LVBTM schreibt Brandbrief an die bayerische Politik und fordert Unterstützung für die Branche
Der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen (LVBTM) hat deshalb einen ungewöhnlich deutlichen Brief an das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie an das Wirtschaftsministerium geschickt. Darin warnt der Verband vor den wirtschaftlichen Folgen steigender Energiekosten und fordert politische Maßnahmen, um das Gewerbe zu stabilisieren.
Globale Konflikte, lokale Folgen
Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung ist ein geopolitischer Konflikt, der auf den ersten Blick weit entfernt erscheint. Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat die internationalen Energiemärkte in Bewegung gebracht. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus – eine Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports verläuft. Störungen in dieser Region führen regelmäßig zu Nervosität an den Rohstoffbörsen.
Die Folgen zeigen sich schnell in Europa. In Deutschland überschritt der Dieselpreis Anfang März die Marke von zwei Euro pro Liter. Nach Analysen verschiedener Marktbeobachter bewegt sich der Durchschnittspreis derzeit zwischen 2,04 und 2,07 Euro – mit deutlich steigender Tendenz. Für Unternehmen mit hohem Kraftstoffverbrauch ist das mehr als eine statistische Größe.
Taxiunternehmen gehören zu diesen energieintensiven Dienstleistern. Ein Fahrzeug legt im Jahr häufig zwischen 50.000 und 100.000 Kilometer zurück, in größeren Städten oft im Mehrschichtbetrieb. Schon eine Preissteigerung von wenigen Cent pro Liter kann die jährlichen Betriebskosten um mehrere tausend Euro erhöhen.
Eine regulierte Branche
Die wirtschaftliche Belastung trifft eine Branche, deren Einnahmen nicht frei gestaltet werden können. Das Taxigewerbe unterliegt im Personenbeförderungsgesetz einer Reihe verbindlicher Regeln: Tarifpflicht, Beförderungspflicht, Betriebspflicht und Genehmigungspflicht. Während viele andere Mobilitätsanbieter ihre Preise flexibel anpassen können, werden Taxitarife von den Kommunen festgelegt. Tarifänderungen benötigen Zeit, politische Verfahren und oft umfangreiche Kalkulationen. Kurzfristige Kostensteigerungen lassen sich daher nur begrenzt ausgleichen.
Der Verband verweist in seinem Schreiben auf die besondere Rolle des Taxis im Verkehrssystem. Anders als viele digitale Plattformangebote deckt es auch jene Bereiche ab, in denen sich Mobilität wirtschaftlich schwer organisieren lässt: Nachtverkehr, ländliche Regionen, Krankenfahrten oder barrierefreie Transporte.
Wirtschaftlicher Druck auf die Betriebe
Die steigenden Dieselpreise treffen das Gewerbe zudem in einer Phase struktureller Veränderungen. Digitale Plattformanbieter und Mietwagenflotten haben den Wettbewerb in den vergangenen Jahren verschärft. Vor allem in größeren Städten berichten Taxiunternehmen von sinkenden Umsätzen. Parallel dazu steigen die Kosten. Fahrzeuge sind teurer geworden, Versicherungsbeiträge haben angezogen, Werkstattpreise ebenso. Auch der gesetzliche Mindestlohn erhöht den Personalkostenanteil.
Die Einnahmen bleiben dagegen begrenzt. Tarifanpassungen erfolgen zwar regelmäßig, gleichen Kostensteigerungen aber selten vollständig aus. Viele Unternehmer berichten, dass finanzielle Reserven bereits in früheren Krisen aufgebraucht wurden – etwa während der Pandemie oder infolge der Energiepreise nach dem Ukrainekrieg.
