„Manipulierte Verbrauchswerte“: DUH schlägt Alarm
In den vergangenen zehn Jahren, besonders aber seit der Einführung der CO2-bezogenen Kfz-Steuer, hätten sich die Herstellerangaben immer stärker von der Realität entfernt, prangert die DUH an.
Der durchschnittliche reale Mehrverbrauch gegenüber den Herstellerangaben habe sich zwischen 2001 und 2011 von sieben auf 23 Prozent mehr als verdreifacht, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die DUH stehe mit ihren aktuellen Erkenntnissen nicht allein. Auch der europäische Dachverband verkehrspolitisch aktiver Umweltorganisationen ’Transport and Environment’ (T&E) sowie der ’International Council on Clean Transportation’ (ICCT) hatten in jüngster Zeit darauf hingewiesen, dass die von den Autoherstellern gemeldeten Normverbräuche in immer größerem Maß von den realen Werten abweichen. T&E veröffentlichte im April eine Untersuchung, in der einige der von den Autobauern angewandten Manipulationen dokumentiert sind.
Der internationale Verkehrsexperte und frühere langjährige Abteilungsleiter „Verkehr“ im Umweltbundesamt, Axel Friedrich, erläuterte eine Auswahl der technischen Tricks, die die Hersteller anwenden, um bei den von der EU vorgeschriebenen Fahrzyklen zu niedrigen Spritverbrauchs- und damit CO2-Werten zu kommen. So erkennen die Bordcomputer neuer Pkw mit immer ausgefeilteren Diagnosetools, dass sich das Fahrzeug im Test auf einem Rollenprüfstand befindet und schalten für die Dauer der Prüfung in einen „optimierten“ Testmodus.
Einige Hersteller koppeln auch die Lichtmaschine ab, so dass der Kraftstoffverbrauch für das Aufladen der Batterie wegfällt. Ein Einfallstor zur Manipulation der Verbrauchstests ergibt sich demnach auch bei der Ermittlung des so genannten Rollwiderstandswertes. So werden besonders rollwiderstandsarme und mit stark erhöhtem Luftdruck befüllte Spezialreifen eingesetzt. Ausstattungselemente werden bezüglich ihres Gewichts optimiert oder schlicht ausgebaut und Kühlergrill bzw. Türschlitze verklebt, um die Aerodynamik zu verbessern.
Mit solchen Tricks muss nach dem Willen der Deutschen Umwelthilfe in Zukunft Schluss sein: „Die Bundesregierung hat dem Treiben der Autohersteller schon viel zu lange tatenlos zugesehen. Bei offensichtlich fehlerhaften Angaben muss sie behördliche Nachmessungen unter realen Bedingungen veranlassen und somit Klima, Verbraucher und den Steuersäckel vor diesen Machenschaften schützen“, fordert Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
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