Autonomes Fahren als Chance – Gregor Beiner skizziert Zukunft und Gegenwart der Branche auf der VdK-Jahrestagung

Auf der Jahrestagung der Versicherung der Kraftfahrt (VdK), dem Risikoträger der SIGNAL IDUNA für das Gewerbe, beschrieb Gregor Beiner die Lage als doppelte Herausforderung: technologischer Umbruch auf der einen, verschärfter Wettbewerb auf der anderen Seite.

Marc Borucki von der VdK (Signal Iduna) und Verbandspräsident Gregor Beiner.| Foto: BVTM
Marc Borucki von der VdK (Signal Iduna) und Verbandspräsident Gregor Beiner.| Foto: BVTM

Seine zentrale Botschaft formulierte Beiner klar: Autonomes Fahren sei „keine Bedrohung“, sondern eine „bedeutende Chance für den Markt“ – allerdings nur, wenn die Branche den Wandel aktiv mitgestalte. Die Debatte darüber werde längst nicht mehr theoretisch geführt. Sie finde auf Branchentreffen, internationalen Konferenzen und in konkreten Projekten statt.

Branche tastet sich an die Zukunft heran

Beiner verwies auf eine Reihe von Formaten, in denen sich das Gewerbe mit der Entwicklung auseinandersetzt – vom Deutschen Taxi- und Mietwagentag bis zu internationalen Austauschformaten. Die Richtung ist dabei erkennbar: Das Taxi soll Teil der neuen Mobilitätsarchitektur bleiben, auch wenn sich die technischen Grundlagen verändern.

Während die Zukunft diskutiert wird, verschärfen sich die Probleme im Hier und Jetzt. Beiner rückte auf der Tagung die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen in den Mittelpunkt.

„Eine der drängendsten Herausforderungen ist die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen, insbesondere im Kontext von Mindestbeförderungsentgelte (MBE) für plattformbasierte Mietwagen.“

Ein Markt in Schieflage

Wie stark sich der Markt verschiebt, zeigt ein Beispiel aus Dortmund.

„Während die Zahl der Taxis in den vergangenen zehn Jahren um 6,2 Prozent zurückging, ist die Anzahl der Mietwagen allein in den letzten zwei Jahren um 68 Prozent gestiegen.“

Die Stadt reagiere inzwischen und plane die Einführung von Mindestbeförderungsentgelten. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich auch in anderen Großstädten ab. Kommunen prüfen oder beschließen Eingriffe, um den Preiswettbewerb zu begrenzen und die Balance zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr wiederherzustellen. Der regulatorische Rahmen wird damit zunehmend zu einem zentralen Steuerungsinstrument.

Regulierung und Risiko

Für Versicherer ist diese Entwicklung mehr als eine Randnotiz. Die Marktbedingungen wirken sich unmittelbar auf das Risikoprofil der Branche aus. Beiner stellte den Zusammenhang deutlich her:

„Unfaire Wettbewerbsbedingungen führen häufig zu wirtschaftlichem Druck und in der Folge zu riskanter Selbstausbeutung – mit potenziellen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.“

Der Satz verweist auf eine Dynamik, die im Alltag vieler Betriebe spürbar ist. Sinkende Margen und wachsender Konkurrenzdruck können dazu führen, dass Arbeitszeiten ausgedehnt, Wartungsintervalle verschoben oder wirtschaftliche Risiken in Kauf genommen werden. Für Versicherer wie die VdK wird damit die Beobachtung des Marktes zur Voraussetzung für eine belastbare Risikobewertung.

Kooperation als Konstante

Trotz der Unsicherheiten betonte Beiner die Bedeutung stabiler Partnerschaften. Die Zusammenarbeit mit der VdK habe sich bewährt und bleibe „gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen ein stabiler Anker“. Als Beispiel nannte er gemeinsame Initiativen zur Verkehrssicherheit, etwa im Kontext von Dooring-Unfällen. Solche Kooperationen zeigen, dass sich die Branche nicht allein über Regulierung definiert, sondern auch über eigene Standards und Projekte. Sie sind Teil eines Versuchs, den Wandel nicht nur zu erleiden, sondern mitzugestalten.

Anpassung und Anspruch

Der Vortrag auf der VdK-Jahrestagung macht deutlich, wie sich die Perspektive im Gewerbe verschiebt. Autonomes Fahren wird nicht mehr primär als Störfaktor gesehen, sondern als Entwicklung, die integriert werden muss. Gleichzeitig bleibt die Forderung nach klaren Wettbewerbsregeln bestehen. Die Branche bewegt sich damit in einem Spannungsfeld: Sie muss sich technologisch öffnen, ohne ihre wirtschaftliche Basis zu verlieren. Das Gelingen hängt weniger von einzelnen Innovationen ab als von den Rahmenbedingungen, unter denen sie eingeführt werden.

 

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