Barmer und die Patienten-Versteigerung

Im Kampf um die billigsten Taxifahrten bietet die Barmer/GEK die Patientenfahrten zu Dialyse- und Strahlenbehandlungen weiterhin über das Internet an. Die aktuellsten Leidtragenden dieser Regelung sind Taxi- und Mietwagenunternehmer aus Baden-Württemberg.
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Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Sobald ein Patient der Barmer/GEK eine Serienbehandlung benötigt, beispielsweise zu einer Dialysebehandlung oder Strahlentherapie und dazu mit dem Taxi oder Mietwagen befördert werden muss, werden dieses Fahrten anonymisiert im Internet angeboten. Sämtliche Taxi- und Mietwagenunternehmer können sich dann um die Durchführung bewerben, indem Sie ein Preisangebot abgeben. Wer am günstigsten fährt, bekommt in der Regel den Zuschlag.

Diese Vergabe-Praxis führt die Barmer nun schon seit Jahren durch. Sie wird innerhalb der Taxibranche heftig kritisiert. Vor allem in ländlichen Gegenden, in denen Patientenfahrten bis zu 80 Prozent des gesamten Auftragsvolumens eines Taxibetriebs ausmachen,  werden Unternehmer gezwungen, ihre Fahrten weit unterhalb des gültigen Taxitarifs und damit jenseits der wirtschaftlichen Rentabilität abzuwickeln.

Neueste Opfer dieser Vergabepraktiken sind derzeit Taxi- und Mietwagenbetriebe in Baden-Württemberg. Dort werden nach Informationen von taxi heute die Unternehmer aufgefordert, sich an den Ausschreibungen diverser Serienfahrten zu beteiligen.

Unternehmer haben in solchen Fällen meistens die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder man unterbietet den Wettbewerber oder die Fahrzeuge bleiben stehen, während die Unterhaltskosten für das Kfz und die Personalaufwendungen weiterlaufen.

Viele Taxiunternehmen wählen trotzdem die zweite Variante, denn bei Kilometerpreisen von derzeit unter 40 Cent pro gefahrenen Kilometer „muss man schon Geld mitbringen, um eine solche Beförderung überhaupt ausführen zu können“, berichtet eine Taxiunternehmerin aus dem Schwarzwald gegenüber taxi heute. „Wer zu diesen Preisen trotzdem wirtschaftlich überleben kann, muss zwangsläufig an anderen Stellschrauben drehen“, ergänzt ein weiterer Unternehmer. „Das mündet oft in illegalen Aktivitäten, indem das eingesetzte Fahrpersonal nicht ordnungsgemäß angemeldet und deren Löhne nicht oder nur reduziert versteuert werden. Oft verfügen auch weder die Fahrer noch die Fahrzeuge über die für eine Personenbeförderung nötigen Genehmigungen.“

Man habe die Barmer/GEK in diversen Gesprächen auf solche Missstände aufmerksam gemacht und an die soziale Verantwortung der Kasse gegenüber ihren Patienten appelliert. Dass man trotzdem weiterhin an den Internet-Ausschreibungen festhalte und damit bewusst eine Sicherheitsgefährdung der eigenen Patienten in Kauf nehme, sei ein Skandal, kommentiert die Taxibranche.

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