TÜV Nord: Batterie-Check soll Risiken beim Gebrauchtwagenkauf aufdecken

TÜV Nord und Carly empfehlen neben der klassischen Prüfung eine digitale Fahrzeugdiagnose. Bei gebrauchten Elektroautos rückt dabei vor allem der Zustand der Hochvoltbatterie in den Fokus.

Symbolbild: Serviceheft, Wartungsnachweise und Berichte der Hauptuntersuchung liefern wichtige Hinweise zur Fahrzeughistorie. Bei der Besichtigung kommen Karosserie und Technik auf den Prüfstand. | Foto: KI-generiert, Dall-E
Symbolbild: Serviceheft, Wartungsnachweise und Berichte der Hauptuntersuchung liefern wichtige Hinweise zur Fahrzeughistorie. Bei der Besichtigung kommen Karosserie und Technik auf den Prüfstand. | Foto: KI-generiert, Dall-E
(erschienen bei VISION mobility von Alina Venediktova)

Wer einen Gebrauchtwagen kauft, kann neben Fahrzeugpapieren, Sichtkontrolle und Probefahrt zunehmend digitale Fahrzeugdaten in die Prüfung einbeziehen. TÜV Nord und Carly empfehlen, technische Informationen aus den Steuergeräten auszulesen. Bei gebrauchten Elektroautos gehört dazu insbesondere der Zustand der Hochvoltbatterie. Eine gemeinsame Auswertung der Unternehmen weist für die untersuchten Batterien einen medianen Gesundheitszustand von 95,42 Prozent aus.

Vom Serviceheft bis zur Fahrzeug-Identifikationsnummer

Am Anfang steht die klassische Prüfung. Käufer sollten Serviceheft, Wartungsnachweise, Berichte der Hauptuntersuchung und die Zulassungsbescheinigungen Teil I und II kontrollieren. Der Abgleich der Fahrzeug-Identifikationsnummer sowie die Zahl der Vorbesitzer liefern weitere Informationen zur Historie.

Die Besichtigung sollte möglichst bei Tageslicht und trockenem Wetter erfolgen. TÜV Nord und Carly empfehlen zudem, eine zweite fachkundige Person mitzunehmen. Bei Elektroautos kommt ein besonderer Punkt hinzu: Sichtbar beschädigte orangefarbene Hochvoltleitungen gelten als Warnsignal und dürfen nicht berührt werden.

Steuergeräte liefern zusätzliche Informationen

Ergänzend zur Sichtprüfung bietet TÜV Nord eine stationäre Fahrzeugdiagnose für Privatkunden an. Das System liest innerhalb weniger Minuten relevante Fahrzeugdaten aus und bewertet diese. Dazu gehören die Plausibilitätsprüfung des Kilometerstands anhand der Fahrzeug-Identifikationsnummer, die Analyse des Fehlerspeichers und bei Elektrofahrzeugen ein Batterie-Check.

Vor einem Fahrzeugverkauf ist zudem eine Datenbereinigung vorgesehen. Damit sollen persönliche Daten datenschutzkonform aus dem Fahrzeug entfernt werden. Carly bietet mit seiner App und einem passenden Adapter für die On-Board-Diagnose eine Möglichkeit, Fahrzeugdaten selbst auszulesen.

Batterie-Check macht Alterung messbar

Gerade bei gebrauchten Elektroautos spielt der Zustand der Hochvoltbatterie eine wichtige Rolle. Von außen lässt er sich nicht beurteilen. Als Kennzahl dient der State of Health, also der Gesundheitszustand der Batterie.

TÜV Nord und Carly haben Daten ausgewertet, die sie im vergangenen halben Jahr analysiert haben. Der Median der erfassten Werte liegt demnach bei 95,42 Prozent. Selbst bei Fahrzeugen mit Baujahr vor 2019 beträgt der durchschnittliche Gesundheitszustand noch 83,06 Prozent.

In der Pressemeldung ordnen die Unternehmen einen Wert von 100 als Batterie im Neuzustand ein. Werte über 90 Prozent gelten demnach als sehr gut und sollen auf eine geringe Alterung hindeuten. Einen Bereich zwischen 85 und 90 Prozent bewerten die Anbieter bei einem Gebrauchtwagen als soliden Zustand mit moderatem Verschleiß. Der Wert lässt sich über den Batterie-Check der TÜV-NORD-Fahrzeugdiagnose oder die Carly-App auslesen.

Probefahrt bleibt Pflichtprogramm

Digitale Daten ersetzen die praktische Prüfung nicht. Eine ausführliche Probefahrt sollte nach Empfehlung der Unternehmen Fahrten auf Stadtstraßen, Landstraßen und Autobahnen umfassen. So können beispielsweise auffällige Geräusche, Vibrationen oder Schaltprobleme erkennbar werden.

Auch der Kaufvertrag verdient Aufmerksamkeit. Mündliche Zusicherungen sollten schriftlich festgehalten werden. Bei der Übergabe sind sämtliche Originalpapiere, ein Übergabeprotokoll sowie die Bescheinigungen über Haupt- und Abgasuntersuchung relevant.

TÜV Nord verweist für eine weitergehende Prüfung auf seinen AutoKaufCheck und die Fahrzeugdiagnose für Privatkunden. Ergänzend stellt die Prüforganisation eine Checkliste und Hinweise zur Vorbereitung, Besichtigung und Probefahrt bereit.

Weitere Auswertungen angekündigt

Im Oktober 2026 wollen TÜV Nord und Carly das Thema bei einem gemeinsamen Presseevent vertiefen. Dabei sollen aktuelle Auswertungen zu Tachomanipulation und zur Analyse von Fehlerspeichern vorgestellt werden. Einen konkreten Termin nennen die Unternehmen in der vorliegenden Mitteilung noch nicht.

Die digitale Diagnose kann beim Gebrauchtwagenkauf zusätzliche Daten liefern, die bei einer reinen Sichtprüfung nicht zugänglich sind. Besonders beim Elektroauto lässt sich damit ein zentraler und von außen nicht erkennbarer Faktor, der Zustand der Hochvoltbatterie, quantifizieren. Die vorgelegten Batteriewerte stammen allerdings aus einer Auswertung von TÜV Nord und Carly; Angaben zu Stichprobengröße, Fahrzeugmix und Auswahl der untersuchten Fahrzeuge enthält die Pressemeldung nicht. Damit lässt sich aus den genannten Werten allein keine allgemeingültige Aussage über den Batteriezustand aller gebrauchten Elektroautos ableiten. 

Logobanner Liste (Views)