Test Nissan Qashqai E-Power: Endlich „E“!

Mit E-Power hat Nissan ein aufwändiges Konzept am Start: Der Verbrenner dient nur zum Laden eines Akkus, der wiederum die Energie für den elektrischen Vortrieb liefert. Das ist so aufwändig, wie es sich anhört, und war bisher nicht wirklich sparsam – doch jetzt hat Nissan massiv nachgelegt.

Endlich "eco": Die Überarbeitung des E-Power-Antriebsstrangs senkte den Spritkonsum merklich. | Foto: Nissan
Endlich "eco": Die Überarbeitung des E-Power-Antriebsstrangs senkte den Spritkonsum merklich. | Foto: Nissan
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Endlich echt „E“ möchte man ausrufen angesichts der nun sparsamen Verbrauchswerte des aktuellen Nissan Qashqai mit „E-Power“. Denn „E“ war bisher weder elektrisch noch „ecological“: Als wir Anfang 2024 den X-Trail mit dem gleichen Antriebskonzept testeten, lieferte er am Ende nur Verbrauchswerte, die je nach Einsatz zwischen sieben und acht Litern lagen. Das schaffte auch ein dezent elektrifizierter Subaru Forester, ein ähnlich aufwändig elektrifizierter Honda CR-V, und das unterbot locker ein Toyota RAV4 Hybrid.

Viel sparsamer als zuvor

Weshalb Nissan nachgelegt haben will und als „Beweis“ einen neuen Qashqai als Testwagen anbot. Und tatsächlich genehmigte er sich nie mehr als 6,25 l/100 km, begnügte sich im autobahnlastigen Test mit 6,07 l/100 km, konnte aber mit etwas Entspannung im Gasfuß auch locker unter die 6,0-Liter-Marke gefahren werden. Das sind endlich wieder dCi-Verbräuche, womit wir gleich bei der Krux des Systems sind: Denn im Vergleich zu einem simplen, aber aufwändig abgasgereinigten Diesel ist das komplexe Kraftwerk E-Power ein sehr aufwändiger Antrieb, der zwar sehr sparsam sein kann, aber nicht verleugnen kann, dass er gern mit Super gefüttert wird.

Über Land nippt er nur noch am Tank

Denn noch in der Kaltlaufphase lässt er anfangs gern mal 15 Liter des kostbaren Saftes durchlaufen, und auch Stopp-and-Go mag er nicht: Dann schüttet er gern mal über sechs Liter auf 100 Kilometern in sich hinein. Ebenso, wenn er schnelle Autobahnschnitte absolvieren soll: Dann meldet die Verbrauchsanzeige gern Werte um die 7,0 l/100 km oder gar nördlich davon. Doch wie gesagt: Wer mit zartem Gasfuß brav bei 120 bis 130 km/h mitschwimmt, kommt schnell auch wieder unter 6,5 l/100 km. Womit klar ist: Nachdem er drehmomentseitig nicht den Diesel-Punch bietet, ist er als Kilometerfresser nur ein Teilzeitersatz für einen kräftigen dCi. Seine große Stunde schlägt aber beim Pendeln auf der Landstraße: Hier konnten wir ihn laut Anzeige bis auf 4,8 l/100 km am „sparsamsten Punkt“ unserer Testrunde herunterhungern, aber auch in der Gesamtauswertung wurden es gerade mal gut 5,0 l/100 km, die sich der Qashqai schmecken ließ. Und nachdem jetzt auch das Brummen des Antriebs auf ein leises Brummeln dann und wann reduziert wurde, kommen wir zu dem Schluss, dass E-Power jetzt da ist, wo es verbrauchstechnisch immer hätte sein sollen.

Aber das alles kostet: Wer sich seinen Qashqai wie den Testwagen als N-Design VC-T e-Power mit abgestepptem Kunstleder und „Wildlederimitat“ ordert, konfiguriert den im britischen Sunderland montierten Nissan optisch nah an Bentley heran, muss aber mit Zweifarben-Metalliclack (für günstige 900 Euro) und dem Komfort-Paket Plus auch 48.620 Euro (!) einrechnen – wofür es auch schon ganz ordentliche reine Stromer gäbe. Denn wie gesagt: Den antriebstechnischen Aufwand muss sich Nissan auch irgendwo bezahlen lassen. Zum Vergleich: Die gefühlt nicht so dramatisch schwächere Basisvariante Acenta DIG-T Mild-Hybrid mit 140 PS und Sechsgangbox startet bei 34.540 Euro deutlich günstiger. Aktuell (Stand 23.2.2026) lässt Nissan aber im Zuge einer Rabattaktion aber bis zu 7.700 Euro nach, was die Kosten ganz dramatisch nach unten bringt. Und den Qashqai dahin, wo wir ihn preislich auch verorten würden…

Zumal von den 140 kW (190 PS) im Sport-Mode mit 151 kW (205 PS) nicht so viel zu spüren ist: Zwar geht es in rund 7,7 Sekunden auf 100 km/h, und auch die Zwischenbeschleunigungen fallen ordentlich aus, aber grundsätzlich erzieht der Antrieb eher zum Gleiten, und die elektrischen 310 respektive 330 Nm fallen bei gut 1,8 Tonnen Testgewicht schon nicht mehr so üppig aus – zumal es der Verbrenner bei 237 Nm bei 4.000 Umdrehungen belässt.

