Flotten laden, Mobilität sichern: Die E-Wende im Taxi-Gewerbe mehr braucht als Ladesäulen

Die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten gilt als Schlüssel für die Verkehrswende. Auf der Urban Charge Conference in Köln wurde jedoch deutlich: Für das Taxi- und Mietwagengewerbe entscheiden nicht allein neue Technologien über den Erfolg, sondern vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.

Für das Taxi- und Mietwagengewerbe entscheiden nicht allein neue Technologien über den Erfolg, sondern vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.| Foto: BCCG/KI
Für das Taxi- und Mietwagengewerbe entscheiden nicht allein neue Technologien über den Erfolg, sondern vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.| Foto: BCCG/KI

Die Frage, wie elektrische Fahrzeugflotten künftig geladen werden sollen, beschäftigt längst nicht mehr nur Energieversorger und Autohersteller. Sie betrifft ebenso Verkehrsunternehmen, Taxiunternehmer und Mobilitätsdienstleister. Auf der zweiten Urban Charge Conference des British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) in der Motorworld Köln diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Mobilitätsbranche und Politik über die Herausforderungen der Flottenelektrifizierung. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur technische Lösungen, sondern auch die Frage, wie der Wandel zur emissionsärmeren Mobilität in der Praxis gelingen kann.

Zwischen Ladepark und Induktionsstraße

Den fachlichen Auftakt lieferten Michael Krystof, Geschäftsführer der TankE GmbH, Dr. Andreas Wendt von Electreon Germany sowie Ingo Goutier von Pierburg. Die Referenten beleuchteten aktuelle Entwicklungen bei der Ladeinfrastruktur für gewerbliche Flotten. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei neuen Technologien wie dem induktiven Laden. Statt Fahrzeuge ausschließlich an stationären Ladepunkten mit Strom zu versorgen, könnten sie künftig auch während Standzeiten oder perspektivisch sogar während der Fahrt Energie aufnehmen. Gerade für gewerblich genutzte Fahrzeuge mit hohen Tageslaufleistungen eröffnet dies interessante Perspektiven.

Für Taxibetriebe ist die Frage der Ladeinfrastruktur von zentraler Bedeutung. Anders als Privatfahrzeuge stehen Taxis oft zwölf bis 24 Stunden täglich im Einsatz. Lange Ladezeiten bedeuten unmittelbar weniger Verfügbarkeit und damit geringere Wirtschaftlichkeit.

Taxi als Teil des öffentlichen Verkehrs

In der anschließenden Podiumsdiskussion brachte Patrick Meinhardt, Generalbevollmächtigter und Leiter des Hauptstadtbüros des Verbands des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs (VSPV), die Sicht des Taxi- und Mietwagengewerbes in die Debatte ein. Moderator Sebastian Löhr hatte ihn bewusst als Vertreter einer Branche eingeladen, die häufig zwischen klassischem ÖPNV und individueller Mobilität eingeordnet wird.

Meinhardt nutzte die Gelegenheit für eine grundsätzliche Kritik an der Förderpolitik des Bundes.

„Es ist für mich schon lange nicht mehr nachvollziehbar, dass Taxen stets in Sonntagsreden als unverzichtbar für eine gute Anbindung an Abenden und am Wochenende dargestellt werden, in der Alltagsrealität aber vollständig stiefmütterlich behandelt werden. Taxen sind Teil des ÖPNV. Punkt. Aus. Amen. So müssen sie auch gefördert werden. Wenn das die Politik nicht kapieren will, wird nie im ländlichen und im suburbanen Bereich Mobilitätsgerechtigkeit hergestellt werden.“

Tatsächlich wird die Rolle des Taxis im öffentlichen Verkehr seit Jahren neu bewertet. Während in Ballungsräumen zunehmend On-Demand-Angebote entstehen, übernehmen Taxis vielerorts bereits heute Aufgaben, die über klassische Individualmobilität hinausgehen: Krankenfahrten, Schülerbeförderung, Nachtverkehre oder die Anbindung dünn besiedelter Regionen.

