E-Fuels aus Frankfurt: Neue Großanlage von Ineratec – Hoffnung oder Irrweg für den Verkehr?

Im Industriepark Höchst in Frankfurt hat das Karlsruher Unternehmen Ineratec Anfang Juni Europas derzeit größte Anlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe in Betrieb genommen. Die Power-to-Liquid-Anlage „ERA ONE“ produziert jährlich bis zu 2.500 Tonnen E-Fuels und synthetisches Rohöl.

Die Anlage von Ineratec nutzt biogenes CO₂ aus einer nahegelegenen Biogasanlage und grünen Wasserstoff, der als Nebenprodukt einer Chlorproduktion anfällt. | Foto: Ineratec
Die Anlage von Ineratec nutzt biogenes CO₂ aus einer nahegelegenen Biogasanlage und grünen Wasserstoff, der als Nebenprodukt einer Chlorproduktion anfällt. | Foto: Ineratec

Die Anlage nutzt biogenes CO₂ aus einer nahegelegenen Biogasanlage und grünen Wasserstoff, der als Nebenprodukt einer Chlorproduktion anfällt. Das daraus entstehende synthetische Rohöl kann zu E-Diesel, E-Kerosin oder nachhaltigen Kunststoffen weiterverarbeitet werden. Ineratec plant, die Produktionskapazitäten bis 2030 deutlich zu erhöhen, um unter anderem den Anforderungen der EU-Verordnung „ReFuelEU Aviation“ gerecht zu werden, die verbindliche Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe vorsieht.

Die Finanzierung des Projekts wurde durch Beiträge verschiedener Investoren ermöglicht, darunter ein 40-Millionen-Euro-Darlehen der Europäischen Investitionsbank und weitere 30 Millionen Euro von Breakthrough Energy Catalyst.

Für Schiffe und Flugzeuge – und auch für Autos?

Während die Entwicklung von E-Fuels für die Luftfahrt und Schifffahrt als vielversprechend gilt, ist ihr Einsatz im Pkw-Bereich umstritten. Kritiker weisen auf den hohen Energiebedarf und die geringe Effizienz hin. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts kommt zu dem Schluss, dass die direkte Elektrifizierung von Pkw bis zu fünfmal effizienter ist als die Nutzung von E-Fuels. Zudem entstehen bei der Verbrennung von E-Fuels weiterhin Emissionen wie Stickoxide, auch wenn die Partikelemissionen geringer ausfallen können.

Befürworter argumentieren jedoch, dass E-Fuels eine Möglichkeit bieten, den bestehenden Fahrzeugbestand klimafreundlicher zu gestalten, insbesondere dort, wo eine Elektrifizierung schwierig ist. Der ADAC sieht in E-Fuels eine Option, um Millionen von Bestandsfahrzeugen mit Diesel- und Benzinmotoren klimaneutral zu betreiben.

Die Anlage in Frankfurt markiert einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung synthetischer Kraftstoffe. Ob E-Fuels jedoch eine breite Anwendung im Straßenverkehr finden werden, bleibt angesichts der bestehenden Herausforderungen fraglich.

 

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