoch weiterhin überwiegend in Berlin einsetzten. Schopf sprach sich deshalb mehrfach für eine engere Zusammenarbeit der Berliner und Brandenburger Behörden aus und forderte eine stärkere Abstimmung bei Kontrollen und Genehmigungsverfahren.

Wirtschaftliche Situation des Taxigewerbes

Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Taxigewerbes stand regelmäßig auf seiner Agenda. Vor dem Hintergrund sinkender Umsätze vieler Taxiunternehmen und einer wachsenden Zahl von Mietwagen sprach sich Schopf für einen sogenannten Beobachtungszeitraum bei neuen Taxikonzessionen aus. Ziel war es, die Marktentwicklung zunächst genauer zu analysieren und die wirtschaftliche Situation des Gewerbes zu bewerten. Die entsprechende Regelung wurde Anfang 2026 eingeführt.

Sein Engagement blieb innerhalb der Branche nicht unbeachtet. Die Berliner Taxi-Innung verlieh Schopf 2024 einen Ehrenpreis. Anfang 2025 erhielt er zudem die Auszeichnung „Taxi-Botschafter“ des Taxi- und Mietwagenverbands Deutschland (TMV). Auch bei Veranstaltungen des Bundesverbands Taxi und Mietwagen (BVTM) tritt er regelmäßig als Gesprächspartner und Diskutant auf. Diese Anerkennung spiegelt die Wahrnehmung vieler Branchenvertreter wider, die in Schopf einen politischen Ansprechpartner für die Anliegen des Gewerbes sehen.

Symbol für einen größeren Konflikt

Die politische Arbeit Tino Schopfs steht exemplarisch für eine grundlegende Debatte im Personenbeförderungsmarkt. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage, ob digitale Plattformen die Mobilität verändern, sondern vielmehr, unter welchen regulatorischen Bedingungen dies geschieht. Schopf hat hierzu eine klare Position bezogen. Er tritt für stärkere Kontrollen, verbindliche Marktregeln und die Durchsetzung bestehender Vorschriften ein. Seine politische Arbeit konzentriert sich damit auf ein Themenfeld, das in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat: das Spannungsfeld zwischen traditionellen Verkehrsunternehmen, digitalen Plattformen und staatlicher Regulierung.

Für das Berliner Taxigewerbe war kaum ein Landespolitiker der vergangenen Jahre einflussreicher. Während viele politische Debatten über Mobilität abstrakt bleiben, beschäftigte sich Schopf mit einem Gewerbe, das täglich sichtbar auf Berlins Straßen unterwegs ist. In einer Branche, die sich lange von der Politik alleingelassen fühlte, hat ihm das einen ungewöhnlichen Status eingebracht: den eines politischen Verbündeten. Und nun steht dieser Taxi-Verbündete wieder zur Wahl.

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