Förderpolitik als Bremsfaktor

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Verlässlichkeit staatlicher Förderprogramme. Meinhardt verwies auf das abrupte Ende des Umweltbonus Ende 2023, das bei vielen Unternehmen für erhebliche Unsicherheit gesorgt habe. Gerade mittelständische Taxi- und Mietwagenunternehmen seien auf langfristige Planbarkeit angewiesen. Fahrzeuge würden oft über mehrere Jahre kalkuliert und finanziert. Wenn Förderprogramme kurzfristig geändert oder eingestellt werden, erschwere dies Investitionsentscheidungen erheblich.

„Die Bundespolitik hat daraus leider immer noch nichts gelernt und überlässt die Flottenumstellung im Taxi- und Mietwagenbereich vollkommen Landes- und Regionalförderungen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten“, sagte Meinhardt.

Aus Sicht des VSPV brauche es deshalb ein bundesweites Förderprogramm speziell für das Taxi- und Mietwagengewerbe.

Berlin als Vorbild

Als positives Beispiel nannte Meinhardt das Berliner Förderprogramm WELMO. Dort werden gewerblich eingesetzte Elektrofahrzeuge und insbesondere Inklusionstaxis mit erheblichen Zuschüssen unterstützt. Gerade Inklusionstaxis spielen für die Mobilitätswende eine besondere Rolle. Sie verbinden Klimaschutz mit gesellschaftlicher Teilhabe und ermöglichen mobilitätseingeschränkten Menschen den Zugang zu öffentlicher Mobilität.

Technologieoffenheit statt Einbahnstraße

Die Debatte beschränkte sich allerdings nicht auf batterieelektrische Fahrzeuge. Meinhardt warb für einen technologieoffenen Ansatz und verwies auf alternative Antriebslösungen.

„Wer Technologieoffenheit predigt, muss dies aber auch in seine Konzepte aufnehmen.“

Dabei nannte er unter anderem den paraffinischen Kraftstoff HVO100, der aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wird und nach Angaben der Hersteller erhebliche CO₂-Einsparungen gegenüber fossilem Diesel ermöglichen kann. Ebenso verwies er auf die Wasserstofftechnologie, die insbesondere für gewerblich genutzte Fahrzeuge mit hohen Laufleistungen weiterhin als mögliche Zukunftsoption diskutiert wird. Gerade im Taxi- und Mietwagengewerbe zeigt sich, dass die Anforderungen je nach Region stark variieren. Während in Großstädten elektrische Fahrzeuge zunehmend wirtschaftlich betrieben werden können, stehen Unternehmen im ländlichen Raum häufig vor anderen Herausforderungen. Lange Einsatzstrecken, geringe Ladepunktdichte und fehlende Werkstattinfrastruktur beeinflussen dort die Investitionsentscheidungen erheblich.

Mittelstand im Fokus

Am Ende der Diskussion wurde deutlich, dass die Mobilitätswende für gewerbliche Flotten weit mehr umfasst als die Anschaffung neuer Fahrzeuge.

„Für kleine und mittlere Betriebe ist es eine Katastrophe, sich die richtigen Informationen bei diesem Förderwirrwarr zusammensuchen zu müssen“, kritisierte Meinhardt.

Tatsächlich prägen mittelständische Unternehmen das deutsche Taxi- und Mietwagengewerbe. Viele Betriebe verfügen über überschaubare Fahrzeugflotten und müssen Investitionen besonders sorgfältig kalkulieren. Die Urban Charge Conference machte deutlich, dass technische Lösungen für die Flottenelektrifizierung zunehmend verfügbar sind. Die größere Herausforderung besteht inzwischen darin, die politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen so zu gestalten, dass Unternehmen diese Lösungen auch tatsächlich nutzen können.

Oder anders formuliert: Die Verkehrswende entscheidet sich nicht nur an der Ladesäule. Sie entscheidet sich auch an der Frage, ob die Betriebe, die Mobilität täglich organisieren, den Weg dorthin wirtschaftlich mitgehen können.

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