ÖPNV auf Abruf: Neues Mobilitätskonzept im Landkreis Regen setzt auf Taxis und Software

Wer im Bayerischen Wald mobil sein möchte, braucht oft mehr als einen Fahrplan. Zwischen kleinen Ortschaften, langen Wegen und schwankender Nachfrage stoßen klassische Linienverkehre schnell an ihre Grenzen. Der Landkreis Regen setzt deshalb seit dem 1. September auf ein neues Konzept für bedarfsgesteuerte Verkehre – und auf digitale Unterstützung aus Hannover.

Mit der neuen Software ist es nun möglich, Innerorts-Bedienverbote sowie den Ausschluss von Parallelverkehren abzubilden.| Foto: Landratsamt Regen
Mit der neuen Software ist es nun möglich, Innerorts-Bedienverbote sowie den Ausschluss von Parallelverkehren abzubilden.| Foto: Landratsamt Regen

Sechs Rufbuslinien sowie fünf in bestehende Buslinien integrierte Anruffahrten ergänzen künftig das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs. Ziel ist es, auch kleinere Orte besser anzubinden und Fahrgästen mehr Flexibilität zu bieten. Im Hintergrund arbeitet dabei die Dispositionssoftware AnSaT der hannoverschen ESM GmbH. Das System übernimmt die Buchung, Disposition und Auftragsübermittlung für die neuen Verkehrsangebote und soll zahlreiche Abläufe automatisieren. Nach Angaben des Unternehmens können dabei unter anderem Bedienverbote innerhalb von Ortschaften sowie Parallelverkehre berücksichtigt werden – Funktionen, die im bisherigen System nicht oder nur eingeschränkt möglich waren.

System für viele Buchungswege

Für Fahrgäste ändert sich vor allem die Art der Bestellung. Die Buchung ist über mehrere Kanäle möglich: über die DB-App „Wohin·Du·Willst“, künftig auch über die MoBY-App, über die Internetseite des Landratsamtes oder telefonisch über die Fahrtwunschzentrale in Nürnberg. Eine Anmeldung muss spätestens 60 Minuten vor der gewünschten Abfahrt erfolgen. Damit folgt Regen einem Trend, der sich in vielen Regionen Deutschlands beobachten lässt. Bedarfsverkehre sollen möglichst niedrigschwellig erreichbar sein – unabhängig davon, ob Fahrgäste lieber per Smartphone oder Telefon buchen. Die Software unterstützt dafür unterschiedliche Buchungswege und führt alle Anfragen in einer gemeinsamen Disposition zusammen.

Wenn aus Einzelbuchungen gemeinsame Fahrten werden

Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Buchung. Sämtliche Fahrtwünsche laufen in der Dispositionszentrale zusammen, werden automatisiert geprüft, gebündelt und zu Fahraufträgen zusammengeführt. Fahrgäste mit ähnlichen Start- und Zielpunkten können dabei gemeinsam befördert werden. Die fertigen Aufträge werden anschließend direkt an die Fahrer-App der zuständigen Unternehmen übermittelt. Für die Durchführung der Rufbus- und Anruffahrten setzt die Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) auf vier örtliche Taxiunternehmen. Damit zeigt sich erneut, welche Rolle das Taxigewerbe inzwischen bei flexiblen Mobilitätsangeboten spielt. Während Busse das Grundangebot sichern, übernehmen Taxibetriebe die Feinerschließung und sorgen dafür, dass Mobilität auch dort verfügbar bleibt, wo sich klassische Linienverkehre nur schwer wirtschaftlich darstellen lassen.

Weniger Bürokratie für Unternehmer

Interessant ist das neue System auch aus betrieblicher Sicht. Die Software ermittelt automatisch die vergütungsrelevanten Kilometer eines Auftrags und erstellt die Grundlagen für die spätere Abrechnung. Für die beteiligten Taxiunternehmen entfällt damit ein erheblicher Teil der manuellen Verwaltungsarbeit. Genau diese Verbindung aus Disposition, Auftragsübermittlung und Abrechnung gehört zu den Kernfunktionen der Software. Das System wird nach Angaben der ESM GmbH seit vielen Jahren in zahlreichen Verkehrsgebieten eingesetzt und unterstützt unterschiedliche Bedienformen – vom klassischen Anruf-Sammel-Taxi über Rufbusse bis hin zu modernen On-Demand-Verkehren.

Mobilität auf Abruf wird zum Standard

Der Start des neuen Konzepts im Landkreis Regen zeigt, wohin sich der öffentliche Verkehr vielerorts entwickelt. Statt ausschließlich auf starre Fahrpläne zu setzen, werden flexible Angebote zunehmend Teil des regulären Nahverkehrs. Für Taxiunternehmer eröffnet das neue Chancen. Denn je stärker öffentliche Mobilität auf Nachfrage organisiert wird, desto wichtiger werden die Betriebe, die diese Fahrten tatsächlich durchführen. Im Landkreis Regen sitzen sie künftig nicht nur hinter dem Steuer – sie sind ein fester Bestandteil eines digital vernetzten Mobilitätssystems.

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