Sein Geheimnis: Unauffällig „rightsized“ in jeder Hinsicht!

Fahrwerk und Lenkung bemühen sich um maximale Unauffälligkeit, wie überhaupt der Qashqai so ein Auto der weltweiten Mitte ist, wenn man partout keinen Stromer mag: Er ist nicht zu groß für Asien, nicht zu klein für die USA – auch wenn er dort gar nicht geliefert wird – und sowieso perfekt für Europa und als „heimisches Produkt“ mehr als okay für UK. Weshalb wir uns nicht wundern, dem Qashqai in diversen Generationen sehr oft zu begegnen.

Die Fahrerassistenz bimmelt gern und viel

Das Raumangebot geht auch für vier groß gewachsene Passagiere in Ordnung, das Infotainment gibt sich manchmal etwas googelig verständnisarm, plant die Routen dafür aber sehr gut samt kompetenter Stauerkennung und -umfahrung. Und auch die auf wohltuende Art noch vergleichsweise tastenlastige Bedienung ist eingängig und „blind“ machbar. Was uns nervte, war das übereifrige Warngebimmel wegen gefühlt allem und jedem, das man jedes Mal wieder gern deaktiviert, da der Qashqai zu den ganz nervigen Überwachern gehört, und dass uns die Kopfstütze beim Absenken tatsächlich ein ganz kleines Stück der Fingerkuppe abgeknipst hat. Davor hätte uns der Qashqai gern warnen dürfen. Immerhin lassen sie sich weit herausziehen.

Am Ende verstehen wir den Qashqai als Cashcow und wundern uns nicht, warum er neben dem Juke und Leaf (noch) den großen Großteil im Werk Sunderland ausmacht: Denn er passt einfach für jeden Erwachsenen und kann jetzt dank des überarbeiteten E-Power-Antriebsstrangs auch endlich echt eco.

Was bedeutet das?

Die Überarbeitung hat dem Qashqai gut getan! Er lässt sich jetzt sehr sparsam bewegen, punktet gar mit dezenter optischer Eigenständigkeit und, was vielleicht am wichtigsten ist: Er erlaubt sich keine gravierenden Schwächen. Wenngleich er dem elektrischen Leaf trotz dramatisch gesteigerter E-Kompetenz in Sachen „eco“ nicht das Wasser reichen kann.

Nissan Qashqai N-Design 1.5 VC-T e-Power in Daten und Zahlen:

Abmessungen:

L x B x H: 4.425 x 1.835 (oh. Spiegel) x 1.625 mm

Radstand: 2.665 mm

Kofferraumvolumen: 455 – 1.440 l

3-Zyl.-Turbo-Ottomotor, 1.498 ccm + perm. err. E-Maschine

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Schraubenfedern

Max. Leistung Benziner kW (PS): 116 (158) /4.800-5.000/min.

Max. Drehmoment (Nm): 237 /bei 4.000 min.

Max. Leistung E-Maschine Eco/Sport kW (PS): 140 (190) /151 (205) ab 0 min.

Max. Drehmoment  E-Maschine (Nm) Eco/Sport: 310/330 Nm  ab 0 min.

0-60/80/100 km/h: 4,1/5,4/7,7 sek.

50-80/80-120 km/h: 3,2/5,6 sek.

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Geräusche 30/50/60/80/100/120 km/h: 49,4/51,8/52,6/56,4/59,7/61,3 dbA

Leergewicht: 1.748 kg

Zuladung: 412 kg

Anhängelast ungebr./gebr.: 750/750 kg

Wendekreis: 11,1 m

Grundpreis Nissan Qashqai e-Power (brutto/netto): ab 34.540 Euro*/ 29.025,21Euro* 42.240 Euro/35.495,80 Euro

+inkl. 7.700 Euro Rabatt, Stand 23.2.2026

Verbrauch:

City: 6,18 l/100 km (144,0 g CO2)

Land: 5,07 l/100 km (118,1 g CO2)

BAB:  6,53 l/100 km (152,1 g CO2)

Gesamt: 6,07 l/100 km (141,4 g CO2)

Kosten/km: 0,34 Euro

 

Es ist: Nissans Topseller im Herzen des europäischen Marktes – auch wenn er aus UK kommt

Ideal für…alle, die ein sparsames Mitteklasse-SUV suchen, das alles kann

Schön, dass…das e-Power jetzt seinem Namen endlich gerecht wird

Schade, dass…der Qashqai bei 170 km/h abgeregelt ist und auch gebremst maximal 750 kg Anhängelast zieht!

 

Quelle: Eigener Test auf der standarisierten 159,0 km langen VM-Testrunde 

 

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