Zukunft des Carsharings? Detroit testet ferngesteuerte E-Taxis ohne Fahrer

In der US-amerikanischen Stadt Detroit wird derzeit ein neues Konzept für die urbane Mobilität erprobt. Das Pilotprojekt "Corktown Carshare" kombiniert die Fernsteuerung von Fahrzeugen mit klassischem Fahren durch den Nutzer.

Das Fahrzeug kommt per Fernsteuerung zum Kunden - dann fährt der Kunde selbst zum Zielort.| Foto: Corktown Carshare
Das Fahrzeug kommt per Fernsteuerung zum Kunden - dann fährt der Kunde selbst zum Zielort.| Foto: Corktown Carshare

Entwickelt wurde das Modell von Sway Mobility, einem Anbieter für E-Carsharing, in Zusammenarbeit mit dem Telefahrdienst Mapless AI. Ziel ist es, eine flexible und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Mobilitätsdiensten anzubieten. Im Zentrum des Projekts steht ein Kia Niro EV, der von einem Operator ferngesteuert an den gewünschten Abholort gebracht wird. Der Kunde übernimmt nach dem Einsteigen selbst das Steuer und fährt zum Zielort. Nach Abschluss der Fahrt wechselt die Steuerung erneut in die Hände eines Operators, der das Fahrzeug per Fernsteuerung zum nächsten Nutzer oder einer Ladestation bringt.

Diese Form der Mobilitätslösung unterscheidet sich von klassischen Robotaxis, die vollständig autonom agieren. Statt hochentwickelter Sensorik und Künstlicher Intelligenz kommt hier eine Fernsteuerung in Echtzeit zum Einsatz. Über ein Bedienpult mit Lenkrad und Pedalen navigiert der Operator das Fahrzeug mithilfe von Kamerabildern und Sensordaten. Laut Philipp Robbel, CEO von Mapless AI, sei der Vorteil dieser Methode, dass bestehende Fahrzeuge mit vergleichsweise günstiger Technik nachgerüstet werden können. Das mache teure Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens überflüssig.

Technische Umsetzung und erste Erfahrungen

Das Fahrzeug ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die ein Echtzeitbild der Umgebung an den Operator übermitteln. Zusätzlich werden Daten zur Position, Geschwindigkeit und weiteren Fahrzeuginformationen erfasst. Sollte es zu Verbindungsproblemen kommen, kann das System auf eingebaute Sensoren wie LiDAR und Kameras zurückgreifen, um das Fahrzeug kontrolliert abzubremsen oder sicher zu parken.

Bisher beschränkt sich das Pilotprojekt auf ein einzelnes Fahrzeug und einen Umkreis von rund zwei Kilometern in Detroit. Der Service wird für einen Preis von fünf Dollar pro Stunde angeboten, was ihn zu einer kostengünstigen Alternative zu klassischen Carsharing-Diensten macht. Das Projekt dient zudem der Untersuchung der Akzeptanz solcher Technologien in der Bevölkerung. Erste Erfahrungen zeigen, dass viele Nutzer dem Telefahren mehr vertrauen als vollständig autonomen Systemen, da in kritischen Situationen ein menschliches Eingreifen jederzeit möglich ist.

Potenzielle Auswirkungen auf den Taximarkt

Sollte sich das Modell bewähren, würde es auch für den Taximarkt tangieren. Einerseits erhöht Kombination aus Fernsteuerung und selbstständigem Fahren die Effizienz von Flotten und reduziert Leerfahrten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern eine solche Technologie langfristig Auswirkungen auf das Berufsbild von Taxifahrern haben könnte. 

In Europa ist ein solches Modell derzeit nicht absehbar, da die regulatorischen Hürden hoch sind. Dennoch zeigt das Projekt in Detroit, dass neue Konzepte zur Optimierung der urbanen Mobilität zunehmend in den Fokus rücken.

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