BVTM warnt vor Uber Health - Krankentransport ist mehr als nur ein Fahrdienst
Als Uber im Juni den Start von „Uber Health“ in Deutschland ankündigte, ließ die Reaktion der etablierten Branche nicht lange auf sich warten. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen betont, das Taxigewerbe sei seit Jahren im System der Krankenfahrten verankert und sieht in dem neuen Angebot keine ernsthafte Alternative – sondern eher einen Etikettenschwindel.
„Uber Health hält nicht, was es auf den ersten Blick verspricht“, sagt Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands.
Für ihn ist klar: Die Versprechungen klingen größer, als das Angebot tatsächlich ist. Digitale Abrechnung von ärztlich verordneten Fahrten, wie sie mit dem sogenannten „Muster 4“-Formular abgerechnet werden – Fehlanzeige. Auch auf individuelle Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten gehe der US-Dienstleister nicht ein, so Oppermann.
Was Uber in seiner Mitteilung als Beitrag zur besseren Gesundheitsversorgung verkauft, entlarvt der Verband als „Dumping-Mobilität für Anspruchslose“. Die Wortwahl ist deutlich – und bewusst. Denn sie trifft einen Nerv in einer Branche, die sich selbst als soziale Infrastruktur versteht.
Dass Krankentransporte kein normales Beförderungsgeschäft sind, betont der Verband immer wieder. Wer etwa eine Chemotherapie vor sich hat oder gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurde, erwartet nicht nur ein Auto mit Fahrer, sondern vor allem ein Stück Sicherheit – oft auch persönliche Ansprache und Verständnis.
„Unsere Krankenfahrten enden nicht an der Bordsteinkante“, so Oppermann.
Gerade in solchen Situationen könne das Taxi- und Mietwagengewerbe seine Erfahrung und Nähe zum Menschen ausspielen. Fahrerinnen und Fahrer seien geschult, um mit gesundheitlich belasteten Menschen umzugehen. Sie helfen beim Ein- und Aussteigen, begleiten bis zur Tür oder bringen Rollstühle ins Haus. Eine Aufgabe, die weit über das einfache Navigieren von A nach B hinausgeht.
Digitalisierung ja, aber nicht um jeden Preis
Gleichzeitig verschließt sich die Branche der digitalen Entwicklung nicht. Im Gegenteil. Seit Jahren arbeitet sie mit Krankenkassen zusammen, testet neue digitale Abrechnungsmodelle und optimiert Abläufe. Mit „TaBeA“, einer zentralen Bestell- und Abrechnungslösung, stellt der Verband eine eigene Plattform bereit, die etwa auch von der Deutschen Bahn genutzt wird.
Die Botschaft an die Krankenkassen ist dabei deutlich: Man wolle gemeinsam weiterdenken, Prozesse verbessern, digitale Chancen nutzen. Aber eben mit Augenmaß – und im Sinne der Patientinnen und Patienten.
„Digitalisierung wird nur dann zum Erfolg, wenn sie am Ende mehr oder effizienteren Service bringt – und nicht weniger“, so Oppermann.
Wer entscheidet über Qualität im Gesundheitsverkehr?
Uber selbst gibt an, mit „Uber Health“ einen Beitrag zur besseren Mobilität im Gesundheitsbereich leisten zu wollen. In anderen Ländern ist der Dienst bereits aktiv – oft in Kooperation mit Versicherungen oder Gesundheitsdienstleistern. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dabei vor allem neue Geschäftsmodelle zu erschließen, ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen zu nehmen.
Ob das deutsche System dafür empfänglich ist, bleibt offen. Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln, dürfen dabei aber die Bedürfnisse der Versicherten nicht aus dem Blick verlieren. Für die Entscheidung, wer Krankenfahrten übernimmt, zählen am Ende nicht nur Preis, sondern auch Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit – und Menschlichkeit.
Die Debatte um Uber Health zeigt, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen mehr ist als eine App-Lösung. Es geht um Vertrauen, Qualität und den Umgang mit besonders verletzlichen Menschen. Genau das – so sagt es der Verband – lasse sich nicht auf ein paar Klicks reduzieren.
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