Tesla Taxi Test: Model 3 - Vom Maßstab zum soliden Mitläufer

Das Model 3 hat seinen Blinkerhebel zurück – und punktet auch sonst mit starker Effizienz beim Fahren und beim Platzangebot. Dazu kommt Punch und eine ordentliche Ladeleistung, aber…

Das Model 3 fährt in der Mittelklasse noch immer vorn mit und gewann optisch gegenüber dem Vorgänger. | Foto: G. Soller
Das Model 3 fährt in der Mittelklasse noch immer vorn mit und gewann optisch gegenüber dem Vorgänger. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Elon Musk scheint sich nicht mehr wirklich für „seine“ Autos zu interessieren. Statt aus Model S und X margenstarke Luxusliner mit maßstabsetzenden Reichweiten und Ladeleistungen zu machen, stellte er die Gamechanger einfach ein.

Model 3 und Y tragen die jahrealten Rohbauten auf, die erstmals Gigacasting einführten und ja, bemühen sich um bessere Qualität. Und das erfolgreich: Wo wir beim Model X 2025 trotz Neuwagenzutand (wir übernahmen es mit 33 Kilometern) schon Kratzer von der Zutrittskarte an der B-Säule fanden und der eine oder andere Spalt auch nach x Jahren Bauzeit NOCH NICHT sauber lief, punktet unser Model 3 mit ordentlicher Verarbeitung. Tesla-intern ist auch bekannt, dass die Qualität überall auf der Welt besser ist als im US-Stammwerk Fremont - das Model 3 kommt ausschließlich aus China zu uns.

Das Model 3 fährt sich immer noch knackig

Und fährt sich knackig wie am ersten Tag: Wir schätzen die flach fliehende Front unter der großen Scheibe, die immer ein bisschen Hypercarfeeling vermittelt. Dazu kommt ein immer noch leicht holziges, aber straffes Fahrwerk, das jetzt auch Komfort kann: Man hört keine Steinchen mehr in den Radkästen rauschen und die Federung ploppt Querfugen oder –rillen jetzt gekonnt weg. Womit zwar ein bisschen Direktheit verlorengeht, doch wir fahren hier ja auch nicht Caterham oder Lotus, sondern eine elektrische Mittelklasselimousine. Die mit nur 1.888 Kilogramm Leergewicht (samt 80-Kilogramm-Lenker respektive Lenkerin) tatsächlich zu den Leichten im Segment zählt.

Und die nach wie vor gut Punch und eine ordentliche Reichweite hat: Auch bei kühlen Temperaturen werden immer gut 400 Kilometer angeboten. Die E-Maschine mit 235 kW Leistung schiebt bei Bedarf ordentlich an und das Model 3 lässt sich durchaus freudig bewegen. Und bietet innen vier Personen gut Platz in einem jetzt edleren und gefühlt wärmeren Ambiente, das immer noch markenspezifisch cool und reduziert rüberkommt. Und ebenfalls mit besserer Verarbeitung im Detail punktet.

(Fast) alles auf dem Screen. Kann man machen, ist aber ergonomisch teils unsinnig

Nach wie vor nervig ist, dass man vor- und rückwärts fahren über den Screen wischen muss, was manchmal gefährlich sein kann, wenn es das Model 3 nicht korrekt annimmt. Und auch sonst: ALLES muss per Screen eingestellt werden. Der bietet zwar nach wie vor ein klares Menü, aber trotzdem. Simple Dinge wie den Scheibenwischer muss man 1. Antippen, 2. Einstellen, gleiches gilt für die Klimatisierung oder die Lautstärkenregelung des Infotainments und nein, das bleibt ergonomisch einfach Unsinn, auch wenn es Tesla Kosten spart.

Und sonst? Fährt das Model 3 eigentlich weiter grundsätzlich vorn mit. Es macht eine, grundsätzlich superchargerhaltige gekonnte Ladeplanung, wo man durch Plug-and-Charge einfach einsteckt und das Auto lädt -  IMMER. Und das In der Regel schnell, wobei es auch vorkam, das wir an einer ausgelasteten Station auch mal nur mit 70 kW max. „nuckelten“, was die Ladezeit dann dezent verlängerte und nicht mehr so herausragen ließ. Der Verbrauch geht mit 20,39 kWh/100 km für die Leistung in Ordnung. Aber: All das ist eben nur noch metoo und nicht mehr wooow wie einst.

Ein neues Model 3 stünde auf einer 800-Volt-Plattfrom, wöge unter 1.800 Kilogramm und würde auch im Winter immer weit unter 20 kWh verbrauchen. Und würde im Unterwagen nur noch aus drei gigagecasteten Teilen bestehen und im Mittelwagen natürlich eine Cell-to-pack-Struktur tragen. Zusätzlich hätte es eine große Heckklappe und einen cW-Wert von unter 0,20. Doch all das ist nicht in Planung – stattdessen werden die Fragen immer lauter, ob Tesla als Autohersteller überhaupt weiter existieren wird. Womit uns am Ende – unabhängig von Elon Musk – rein technisch gesehen nur ein Wort bleibt: Schade, da wäre mehr möglich gewesen!

Tesla Model 3 in Daten und Zahlen:

Abmessungen/Messwerte:

LxBxH: 4.720 x 2.089 (inkl. Spiegel) x 1.441 mm

Radstand: 2.875 mm

Kofferraumvolumen: 594 - 977 l + 88 l Frunk

Synchronmotor mit Permanentmagnet

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Schraubenfedern

Max. Leistung kW (PS): 235 (320)  

Max. Drehmoment (Nm): 435 /ab 0 min.

0-60/80/100 km/h: 2,4/3,8/5,4 sek.

50-80/80-120 km/h: 16/3,2 sek.

Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h

Geräusche 30/50/60/80/100/120 km/h: 50,4/51,5/52,9/55,8/57,4/58,7 dbA

Ladezeiten 79-kWh-Akku:

2,3 kW AC: ca. 40 h 30 min

11 kW AC: ca. 8 h 30 min

Max. 250 kW DC 10-80%: ca. 29 min.

Leergewicht: 1.888 kg

Anhängelast ungebr./gebr.: 750/1.000 kg

Stützlast: 55 kg

Wendekreis: 11,7 m

Grundpreis Tesla Model 3 Premium max. Reichweite Hinterradantrieb (brutto/netto): 45.970/38.630,25 Euro

Verbrauch:

City: 21,74 kWh/100 km (7,1 g CO2)

Land: 17,93 kWh/100 km (5,9 g CO2)

BAB:  21,38 kWh/100 km (7,0 g CO2)

Gesamt: 20,39 kWh/100 km (6,7 g CO2)

Kosten/km: 0,60 Euro

 

 

 

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