ÖPNV-Taxi als Lösung für Mobilitätslücken: VSPV wirbt im Bundestag für stärkere Einbindung des Taxigewerbes

Das Taxi fährt vielerorts bereits dort, wo Busse selten unterwegs sind. Der Mobilitätsverband VSPV fordert deshalb, Taxis künftig stärker als Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs zu nutzen. Bei einem Treffen mit dem Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum warb der Verband für das Konzept des ÖPNV-Taxis und einen neuen Blick auf die Mobilität im ländlichen Raum.

Patrick Meinhardt (re.) und Sascha Waltemate (li.) mit Henning Rehbaum (CDU), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verkehrsausschusses. |Foto: VSPV
Patrick Meinhardt (re.) und Sascha Waltemate (li.) mit Henning Rehbaum (CDU), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verkehrsausschusses. |Foto: VSPV

Die Diskussion über die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs dreht sich häufig um Milliardeninvestitionen in Schienenwege, Bahnhöfe oder das Deutschlandticket. Doch aus Sicht des Verbands des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen (VSPV) wird dabei ein Verkehrsmittel oft übersehen, das bereits heute flächendeckend verfügbar ist: das Taxi. Mit diesem Anliegen besuchten VSPV-Geschäftsführer Sascha Waltemate und Patrick Meinhardt, Leiter des Hauptstadtbüros des Verbandes, den Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand eine Broschüre zum ÖPNV-Taxi, die der Verband im Bundestag vorstellte.

Rehbaum, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, begrüßte die Initiative ausdrücklich.

„Dass der VSPV die zentralen Themen so detailliert aufgearbeitet hat und in gebundener Form zur Verfügung stellt, ist eine tolle Idee. So haben wir als Verkehrspolitiker eine wichtige, aus der Praxis kommende Einschätzung gerade aus den Verbänden, die hier ihre Expertise einbringen können. Und die ausführlichen Informationen zum ÖPNV-Taxi sind in der konkreten politischen Arbeit sehr hilfreich.“

Verkehrspolitiker mit Branchenkenntnis

Für den VSPV traf die Broschüre auf einen Gesprächspartner, der die Mobilitätsbranche aus unterschiedlichen Perspektiven kennt. Rehbaum war unter anderem Geschäftsführer eines Verkehrsunternehmens, arbeitete später bei der Westfälischen Verkehrsgesellschaft und sammelte politische Erfahrungen als Stadtrat, Landtagsabgeordneter und inzwischen als Bundestagsabgeordneter. Gerade deshalb erhofft sich der Verband Rückenwind für ein Thema, das aus seiner Sicht in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Taxi statt Versorgungslücke

Waltemate und Meinhardt sehen im ÖPNV-Taxi weit mehr als eine Ergänzung bestehender Verkehrsangebote. Für sie ist das Konzept ein wichtiger Baustein, um Mobilität außerhalb der Ballungsräume neu zu organisieren.

„Für uns ist das ÖPNV-Taxi als Mobilitätsverband VSPV der zentrale Anker, um endlich in Sachen Nahverkehrsoffensive und Mobilitätsgerechtigkeit flächendeckend in Deutschland einen wirklichen Qualitätssprung hinzulegen. Wir sind in einer gewissen Sorge, dass beim gesamten Finanzierungsbedarf bei den anstehenden Infrastrukturmaßnahmen ein ÖPNV-Aktionsplan zu kurz kommt und es am Ende nur noch um die Frage der Finanzierung des Deutschland-Tickets geht“, erklären Waltemate und Meinhardt.

Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar. Während große Infrastrukturprojekte regelmäßig politische Aufmerksamkeit erhalten, geraten flexible Mobilitätsangebote häufig in den Hintergrund. Dabei kämpfen viele Regionen bereits heute mit ausgedünnten Busverbindungen, fehlenden Abendangeboten oder langen Wegen zur nächsten Haltestelle. Mobilität auf Abruf - genau hier sieht der Verband die Stärke des Taxis.

„Deswegen werben wir, wo immer wir können, für das Taxi als Teil des ÖPNV. Mit Taxen kann die öffentliche Hand die Unterversorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum und in den Außenbezirken von Großstädten gerade in den Abendstunden und am Wochenende und bei einer auch oft bescheidenen Angebotslage tagsüber qualifiziert entgegenwirken. Das ist kein Randthema, das ist eine Frage der Teilhabe und der Mobilitätsgerechtigkeit.“

Tatsächlich werden in zahlreichen Städten und Landkreisen bereits Modelle erprobt, bei denen Taxis oder taxiähnliche Angebote den klassischen Linienverkehr ergänzen. Rufbusse, Anrufsammeltaxen und flexible Bedienformen gelten vielerorts als Möglichkeit, Mobilität auch dort anzubieten, wo reguläre Buslinien wirtschaftlich kaum darstellbar sind.

Perspektivwechsel gefordert

Für den VSPV reicht es allerdings nicht aus, einzelne Pilotprojekte aufzulegen. Der Verband fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Verkehrspolitik. Besonders mit Blick auf die anstehende Evaluierung des Personenbeförderungsgesetzes will der Verband das Thema aktiv platzieren. Aus Sicht von Waltemate und Meinhardt wird das Potenzial des Taxigewerbes bislang nicht ausreichend genutzt.

„Das Bewusstsein dafür, dass das Taxi schon heute zum ÖPNV zählt, aber zumeist nicht dafür eingesetzt, geschweige denn finanziert wird, macht deutlich, dass wir einen Perspektivwechsel brauchen. Hier müssen Bund, Länder und Kommunen an einem Strang ziehen und hier sollte auch die Verkehrsministerkonferenz ein eindeutiges Zeichen senden.“

Mehr als ein Verkehrsmittel

Die Forderung des VSPV geht damit über die Interessen des Gewerbes hinaus. Im Kern steht die Frage, wie Mobilität künftig organisiert werden soll – insbesondere in Regionen, in denen klassische Verkehrssysteme an ihre Grenzen stoßen. Während vielerorts über neue Schienenverbindungen, Elektrifizierung und den Ausbau des Deutschlandtickets diskutiert wird, lenkt der Verband den Blick auf bestehende Strukturen. Taxen sind nahezu überall verfügbar, verfügen über ortskundige Fahrer und können flexibel eingesetzt werden. Die künftige Rolle des ÖPNV-Taxis in der deutschen Verkehrspolitik wird sich nicht zuletzt in den kommenden Debatten über die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs entscheiden. Der VSPV macht jedenfalls deutlich, dass er das Taxi nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als Teil einer umfassenden Mobilitätsstrategie verstanden wissen möchte.

 

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