Taxi- und Mietwagengewerbe: VSPV rückt Ehrenamt und gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus
Wer über die Zukunft des Taxi- und Mietwagengewerbes spricht, denkt meist an Mobilität, Digitalisierung oder den Wettbewerb mit Plattformanbietern. Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen (VSPV) versucht derzeit, die Diskussion um eine weitere Perspektive zu erweitern: die gesellschaftliche Rolle mittelständischer Unternehmer in ihren Heimatgemeinden. Dafür baut der Verband sein politisches Netzwerk gezielt aus. Neben Verkehrs- und Gesundheitspolitikern sucht der VSPV zunehmend den Austausch mit Fachpolitikern aus anderen Bereichen. Nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz, Carsten Müller, trafen VSPV-Geschäftsführer Sascha Waltemate und Hauptstadtbüroleiter Patrick Meinhardt nun den CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer.
Mayer selbst schon lange „Ehrenamtler“
Mayer gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten dem Deutschen Bundestag an, war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und ist heute unter anderem Sprecher und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sport und Ehrenamt der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als ehemaliger Präsident des Technischen Hilfswerks und heutiger Präsident des Bundes der Vertriebenen steht er zudem selbst für langjähriges ehrenamtliches Engagement. Genau an diesem Punkt setzt die Argumentation des VSPV an. Der Verband möchte die Aufmerksamkeit stärker auf die Menschen hinter den Unternehmen lenken.
„Wir wollen und müssen noch viel verstärkter das bürgerschaftliche Engagement unserer Unternehmerpersönlichkeiten ins Zentrum rücken“, betonen Waltemate und Meinhardt.
Nach Auffassung des Verbandes engagieren sich Taxi- und Mietwagenunternehmer weit über ihren eigentlichen Geschäftsbetrieb hinaus. Viele seien in Vereinen, Kirchen, Hilfsorganisationen oder Feuerwehren aktiv. Sie unterstützten örtliche Veranstaltungen, förderten den Nachwuchssport oder übernähmen Verantwortung in ehrenamtlichen Funktionen.
„Unsere mittelständischen Taxi- und Mietwagenunternehmer, ihre Familien und viele ihrer Mitarbeiter sind in ihren heimatlichen Gemeinden eine Stütze in den Vereinen, Kirchen, Verbänden, beim THW, der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz“, erklären die beiden Verbandsvertreter. Für viele Unternehmer sei es selbstverständlich, etwas an die Gemeinschaft zurückzugeben. „Das Taxiunternehmen ist ein Teil des Ortes, man hilft beim Sportfest, singt im Kirchenchor, gehört zum Team der Freiwilligen Feuerwehr oder sponsert die T-Shirts des Faschingsvereins.“
Kritik an Plattformen
Mit diesem Blick auf die lokale Verankerung grenzt der Verband die mittelständische Branche zugleich deutlich von internationalen Plattformanbietern ab. Bereits bei den Gesprächen mit Verbraucherschützern hatte der VSPV die Geschäftsmodelle von Uber, Bolt und anderen Vermittlungsplattformen kritisch bewertet. Dort seien Fragen des Verbraucherschutzes eng mit Themen wie Schwarzarbeit, Sozialbetrug, illegalen Angeboten und mangelndem Versicherungsschutz verknüpft.
Im Gespräch mit Mayer rückte der Verband jedoch weniger die Regulierung als vielmehr den gesellschaftlichen Beitrag der Branche in den Mittelpunkt.
„Zeigen Sie uns das vergleichbare Engagement von Uber, Bolt & Co.“, fordern Waltemate und Meinhardt. Während Plattformen häufig auf anonyme Vermittlungsprozesse setzten, entstünden im klassischen Taxi- und Mietwagengewerbe oft langjährige persönliche Beziehungen.
Besonders deutlich werde dies im Bereich der Kranken-, Reha- und Arztfahrten. Dort gehe die Dienstleistung häufig über den reinen Transport hinaus.
„Ein unbekannter Fahrer fährt einen ihm unbekannten Gast von A nach B; der Auftrag ist erledigt. Diese Anonymität hat nichts mit dem zu tun, was wir als Branche leben und wie wir Kundenservice sehen“, so Waltemate und Meinhardt weiter..
Vertrauensvoller Dienstleister: Taxi
Gerade regelmäßige Fahrten zu medizinischen Einrichtungen schafften Vertrauen und persönliche Nähe. Gespräche während der Fahrt, Verlässlichkeit und ein vertrauter Ansprechpartner könnten für viele Fahrgäste eine wichtige Rolle spielen.
„Die Gesellschaft und die Politik müssen wieder mehr wahrnehmen, wie wertvoll das ist und bleiben sollte, denn Soziale Marktwirtschaft ist keine leere Hülse, sondern zeigt sich im alltäglichen Leben.“
Mit dieser Argumentation stießen Waltemate und Meinhardt nach eigenen Angaben bei Mayer auf Interesse. Beide Seiten vereinbarten bereits einen weiteren Gesprächstermin. Für den VSPV ist das Thema damit noch längst nicht abgeschlossen. Der Verband sieht in der Verbindung von Mobilität, Mittelstand und Ehrenamt einen Aspekt, der in politischen Debatten bislang häufig übersehen wird.
So wird deutlich, dass der VSPV das Taxi- und Mietwagengewerbe nicht allein als Verkehrsdienstleister verstanden wissen möchte, sondern als Teil des gesellschaftlichen Gefüges vieler Städte und Gemeinden.
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