Taxitarife und Taxenstände: VSPV treibt Zusammenarbeit mit NRW.MOBIDROM voran
Mobilitätsdaten sind oft unsichtbar – und doch entscheiden sie darüber, wie gut Verkehrssysteme funktionieren. Ob Navigationsdienste Straßensperrungen berücksichtigen, Taxenstände gefunden werden oder Fahrpreise digital berechnet werden können: Hinter vielen Anwendungen stehen Datensätze, die gepflegt, bereitgestellt und vernetzt werden müssen.
Welche Bedeutung dieses Thema inzwischen für die Mobilitätsbranche hat, zeigte sich beim Tag der offenen Tür der NRW.MOBIDROM GmbH. Dort nutzte der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen (VSPV) die Gelegenheit zum Austausch mit Vertretern von Behörden, Kommunen und Mobilitätsdienstleistern. Geschäftsführer Sascha Waltemate suchte dabei gezielt das Gespräch an den verschiedenen Themeninseln der Veranstaltung, die bewusst als offene Diskussionsforen angelegt waren.
Fachliche Diskussionen im Mittelpunkt
Gerade dieses Format erwies sich als Gewinn. Statt klassischer Vorträge standen spontane Begegnungen und fachliche Diskussionen im Mittelpunkt. Dadurch entstanden Gespräche, die in einem streng strukturierten Veranstaltungsrahmen kaum zustande gekommen wären.
Ein Schwerpunkt war die Frage, wie Mobilitätsdaten künftig bereitgestellt werden sollen. Gemeinsam mit Isabell Frisch von der NRW.MOBIDROM GmbH und Tobias Schiestel vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen diskutierte Waltemate über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Dabei ging es insbesondere um die Überführung bestehender Datenbereitstellungspflichten aus dem Personenbeförderungsgesetz in das neu gefasste Intelligente-Verkehrssysteme-Gesetz (IVSG) sowie um die Novellierung des nordrhein-westfälischen Straßen- und Wegegesetzes.
Wie praxisnah diese Themen sind, zeigte ein spontaner Austausch mit Vertretern der Stadt Herford. Die Kommune ist aufgrund ihrer Größe nicht verpflichtet, verkehrsrechtliche Anordnungen digital bereitzustellen. Dennoch könnte eine freiwillige Veröffentlichung von Informationen über Straßensperrungen oder Verkehrsbehinderungen einen konkreten Nutzen entfalten. Navigations- und Routingdienste könnten solche Daten unmittelbar in ihre Systeme integrieren und Verkehrsteilnehmer dadurch besser führen. Der VSPV unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich. Aus Sicht des Verbandes profitieren sowohl Verkehrsunternehmen als auch Fahrgäste von einer möglichst umfassenden Datenverfügbarkeit. Informationen, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus bereitgestellt werden, können dazu beitragen, Verkehrsabläufe effizienter zu gestalten und Umwege zu vermeiden.
So findet man die Taxistände in NRW
Ein weiteres gemeinsames Anliegen von VSPV und MOBIDROM betrifft die Erfassung von Taxenständen in Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, die Standorte auf dem Portal Verkehr.NRW sichtbar zu machen. Davon könnten insbesondere Ortsunkundige profitieren, die auf der Suche nach einem Taxistand sind. Die bessere Auffindbarkeit soll zugleich dazu beitragen, das Taxi stärker in digitale Mobilitätsangebote einzubinden.
Auch die Darstellung von Taxitarifen auf Verkehr.NRW stand auf der Agenda. Im Gespräch mit Pascal Wett, Product Owner der MOBIDROM-Datenplattform, ging es um die Frage, wie Tarifinformationen künftig maschinenlesbar und damit für digitale Anwendungen nutzbar gemacht werden können.
Auslöser für die aktuelle Initiative war eine rechtliche Hürde: Der Landesbetrieb Mess- und Eichwesen Nordrhein-Westfalen sah sich nicht in der Lage, die Taxitarife an das MOBIDROM weiterzugeben. Der VSPV reagierte darauf pragmatisch und stellte einen ersten Beispieldatensatz zur Verfügung. Nun arbeiten Verband und Plattformbetreiber gemeinsam an einem Verfahren, das Tarifdaten in einer möglichst universell nutzbaren Form verfügbar machen soll. Denkbar sind Anwendungen, die auf neutralen Plattformen Preisberechnungen ermöglichen oder Tarifinformationen automatisiert auslesen.
Weitere Digitalisierung im Verkehrssektor
Für Waltemate ist die Zusammenarbeit mit dem MOBIDROM dabei längst mehr als ein Einzelprojekt.
„Das MOBIDROM ist ein Schlüsselakteur bei den Mobilitätsdaten. Seit seiner Gründung besteht ein enger Austausch und eine fruchtbare Kooperation in einer Vielzahl von Themen", so der VSPV-Geschäftsführer. Der Nutzen solcher Veranstaltungen liege vor allem im direkten Dialog: „Der Tag der offenen Tür hat erneut gezeigt, wie wertvoll die Vernetzung zwischen Behörden, Wirtschaft und Dienstleistern ist, wenn es darum geht, Mobilitätsdaten in die Praxis zu bringen."
Die Gespräche in Düsseldorf machten deutlich, dass Digitalisierung im Verkehrssektor nicht allein eine technische Frage ist. Sie lebt von der Bereitschaft unterschiedlicher Akteure, Daten bereitzustellen, Standards zu entwickeln und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Für das Taxigewerbe könnten genau diese unscheinbaren Grundlagen künftig darüber entscheiden, wie sichtbar und integrierbar seine Angebote in der digitalen Mobilitätswelt werden.
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