Sicherheit als Faktor für Mobilität – Rückblick auf den ÖPNV-Sicherheitskongress NRW 2025
Der Kongress begann mit einer klaren Botschaft: Verkehrswende gelingt nur, wenn Menschen Bus und Bahn nutzen – und das nur, wenn sie sich sicher fühlen. Karin Paulsmeyer (Leiterin der Landesinitiative Fokus Bahn NRW) forderte in ihrer Eröffnungsrede eine gemeinsame Kraftanstrengung von Verkehrsunternehmen, Staat und Zivilgesellschaft – nicht zuletzt, um Vertrauen zu schaffen. Ihrem Credo folgte Kilian Schäfer, Leiter des Kompetenzcenter Sicherheit NRW (beim VRR angesiedelt), der Sicherheit ausdrücklich als Qualitätsmerkmal bezeichnete: Wenn betrieblich alles rundläuft, aber Fahrgäste sich nicht sicher fühlen, sei der Erfolg begrenzt.
Aus Sicht des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW (MUNV NRW) betonte Udo Sieverding: Wenn Menschen aus Angst vor Unsicherheit auf das Auto ausweichen, gefährde das zentrale Klima- und Mobilitätsziele. NRW habe bereits solide Sicherheitsstrukturen geschaffen, und der Kongress solle dazu dienen, bewährte Elemente mit anderen Ländern zu teilen.
Zwischen Technik und Mensch – Themenblöcke des Kongresses
Im Tagesverlauf wurde schnell klar, dass das Thema Sicherheit ist mehrschichtig ist. Neben klassischer Kriminalprävention standen auch Baugestaltung, Beleuchtung, Personalpräsenz und das subjektive Empfinden auf dem Programm.
Uniformiertes Personal und Präsenz war ein wiederkehrendes Stichwort. Polizeipräsident Markus Röhrl betonte, dass Fahrgäste sich gerade dann besonders sicher fühlten, wenn sie erkennbares, geschultes Personal sehen. Die Referenten wiesen darauf hin, dass es nicht genügt, Kräfte einzusetzen – sie müssen professionell vorbereitet sein und auch in belastenden Situationen Rückhalt haben. Gerade die Führungsebene müsse aufmerksam sein, um Mitarbeitende zu schützen und ihnen Unterstützung zu bieten.
Technik allein reicht nicht
Parallel dazu rückte moderne Technik zur Prävention und Überwachung in den Fokus. In SPNV-Verträgen sei heute oft der Einsatz von Videoüberwachung verpflichtend verankert, um nicht nur Vorfälle zu dokumentieren, sondern präventiv zu wirken. Die Herausforderung liegt jedoch in der Balance mit Datenschutzvorgaben. Britta Zur, Geschäftsführerin der DB Sicherheit, hob hervor, dass kritische Infrastruktur nicht allein durch Menschen geschützt werden könne – Technik sei unverzichtbar.
Die Mobilitätsexpertin Katja Diehl erinnerte in ihrem Impulsvortrag daran, dass Sicherheit über Statistiken hinausgehe. Aspekte wie Respekt im öffentlichen Raum, Zugänglichkeit für vulnerable Gruppen, Notrufsysteme und ein empathischer Umgang spielten eine ebenso große Rolle.
Am Micro: Christiane Auffermann, Geschäftsführerin Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Katja Diehl, Autorin und Mobilitätsexpertin. | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Traumhaft schönes Ambiente in der historischen Stadthalle. | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Auch die Vorträge in den kleineren Sälen waren gut besucht. | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Podiumsdiskussion mit Marcel Winter, Geschäftsführer von go.Rheinland. | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Am Micro: Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bonn. | Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Am Micro: Anne Mathieu, Vorsitzende Geschäftsführerin der Eurobahn GmbH & Co. KG.| Foto: Fokus Bahn NRW / Thorsten Cronauge
Souveränes Auftreten von Mitarbeitenden verstärkt das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste
In einer Podiumsdiskussion zur subjektiven Sicherheit warnten Diskutanten davor, das Empfinden der Fahrgäste zu vernachlässigen. Was objektiv unscheinbar erscheint (etwa schwache Beleuchtung oder wenig Durchblick in einem Fahrzeug), kann subjektiv als Unsicherheit empfunden werden – und potentielle Nutzer abschrecken. Eingestreut wurde die Forderung, dass Mitarbeitende nicht nur geschult, sondern auch in ihrem Auftreten konsistent sein müssen – ein souveränes Auftreten verstärke das Sicherheitsgefühl.
