El Prix 2026: Xpeng X9 hängt die Konkurrenz ab!

24 Elektrofahrzeuge traten beim El Prix Sommer 2026 an. Die meisten Modelle erreichten unter sommerlichen Bedingungen Reichweiten nahe ihren offiziellen WLTP-Angaben.

Der norwegische Reichweitentest El Prix führte die 24 teilnehmenden Elektrofahrzeuge auf einer mehrere Hundert Kilometer langen Strecke durch unterschiedliche Topografien und Klimazonen des Landes. | Foto: NAF
Der norwegische Reichweitentest El Prix führte die 24 teilnehmenden Elektrofahrzeuge auf einer mehrere Hundert Kilometer langen Strecke durch unterschiedliche Topografien und Klimazonen des Landes. | Foto: NAF
(erschienen bei VISION mobility von Alina Venediktova)

Wie nah kommen Elektroautos im Alltag tatsächlich an ihre offiziell ausgewiesene Reichweite heran? Dieser Frage gingen der norwegische Automobilverband NAF und das Magazin Motor beim El Prix Sommer 2026 nach. Nach Angaben der Veranstalter nahmen 24 batterieelektrische Fahrzeuge unterschiedlicher Klassen am bislang größten Reichweitentest dieser Art teil. Die Ergebnisse zeigen: Die meisten Fahrzeuge bewegen sich unter sommerlichen Bedingungen erstaunlich nah an den offiziellen Werten. Einige Ausreißer gab es dennoch.

Nicht die längste Strecke entscheidet

Der El Prix bewertet die Fahrzeuge nicht danach, welches Modell die größte Distanz zurücklegt. Entscheidend ist vielmehr die Abweichung zwischen der tatsächlich erreichten Fahrstrecke und der nach dem weltweit harmonisierten Prüfverfahren für leichte Fahrzeuge ausgewiesenen Reichweite.

Den besten Wert in dieser Disziplin erzielte der Xpeng X9. Das Fahrzeug legte 646 Kilometer zurück und übertraf damit seine offiziell angegebene Reichweite von 580 Kilometern um 11,4 Prozent. Damit setzte sich das Modell deutlich von den übrigen Teilnehmern ab.

Am anderen Ende des Feldes landete der MG IM6. Das Fahrzeug erreichte 446 Kilometer und blieb damit 11,7 Prozent unter seiner ausgewiesenen Reichweite von 505 Kilometern.

BMW fährt am weitesten

Wer allerdings schlicht möglichst viele Kilometer mit einer Batterieladung zurücklegen möchte, blickt auf einen anderen Sieger. Nach Angaben von NAF erreichte der BMW iX3 die größte Distanz im gesamten Teilnehmerfeld. Das Fahrzeug kam auf 781 Kilometer und übertraf damit seine offizielle Reichweite von 770 Kilometern leicht.

Bereits vor dem Test galt der BMW als einer der Favoriten auf die größte Fahrstrecke. In der Vorankündigung hatten die Organisatoren insbesondere das Duell zwischen BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC hervorgehoben. Der GLC war mit einer offiziell ausgewiesenen Reichweite von 643 Kilometern angetreten. Konkrete Vergleichsergebnisse veröffentlichte NAF im Nachgang jedoch nicht.

Familienfahrzeuge dominieren das Feld

Ein Blick auf das Teilnehmerfeld zeigt, wohin sich der Markt entwickelt. Große Familienfahrzeuge und Sport Utility Vehicles prägten den Test deutlich stärker als kompakte Modelle.

Neben Fahrzeugen wie BMW iX3, Mercedes-Benz GLC, Lucid Gravity, Hyundai Ioniq 9 oder Xpeng X9 nahmen auch mehrere kleinere Fahrzeuge teil. Dazu gehörten unter anderem Hyundai Inster und Kia EV2.

Die Spannweite bei den offiziell ausgewiesenen Reichweiten war erheblich. Während der BMW iX3 mit 770 Kilometern die höchste Reichweitenangabe im Feld aufwies, bildete der Kia EV2 mit 308 Kilometern das Schlusslicht.

