Robotaxis in Paris ab 2028: Werden autonome Fahrzeuge zur Konkurrenz für Taxiunternehmen?
Ein Taxi ohne Fahrer, bestellt per App und eingebunden in eine große Mobilitätsplattform: Im Großraum Paris soll dieses Modell ab 2028 auf die Straße kommen.
Der Mobilitätsanbieter Bolt, der Autokonzern Stellantis und die Métropole du Grand Paris haben dafür ein gemeinsames Pilotprojekt angekündigt. Noch ist es ein Plan, doch die Rollenverteilung zeigt, wie sich der Markt für Personenbeförderung verändern könnte: Bolt organisiert den Kundenzugang und den Betrieb, Stellantis liefert die Fahrzeuge, ein spezialisierter Technologiepartner soll das autonome Fahren ermöglichen. Allerdings tritt Bolt nicht nur als Vermittler auf, sondern will autonome Fahrzeuge in seine Mobilitätsplattform integrieren. Damit könnte ein weiterer Anbieter um Fahrgäste konkurrieren, die heute Taxi oder Mietwagen nutzen. Ob und in welchem Umfang das tatsächlich geschieht, hängt allerdings von den Ergebnissen der Versuche, den Genehmigungen und dem späteren Geschäftsmodell ab.
Erst testen, dann expandieren
Der Versuch soll 2028 in bis zu fünf Gemeinden im Nordwesten des Großraums Paris beginnen. Bis 2030 ist eine Ausweitung auf mehr als 30 Kommunen geplant. Ein kommerzieller Betrieb steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen. Als möglicher Anbieter der autonomen Fahrtechnik wurde Pony.ai benannt. Die Technik soll auf NVIDIA Hyperion und dem Sicherheitssystem NVIDIA Halos basieren. Zunächst geht es darum, die Fahrzeuge in den bestehenden Verkehr einzubinden. Sie sollen unter anderem die erste und letzte Meile abdecken, Gewerbe- und Bürostandorte besser erschließen und Fahrten außerhalb der Stoßzeiten übernehmen. Die Métropole du Grand Paris will dabei Betriebssicherheit, Servicequalität, Nutzerakzeptanz und wirtschaftliche Auswirkungen untersuchen.
Für Taxiunternehmen ist vor allem entscheidend, welche Aufträge die autonomen Fahrzeuge künftig übernehmen sollen. Werden sie dort eingesetzt, wo heute kaum ein Taxi verfügbar ist, könnten sie zusätzliche Nachfrage erschließen. Bedienen sie dagegen dieselben Strecken und Kundengruppen wie klassische Taxis, entsteht unmittelbarer Wettbewerb. Die Ankündigung lässt diese Frage offen.
„Autonome Fahrzeuge werden nur dann eine Rolle spielen, wenn sie echte Verkehrsprobleme lösen“ betont Bolt-Gründer und CEO Markus Villig. „Im Großraum Paris arbeiten wir mit lokalen Behörden und unseren Partnern zusammen, um einen gemeinsamen Service aufzubauen, der auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten ist – von der Anbindung der Menschen an den öffentlichen Nahverkehr bis hin zur Abwicklung von Fahrten, die heute schwerer zu bewältigen sind.“
Bolt bringe die Kundenplattform und die Betriebserfahrung mit; die Partner brächten das Fahrzeug und die Fahrtechnologie ein, so Villig weiter. Dies sei ein weiterer konkreter Schritt in Richtung eines für Europa entwickelten kommerziellen autonomen Mobilitätsdienstes.
Bolt sichert sich eine Rolle im neuen Markt
Für die Branche steckt in dieser Arbeitsteilung eine wichtige Botschaft: Der Zugang zum Kunden bleibt ein zentraler wirtschaftlicher Faktor. Wer die App, die Buchungsdaten und die Disposition kontrolliert, kann maßgeblich beeinflussen, welche Fahrzeuge Aufträge erhalten. Taxiunternehmen sollten deshalb nicht nur die Entwicklung autonomer Fahrzeuge verfolgen, sondern auch die Bedingungen, unter denen Plattformen künftig Fahrten vermitteln und abrechnen.
„Für Kunden sollte autonome Mobilität mehr Auswahl und einen leichteren Zugang zu sicheren und zuverlässigen Verkehrsmitteln bedeuten“, meinte Stellantis-Manager Ned Curic. „Indem wir die Fahrzeugtechnik von Stellantis und das tiefe Verständnis der europäischen Mobilitätsbedürfnisse mit der ergänzenden Expertise unserer Partner und der lokalen Behörden verbinden, wollen wir eine fahrerlose Mobilität entwickeln, die den öffentlichen Nahverkehr ergänzt und alltägliche Fahrten einfacher und zugänglicher macht.“
Welche Rolle wird das Taxi spielen?
Noch ist offen, ob sich autonome Fahrdienste wirtschaftlich betreiben lassen und wie schnell sie sich in europäischen Städten verbreiten. Für Taxiunternehmen zeichnen sich dennoch drei Fragen ab: Welche Strecken werden autonome Fahrzeuge bedienen? Zu welchen Preisen werden die Fahrten angeboten? Und welche Rolle bleibt den bestehenden Betrieben auf den Vermittlungsplattformen? Die Métropole du Grand Paris will das Projekt unabhängig bewerten lassen. Die Ergebnisse sollen auch den Behörden bei künftigen Entscheidungen helfen. Für das Taxigewerbe werden dabei nicht allein Sicherheitswerte und Fahrgastzahlen zählen. Entscheidend ist, ob autonome Dienste tatsächlich Versorgungslücken schließen oder vor allem bestehende Nachfrage neu verteilen. Das Robotaxi ist in Paris noch nicht im Regelbetrieb angekommen. Doch die Partnerschaft zeigt, dass Plattformanbieter und Fahrzeughersteller bereits an der nächsten Stufe der Personenbeförderung arbeiten.
Taxiunternehmen sollten diese Entwicklung nicht als ferne Zukunftsmusik abtun. Wer künftig Zugang zu den Fahrgästen hat, könnte mindestens so wichtig werden wie die Frage, wer am Steuer sitzt.
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