Ein weiterer Schwerpunkt galt dem Alltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ÖPNV. In einer Gesprächsrunde mit Mitfahrenden, Ticketkontrolleuren und Sicherheitskräften schilderten diese, wie belastend Konfliktsituationen mit Fahrgästen sein können – und wie sehr gut vorbereitete Deeskalationsstrategien helfen. Oliver Wittke (VRR) zeigte sich dankbar für die offenen Einblicke und betonte, dass Technik, Kameras und Systeme zwar helfen, aber die Präsenz von Menschen im direkten Kontakt nicht ersetzen können.
Wo bleibt die Rolle der Taxi-Branche?
Spätestens an dieser Stelle lohnt es, die Verbindung zur Taxi-Branche zu ziehen. Taxis sind ein ergänzendes Mobilitätsangebot, das vor allem in Randzeiten, in ländlichen Regionen oder nachts eine wichtige Funktion übernimmt. In vielen Regionen agieren Taxifahrern als de facto letzte Verbindung zur Mobilität, wenn Busse und Bahnen nicht mehr fahren oder als Zubringer dienen.
Obwohl die Kongressdokumentation des VRR das Taxiangebot kaum ausdrücklich behandelt, lassen sich Parallelen erkennen. Auch in der Taxi-Branche sind Sicherheit, Präsenz und Vertrauen zentrale Themen. Viele Fahrgäste steigen nur ein, wenn das Fahrzeug gut beleuchtet, gepflegt und mit erkennbaren Identifikationsmerkmalen versehen ist. Fahrerinnen und Fahrer – oft allein unterwegs – sind potenziell vulnerabler gegenüber Konflikten oder Übergriffen. Entsprechende Schulungen zur Deeskalation, Gewaltprävention und Kommunikationsstrategien sind daher essenziell.
Technisch ist auch hier Potenzial. Kameraüberwachung in Taxis gibt es bereits, ebenso wie Notrufsysteme oder GPS-basiertes Monitoring. Allerdings muss hier sehr sensibel mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten umgegangen werden – insbesondere im Vergleich zu großflächigen Verkehrsnetzen.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Integration von Taxis in Verkehrsverbünde, etwa als On-Demand-Verkehr oder Nachtverkehre. Wenn Taxiunternehmen in ticketintegrierte Angebote eingebunden würden, steigt die Bedeutung, Sicherheitsstandards zwischen ÖPNV und Taxi anzugleichen – etwa in Schulung, Fahrzeugausstattung oder Verhaltenskodizes.
Ausblick: Sicherheit – integraler Bestandteil, nicht Zusatz
Der ÖPNV-Sicherheitskongress NRW 2025 unterstreicht eine zentrale Einsicht: Sicherheit kann nicht als nachträglicher Zusatz behandelt werden. Sie muss von Anfang an mitgedacht werden – in Fahrzeugen, im Netz, im Personal, in der Kommunikation. Nur wenn objektive Maßnahmen und subjektive Wahrnehmung zusammengedacht werden, entsteht Vertrauen in den öffentlichen Verkehr.
Für die Taxi-Branche heißt das, dass Sicherheitsstandards kein separates Thema, sondern integraler Bestandteil von Mobilitätsverträgen, Geschäftspraktiken und öffentlich wahrnehmbaren Leistungen sein sollten. Wer das Thema ernst nimmt, stärkt nicht nur das Vertrauen der Fahrgäste – sondern trägt auch zur Gesamtattraktivität von Mobilität bei.
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