Der lange Weg zum Einheitstarif

Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen einen einheitlichen mitteldeutschen Taxitarif bekommen, schrieb die „Neue Presse“ vergangene Woche. Doch diese scheinbare Neuigkeit ist nur ein Zwischenfazit.
[node:title]

Schon seit Monaten bemüht sich der Landesverband Sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmer darum, für die Städte Leipzig und Halle sowie die daran angrenzenden Landkreise Leipzig, Nordsachsen und Saale-Kreis (letzterer gehört wie Halle bereits zu Sachsen-Anhalt) einen einheitlichen Taxitarif genehmigen zu lassen. Verbandsvorstand und Initiator Hans-Jürgen Zetzsche besuchte deshalb im letzten Jahr zahlreiche ortsansässige Taxiunternehmer, um für seine Idee zu werben.

Hintergrund ist die Tatsache, dass der Wirtschaftsraum Leipzig/Halle spürbar zusammengewachsen ist, berichtet Zetzsche gegenüber taxi heute. Ein Paradebeispiel dafür ist der Flughafen Leipzig/Halle, der von Taxis aus allen fünf Genehmigungsbezirken bedient wird. Für Fahrten von und zum Flughafen gibt es deshalb eine einheitliche Tarifregelung – parallel zum jeweils örtlichen Tarif. Diese habe laut Zetzsche allerdings zwei gravierende Nachteile: Zum einen sei die Vereinbarung aus dem Jahr 2006, basiere auf den Preisen von 2002 und sei daher heute nicht mehr kostendeckend. Es sei schwer vermittelbar, dass beispielsweise eine Leipziger Rentnerin für die Fahrt zum Arzt nach Stadttarif mehr bezahlen solle als der Geschäftsmann zum Airport, weil dort der günstigere Flughafentarif verwendet werde, moniert Zetzsche.

Zum anderen führen zwei unterschiedliche Tarife permanent zu technischen Problemen. Stellt sich beispielsweise erst nach dem Einschalten des Taxameters heraus, dass der Fahrgast zum Flughafen will, sei ein nachträgliches Umschalten auf den Flughafentarif nicht mehr möglich.

Zetzsche stieß mit seinem Anliegen und den Argumenten bei vielen Unternehmern auf offene Ohren und Verständnis und bemüht sich nun seit einiger Zeit, die Genehmigungsbehörden zu überzeugen. Dort wiederum bittet man die Unternehmen schriftlich bzw. mündlich um Stellungnahme. Mit dem Ergebnis, dass zwar weniger als die Hälfte überhaupt Ihre Meinung geäußert haben, von diesen jedoch eine deutliche Mehrheit hinter dem einheitlichen Tarifvorschlag steckt.

„Die nächste Hürde könnte dann am 25. Januar genommen werden, wenn sich die Vertreter der einzelnen Landkreise und Städte zusammensetzen“, sagt Zetzsche, der allerdings bedauert, dass dort weder Vertreter der Taxiverbände noch der ebenfalls beteiligten IHK zum Argumenten-Austausch eingeladen wurden.

Er hätte nicht gedacht, dass eine Einigung so lange dauern würde, sagte Zetzsche im Gespräch mit der taxi heute-Redaktion. Vor allem für die Kollegen der Stadt Leipzig sei diese Verzögerung sehr bitter, denn die letzte Tarifanpassung stammt aus dem Jahr 2006.

Sollte es zu keiner Einigung kommen, müssten Leipzig und Halle den für alle fünf Gebiete geplanten Tarif im Alleingang beschließen – dann allerdings nur wieder für das Stadtgebiet. Der Flughafen hätte weiterhin seinen eigenen, zweiten und unwirtschaftlichen Tarif und Zetzsches Zeitaufwand und Reisekosten müssten unter dem Kapitel „Außer Spesen nichts gewesen“ verbucht werden.

Hinweis der Redaktion: Mit dem Thema einheitliche Taxitarife beschäftigt sich auch unsere Frage des Monats Januar 2012. Ihren Standpunkt können Sie uns hier mitteilen.

Logobanner Liste (Views)