Preis und Reichweite bleiben eng verbunden

Interessant für Beschaffungsverantwortliche dürfte auch ein Blick auf das untere Ende der Preisskala sein. Mit dem Dongfeng Vigo trat ein Familien-Sport-Utility-Vehicle an, das in Norwegen für 250.000 Kronen angeboten wird.

Die offizielle Reichweite des Fahrzeugs beträgt 340 Kilometer und liegt damit deutlich unter den Spitzenwerten des Testfelds. Die Organisatoren verwiesen bereits vor dem Test darauf, dass sich in diesem Segment Preis und Reichweite weiterhin spürbar voneinander unterscheiden.

Sommerliche Bedingungen begünstigen die Ergebnisse

Jedoch ist zu berücksichtigen, dass der Test in Norwegen unter günstigen Bedingungen stattfand. Neben Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad Celsius sowie trockenen Straßen führte die Strecke überwiegend über Straßen mit vergleichsweise niedrigen zulässigen Geschwindigkeiten. Solche Rahmenbedingungen begünstigen einen geringeren Energieverbrauch als Fahrten auf Autobahnen mit dauerhaft hohen Reisegeschwindigkeiten. Die erzielten Reichweiten lassen sich daher nicht uneingeschränkt auf Flotten mit hohem Autobahnanteil übertragen.

Das spiegelt sich auch in den Resultaten wider. Die meisten Fahrzeuge erreichten ihre offiziellen Werte oder bewegten sich nur geringfügig darüber beziehungsweise darunter. Deutliche Abweichungen blieben die Ausnahme.

Diese Erkenntnis ist wichtig. Während Wintertests regelmäßig größere Unterschiede zwischen Prüfstand und Praxis sichtbar machen, zeigen die aktuellen Ergebnisse, dass moderne Elektrofahrzeuge unter günstigen Bedingungen ihre Reichweitenversprechen vielfach einlösen können.

Reichweiten bleiben ein zentrales Beschaffungskriterium

Der El Prix macht zugleich deutlich, wie stark sich das Angebot mittlerweile ausdifferenziert hat. Zwischen den Fahrzeugen liegen sowohl bei der Reichweite als auch bei Fahrzeuggröße und Preis erhebliche Unterschiede.

Für Unternehmen, die Elektrofahrzeuge beschaffen, reicht daher der Blick auf die offiziell ausgewiesene Reichweite allein nicht aus. Ebenso relevant ist die Frage, wie nah ein Fahrzeug unter realen Bedingungen an diesen Wert herankommt.

Gerade für Dienstwagenfahrer, Außendienstorganisationen und Flotten mit hohem Langstreckenanteil können Unterschiede von mehreren Dutzend Kilometern darüber entscheiden, ob ein zusätzlicher Ladestopp notwendig wird oder nicht.

Was bedeutet das?

Der El Prix Sommer 2026 liefert vor allem eine Botschaft: Die Reichweitenangaben vieler Hersteller liegen inzwischen näher an der Praxis als noch vor wenigen Jahren. Für Fuhrparkleiter ist das eine wichtige Entwicklung, weil sich Einsatzprofile dadurch verlässlicher planen lassen.

Gleichzeitig zeigt der Test, dass offizielle Reichweitenangaben allein wenig über die tatsächliche Alltagstauglichkeit aussagen. Zwischen dem besten und dem schwächsten Wert bei der Abweichung lagen mehr als 23 Prozentpunkte. Das ist kein dramatischer Unterschied, aber groß genug, um bei der Fahrzeugauswahl genauer hinzuschauen.

Bemerkenswert ist zudem, dass nicht das Fahrzeug mit der höchsten absoluten Reichweite den Test gewann. Für Beschaffer bedeutet das: Wer Elektrofahrzeuge bewertet, sollte nicht nur auf die größtmögliche Kilometerzahl schauen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie realistisch die Herstellerangaben ausfallen. Anders gesagt: Auf dem Datenblatt kann vieles weit fahren. Spannend wird es erst, wenn die Straße beginnt.

Logobanner Liste (Views)