Hamburg fördert mit Partnern Elektrotaxis massiv

Das Zukunftsprojekt Taxi sieht vor, dass die Anschaffung und der Betrieb von Elektrotaxis und Inklusionstaxis gefördert werden und die entsprechende Ladeinfrastruktur ausgebaut wird.

Die Stadt Hamburg fördert ähnlich wie bisher nur München den Einsatz von Elektrotaxis und nicht deren Anschaffung. (Foto: Freie und Hansestadt Hamburg)
Die Stadt Hamburg fördert ähnlich wie bisher nur München den Einsatz von Elektrotaxis und nicht deren Anschaffung. (Foto: Freie und Hansestadt Hamburg)
Dietmar Fund

Bis zu 10.000 Euro pro Fahrzeug für die ersten 130 Elektrotaxis plus bis zu 20.000 Euro pro Fahrzeug für die ersten 20 elektrisch angetriebenen Inklusionstaxis können Hamburger Taxibetriebe ab dem 12. April 2021 über ein Funktionspostfach per E-Mail beantragen. Das sieht das Projekt „Zukunftstaxi“ vor, das der Hamburger Senator für Mobilität und Verkehrswende, Dr. Anjes Tjarks, am 31. März 2021 mit einer Pressekonferenz als Kick-Off-Veranstaltung gestartet hat. Die Stadt möchte so bis zu einem Internationalen Mobilitätskongress im Oktober 100 Elektrotaxis und bis zum Jahresende 130 Stück auf die Straßen der Stadt und ihres Umlands bringen.

Die Förderbedingungen staffeln für alle bis zum 31. Mai 2021 beantragten Förderungen die Anzahl der bezuschussten Taxis nach der Größe des Taxibetriebs. Wenn die Zahl der möglichen Förderungen bis dahin nicht ausgeschöpft wird, entfällt diese Beschränkung. Gefördert werden auch einzelne Taxis von Betrieben, die bis zu drei Taxis haben. Die Gelder fließen für batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge, für solche, die über eine Brennstoffzelle elektrisch angetrieben werden sowie für solche, die eine elektrische Reichweite von mindestens 100 Kilometern haben. Bei ihnen muss über Geofencing sichergestellt werden, dass sie in der Innenstadt emissionsfrei unterwegs sind. Damit passt die Maßnahme auch zum rollstuhltauglichen LEVC TX.

Die Fördermittel der Stadt können mit der Bundesförderung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kumuliert werden, wofür er lange gekämpft habe, erklärte der Senator. Sein Projektleiter Dirk Ritter präzisierte, dass die Förderung der Start nicht das Fahrzeug, sondern seinen Einsatz fördere und damit betriebsbedingte Nachteile wie längere Ladezeiten, längere Wege zur Ladesäule und damit höhere Lohnkosten im Vergleich zum Betanken von Verbrennern ausgleiche.

Laut der Zuwendungsrichtlinie werden für die Stufe 1, die für bis zu 130 Elektrotaxis reicht, 1.000 Euro pro Elektrotaxi beziehungsweise 2.000 Euro pro elektrisches Inklusionstaxi nach der Konzessionierung ausbezahlt. Nach jeweils drei Betriebsmonaten gibt es erneut denselben Betrag, bis die jeweilige Förderhöchstgrenze erreicht ist. Wer nach einem Betriebsjahr per Fiskaltaxameter in einem Einzelunternehmen mindestens 15.000 Besetztkilometer und in einem Mehrwagenunternehmen mindestens 20.000 Kilometer digital nachweisen kann, bekommt auf Antrag weitere 1.000 beziehungsweise 2.000 Euro.

Für die Stufe 2 können nach demselben Muster bis zum 30. Juni 2022 weitere 170 E-Taxen gefördert werden. Bei ihnen beträgt der Höchstbetrag pro Fahrzeug allerdings nur 5.000 Euro beziehungsweise 10.000 Euro. Die Kilometerstaffel für die Förderung im zweiten Betriebsjahr bleibt dieselbe. Über die Bezuschussung werde nach dem Motto „first come, first serve“ entschieden, erklärte der Senator.

Zum Zukunftsprojekt Taxi gehört auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur, um die sich die Deutsche Telekom und Hamburg Energie als Partner kümmern. Die Telekom-Tochter Comfort Charge betreibt heute schon 18 Schnellladestationen im Stadtstaat und möchte in Kürze zwei weitere am Flughafen in Betrieb nehmen. Darüber hinaus sollen auch Ladestationen an dafür geeigneten Kabelverzweigern, den „grauen Kästen“, angedockt werden. Auch die Förderung von Wallboxen auf den Betriebshöfen ist vorgesehen. Überall soll es einen vergünstigten Tarif für die Taxibranche geben.

Christian Brüggmann von der Taxen-Union Hamburg e.V. und Thomas Lohse als Vorstand der Taxizentrale Hansa-Taxi 211211 sind ebenfalls als Partner mit eingebunden. Beide zeigten sich davon überzeugt, dass das Projekt viele Kolleginnen und Kollegen ansprechen werde. Als einziges „Fragezeichen“ sprachen sie die Entwicklung des Strompreises an. Thomas Lohse kündigte an, dass die Elektrotaxis ein eigenes Branding bekommen werden und bei seiner Zentrale und weiteren an sie angeschlossenen Zentralen gezielt bestellt werden können. Wegen des hohen Anteils von telefonischen Bestellungen von rund 80 Prozent werde es für sie eine eigene Telefonnummer geben.

Ein weiterer Projektpartner ist Free Now, die Mobilitätstochter von BMW und Daimler. Ihr Deutschland-Chef Alexander Mönch kündigte bei der Pressekonferenz an, das Projekt mit attraktiven Subventionen für Unternehmer im Wert von rund 3.000 Euro zu unterstützen, die mit den weiteren Förderungen kumulierbar seien. Mit ChargeNow sei er im Gespräch über attraktive Ladekonditionen. Mit Bonusprogrammen und Incentives sollten Fahrgäste zur gezielten Buchung von Elektrotaxis ermuntert werden.

Laut einer von der Behörde eigens hergestellten Info-Broschüre interessieren sich schon einige Fahrzeughersteller für die Lieferung der förderfähigen Elektrofahrzeuge. Auf sich aufmerksam machen bereits Kia mit dem E-Niro, LEVC mit dem TX, Mercedes-Benz mit seinen elektrischen Vans, Nissan mit dem Leaf und dem e-NV200 Evalia, Polestar mit dem Polestar 2, Tesla mit dem Model 3 und Volkswagen mit dem ID.4. Laut Projektleiter Dirk Ritter werden weitere Elektromodelle hinzukommen.

Der Hamburger Senator und seine Projektpartner hoffen, mit ihrem Zukunftstaxi auch als Ideengeber für andere Regionen Deutschlands auftreten zu können. Daher könnten interessierte Taxiunternehmer und –unternehmerinnen die für das Projekt besonders aussagekräftigen Zuwendungsrichtlinien im Downloadbereich zu dieser Meldung als pdf-Datei herunterladen.

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