Tensor und Münchner Taxi Zentrum planen 500 autonome Taxis für Deutschland
Ein Taxi, das ohne Fahrer vorfährt, aber weiterhin unter der Marke eines klassischen Taxiunternehmens unterwegs ist: Dieses Modell wollen Tensor und das Münchner Taxi Zentrum (MTZ) in Deutschland erproben. Beide Unternehmen haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Als ersten Schritt planen sie eine Flotte von bis zu 500 autonomen Fahrzeugen. Der kommerzielle Einsatz hängt allerdings von endgültigen Verträgen und der Zulassung für autonomes Fahren nach Level 4 ab. Für die Taxibranche ist vor allem die Rollenverteilung interessant. Das MTZ soll die Fahrzeuge unter eigenem Namen betreiben und in seine bestehenden Vermittlungssysteme integrieren. Fahrgäste würden weiterhin beim Taxiunternehmen buchen. Auch die Kontrolle über Kundenbeziehungen, Flotte und Daten soll beim Betreiber bleiben. Tensor stellt das Fahrzeug bereit und verlangt für die autonome Fahrfunktion ein laufendes Abonnement – ein Geschäftsmodell, das das Unternehmen „Autonomous Driving as a Service“ nennt.
Robocar – in München als Taxi!
Tensor ist kein klassischer Autohersteller. Das 2016 im Silicon Valley gegründete Unternehmen firmierte zunächst als AutoX und entwickelte autonome Fahrsysteme, unter anderem für Robotaxis in China. Nach eigenen Angaben hat es diese Aktivitäten inzwischen eingestellt und konzentriert sich auf den Tensor Robocar, ein Fahrzeug, das sowohl für Privatkunden als auch für gewerbliche Flotten konzipiert ist. Anders als Anbieter, die bestehende Autos mit zusätzlicher Sensorik ausrüsten, entwickelt Tensor sein Fahrzeug von Grund auf für autonomes Fahren. Nach Herstellerangaben verfügt es über mehr als 100 Sensoren, darunter Kameras, Radar und Lidar, sowie über eine leistungsfähige Rechnerarchitektur. Das Konzept sieht auch selbstreinigende Sensoren und automatisiertes Einparken vor. Ob diese Funktionen im Taxi-Alltag die Standzeiten tatsächlich senken, muss sich im Betrieb zeigen.
„Die Taxibranche spielt eine führende Rolle dabei, nachhaltiges autonomes Fahren nach Europa zu bringen“, sagt MTZ-Geschäftsführer Gregor Beiner. „Gemeinsam mit Tensor wird MTZ autonome Fahrzeuge unter eigenem Namen auf Münchens Straßen bringen, mit der Servicequalität und der Datensouveränität, denen unsere Kundinnen und Kunden vertrauen.“
Zugleich betont Beiner, dass professionelle Fahrerinnen und Fahrer dort unverzichtbar blieben, wo persönlicher Service und Unterstützung gefragt seien.
Tensor-Chef Jay Xiao sieht in der Kooperation einen Ausgangspunkt für den europäischen Markt. Innerhalb von 24 Monaten nach dem Markteintritt in Europa sollen nach dem Plan der Partner weitere 10.000 Fahrzeuge bei europäischen Betreibern hinzukommen. Das Netzwerk Taxis 4 Smart Mobility, dem Taxiorganisationen aus sechs Ländern angehören, könnte dabei helfen. Auch ein Verkauf des Robocars an Privatkunden in Deutschland wird geprüft.
Betriebserlaubnis noch nicht erteilt
Der Weg auf die Straße ist allerdings noch nicht frei. Deutschland erlaubt autonome Fahrzeuge nach Level 4 zwar im Regelbetrieb, verlangt dafür aber eine entsprechende Betriebserlaubnis und behördlich genehmigte Betriebsbereiche. Ein großflächiger Einsatz lässt sich deshalb nicht allein mit einer Absichtserklärung beschließen. Für Taxiunternehmen könnte das Modell eine Alternative zu Plattformen bieten, die Fahrzeuge, Buchung und Kundenkontakt selbst kontrollieren.
Die Kosten für die Anschaffung und die Software sind allerdings enorm und die Verfügbarkeit der Fahrzeuge sowie die tatsächlichen Betriebsergebnisse sind noch nicht endgültig geklärt. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, ob ein Auto selbst fahren kann. Sondern auch, ob sich damit ein Taxiunternehmen wirtschaftlich betreiben lässt. E-Taxi-Pionier Gregor Beiner zeigt einmal mehr, dass er zu den Vorreitern der Branche gehört – und die Zukunft des Taxigewerbes aktiv mitgestalten möchte.
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