Mobilität im ländlichen Raum
In Bayern verschärft sich das Problem durch die geografische Struktur des Landes. Neben großen Metropolregionen gibt es weite ländliche Räume, touristische Gebiete und Grenzregionen. Dort übernimmt das Taxi häufig Aufgaben, die sonst vom öffentlichen Verkehr abgedeckt würden. Taxis bringen Fahrgäste zum Bahnhof, übernehmen Schüler- oder Krankenfahrten oder ersetzen Busverbindungen am Abend. Fällt ein Unternehmen weg, entstehen schnell Versorgungslücken.
Der Verband warnt deshalb vor einer schleichenden Ausdünnung der Mobilitätsangebote. Insolvenzen oder Geschäftsaufgaben könnten dazu führen, dass in manchen Regionen kaum noch Fahrzeuge verfügbar sind.
Forderungen an die Politik: „Taxidiesel“
Vor diesem Hintergrund schlägt der LVBTM mehrere Maßnahmen vor. Kurzfristig fordert der Verband eine teilweise Rückerstattung der Energiesteuer für Taxiunternehmen. Ein solches Modell existiert bereits in der Landwirtschaft beim sogenannten Agrardiesel. Die Idee dahinter: Unternehmen mit besonders hohen Fahrleistungen könnten einen Teil ihrer Kraftstoffkosten kompensieren und so kurzfristige Preisspitzen abfedern.
Darüber hinaus schlägt der Verband einen Krisenmechanismus vor. Sobald der Dieselpreis eine bestimmte Schwelle – etwa zwei Euro pro Liter – überschreitet, könnten temporäre Entlastungen greifen, etwa über Zuschüsse oder Steuererleichterungen.
Integration in den öffentlichen Verkehr
Neben kurzfristigen Maßnahmen richtet sich der Blick auch auf strukturelle Lösungen. Der Verband plädiert dafür, Taxi- und Mietwagenunternehmen stärker in öffentliche Mobilitätskonzepte einzubinden.
Denkbar sind Rufbus-Systeme, On-Demand-Angebote oder ergänzende ÖPNV-Taxi-Verkehre, die Bus- und Bahnlinien in dünn besiedelten Regionen unterstützen. Solche Modelle könnten zusätzliche Einnahmequellen schaffen und gleichzeitig die Mobilitätsversorgung sichern.
Auch faire Wettbewerbsbedingungen stehen auf der Agenda. Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen, eine konsequente Aufsicht der Genehmigungsbehörden und gleiche regulatorische Regeln sollen verhindern, dass einzelne Anbieter über dauerhaft niedrige Preise Marktanteile gewinnen.
Mehr E-Taxis
Langfristig sieht der Verband eine weitere Aufgabe: die Abhängigkeit vom Diesel zu reduzieren. Förderprogramme für Elektrotaxis, Investitionszuschüsse und der Ausbau der Ladeinfrastruktur könnten dazu beitragen, das Gewerbe unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen. Einige Kommunen gehen diesen Weg bereits. In München etwa unterstützt die Stadt den Umstieg auf Elektrotaxis mit finanziellen Zuschüssen.
Mobilität als Daseinsvorsorge
Der Brief aus dem bayerischen Verband richtet sich daher nicht nur an die Verkehrspolitik, sondern auch an die Wirtschaftspolitik des Landes. Die Botschaft lautet: Das Taxi ist nicht nur ein Marktangebot, sondern Teil der öffentlichen Mobilitätsstruktur. Wenn globale Energiekrisen lokale Verkehrsangebote gefährden, wird aus einer Branchenfrage schnell ein infrastrukturelles Thema. Für viele Regionen entscheidet sich daran, ob Mobilität auch jenseits von Bus und Bahn verfügbar bleibt.
Die steigenden Dieselpreise zeigen, wie eng internationale Märkte und lokale Dienstleistungen miteinander verbunden sind. Für das bayerische Taxi- und Mietwagengewerbe ist diese Verbindung derzeit vor allem eines: eine wirtschaftliche Herausforderung, die ohne politische Antworten schwer zu bewältigen sein dürfte.
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