Tesla: Wolken ziehen auf über Grünheide

Die wirtschaftliche Entwicklung des Tesla-Standorts im brandenburgischen Grünheide wirft zunehmend Fragen auf. Die rechnerische Auslastung soll zuletzt auf unter 40% gefallen sein.

Abgehängt: Die Auslastung des Werkes in Grünheide soll zuletzt unter 40% gefallen sein. | Foto: Tesla
Abgehängt: Die Auslastung des Werkes in Grünheide soll zuletzt unter 40% gefallen sein. | Foto: Tesla
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Von der Hoffnung zum Sorgenkind: Das Tesla-Werk in Grünheide soll mit geringer Auslastung fahren. Nach Angaben des Datendienstleisters Inovev, die dem Handelsblatt vorliegen sollen, verließen 2025 lediglich rund 149.000 Fahrzeuge das Werk – ein Rückgang um nahezu ein Drittel im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr. Schon 2024 war die Fabrik nahe Berlin lediglich zu gut der Hälfte ausgelastet. Die operative Marge soll sich dabei mit unter einem Prozent auf sehr niedrigem Niveau bewegt haben. Angesichts der weiter gesunkenen Produktionsmenge dürfte die rechnerische Auslastung zuletzt sogar unter 40 Prozent gefallen sein.

Rein rechnerisch ausgelegt ist das Werk auf eine jährliche Kapazität von etwa 375.000 Elektrofahrzeugen. Branchenüblich gelten dauerhaft nicht ausgelastete Produktionsstätten als erhebliche Belastung für die Wirtschaftlichkeit eines Autobauers. Tesla selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu den konkreten Produktionszahlen. Wie bei externen Datenerhebungen üblich, könnten die genannten Werte nachträglich noch angepasst werden.

In jüngeren und kleineren Märkten kann Tesla noch zulegen, doch die großen Märkte schwächen sich ab

Die veröffentlichten Zahlen stehen im Kontrast zu den öffentlichen Einschätzungen der Werksleitung. Standortchef André Thierig, früher Manager bei Ford, hatte wiederholt betont, dass sich die Produktion positiv entwickle. Am Standort wird ausschließlich das Mittelklasse-SUV Model Y gefertigt. Nach Darstellung des Managements soll eine schwächere Nachfrage in einzelnen europäischen Ländern durch zusätzliche Exporte in Märkte wie Kanada, die Türkei oder verschiedene Staaten Südostasiens kompensiert werden.

Ein Blick auf die internationalen Zulassungsstatistiken zeigt allerdings ein differenziertes Bild. Zwar legten die Verkaufszahlen des Model Y in Ländern wie Norwegen, der Türkei, Thailand, den Philippinen oder Südkorea deutlich zu. In den drei größten Automärkten der Welt – den USA, China und Europa – gingen die Absatzzahlen jedoch erheblich zurück. Die Einbußen in diesen Kernregionen überstiegen die Zuwächse in kleineren Märkten deutlich.

Mehrere Ursachen für die nachlassenden Produktionszahlen

Als Ursachen für die schwächere Nachfrage in Europa werden mehrere Faktoren diskutiert. Dazu zählen unter anderem das politisch kontrovers wahrgenommene Engagement von Unternehmenschef Elon Musk, der sich öffentlich an der Seite des damaligen US-Präsidenten Donald Trump positionierte und in Deutschland Sympathien für die AfD zeigte. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb im Markt für Elektrofahrzeuge, insbesondere durch etablierte Hersteller und neue Anbieter aus China.

Noch im Herbst 2025 hatte die Werksleitung betont, dass man sich nicht in einer vergleichbaren Lage wie andere deutsche Automobilstandorte befinde, die Stellen abbauen mussten. Die Verkaufszahlen zu Beginn des Jahres 2026 dämpften jedoch die Erwartungen: Im Januar wurden europaweit nur rund 5.700 Fahrzeuge abgesetzt – deutlich weniger als im Vorjahresmonat. In Deutschland startete Tesla zumindest im Januar 2026 laut KBA dezent besser als im Vorjahr – mit 1.301 statt 1.277 Autos im Vorjahr – wobei andere Hersteller bei den alternativen Antrieben viel stärkere Wachstumszahlen zeigten.

Für zusätzliche Unruhe sorgt außerdem der Umgang des Unternehmens mit der IG Metall. Offenbar ist die Sorge vor einem wachsenden gewerkschaftlichen Einfluss groß. Werkleiter André Thierig reiste eigens in die USA, um gemeinsam mit Firmenchef Elon Musk ein Video aufzunehmen. Darin äußerten beide Bedenken hinsichtlich einer stärkeren gewerkschaftlichen Organisation am Standort. Zwar stehe eine Schließung der Fabrik nicht zur Debatte, eine mögliche Erweiterung könne unter solchen Bedingungen jedoch unwahrscheinlicher werden.

Einst mit großer Hoffnung gestartet, nun nur noch Klotz am Bein? Teslas Ruf als innovativer, ständig stückzahlensteigernder Autohersteller ist Vergangenheit, ebenso wie Model S und Model X. Wirklich neue Modelle scheinen nicht in der Pipeline zu sein und gewerkschaftliche Mitbestimmung ist Elon Musk ein Gräuel. In Summe keine Good News aus Grünheide – und leider auch keine guten Perspektiven.

 

 

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