Was Sie über HVO100 wissen müssen: Unter Umständen eine schnelle Alternative

Die Ergebnisse der „Übersichtsstudie HVO100“ (htw saar) zusammengefasst und als Download zeigen auf, welche Potenziale für die Dekarbonisierung der Bestandsflotte der Kraftstoff hätte - wenn er aus Abfall- und Reststoffen stammt.

HVO100 bietet laut neuer Studie „ein erhebliches CO2-Einsparpotenzial von derzeit bis zu 96 % gegenüber fossilem Diesel“. (Foto: U. J. Alexander/stock.adobe.com)
HVO100 bietet laut neuer Studie „ein erhebliches CO2-Einsparpotenzial von derzeit bis zu 96 % gegenüber fossilem Diesel“. (Foto: U. J. Alexander/stock.adobe.com)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Mitte Mai 2026 veröffentlichte „Übersichtsstudie HVO100“ (Hydrotreated Vegetable Oils, dt.: hydrierte Pflanzenöle) der htw saar liefert eine umfassende wissenschaftliche Bewertung von HVO100, einer bereits heute verfügbaren Alternative zu fossilem Diesel. Dabei zeigt sie deutlich, welches Potenzial dieser Kraftstoff für eine sofortige Reduktion der CO2-Neuemissionen im Verkehrssektor hat – insbesondere im Fahrzeugbestand. Das eFuels Forum sieht darin eine wichtige Grundlage für eine faktenbasierte und technologieoffene Debatte über mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität.

Mit der Studie legt Prof. Dr.-Ing. Thomas Heinze, Leiter des Instituts Automotive Powertrain (IAP) an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar), eine umfassende wissenschaftliche Analyse vor, die das Potenzial dieses paraffinischen Dieselkraftstoffs detailliert beleuchtet.

Ein zentrales Ziel der Studie ist es laut eigenen Angaben, „die angewandte Forschung im Bereich nachhaltiger Mobilität zu forcieren und den Prozess der Markteinführung von HVO100 zu begleiten“. Gleichzeitig soll sie interessierten Nutzern den Einstieg in alternative Kraftstoffe erleichtern. Die Untersuchung beleuchtet daher umfassend Herstellung, Eigenschaften, Emissionen sowie infrastrukturelle Aspekte des alternativen Treibstoffs und liefert damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Einordnung von HVO100 im Kontext der Verkehrswende für Politik, Wirtschaft und Verbraucher.

Technische und ökologische Vorteile

Dabei zeigt die Untersuchung: HVO100 kann bereits heute einen Beitrag zur Defossilisierung des Verkehrs leisten. Je nach eingesetzten Rohstoffen sind laut Studie „ein erhebliches CO2-Einsparpotenzial von derzeit bis zu 96 % gegenüber fossilem Diesel“ möglich. Gleichzeitig kann der Kraftstoff ohne technische Umrüstung in bestehenden Dieselfahrzeugen eingesetzt werden – ein entscheidender Vorteil für weniger CO2-Neuemissionen. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen zudem weitere vielfältige Vorteile:

  • Hohe Cetanzahl (> 70) für verbesserte Verbrennung und ruhigen Motorlauf
  • Aromatenfreiheit mit positiven Effekten auf Emissionen und Motorlebensdauer
  • Reduzierte Rußpartikel- und Luftschadstoffemissionen
  • Verbesserte Lagerstabilität und geringere Wartungsanfälligkeit
  • Nahezu unveränderter Kraftstoffverbrauch

Besonders betont die Studie die Bedeutung nachhaltiger Rohstoffquellen. HVO100 wird überwiegend aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchten Speiseölen oder Nebenprodukten der Industrie hergestellt. Perspektivisch können auch neue Quellen wie Algen- oder Jatrophaöl zur Verfügung stehen.

Dabei gilt laut Studie: „Nur HVO, das aus eindeutig zertifizierten Rest- und Abfallstoffen stammt, maximal transparent in der Lieferkette geführt wird, strenge Umweltstandards nach EU-Vorgabe erfüllt und eine nachweislich positive CO2-Bilanz aufweist, ist eine wichtige nachhaltige Alternative im Verkehrssektor.“ Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis: „Zusammenfassend positioniert sich HVO als sicherere, weniger reizende und umweltfreundlichere Alternative zum Dieselkraftstoff.“

Europa zeigt: Markthochlauf ist möglich

Ein Blick ins europäische Ausland verdeutlicht das Potenzial von HVO100: In Ländern wie Schweden und den Niederlanden ist es bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Dort existieren mehrere hundert Tankstellen, die den Kraftstoff ohne größere infrastrukturelle Anpassungen anbieten – ein Modell, das auch für Deutschland richtungsweisend sein kann. Mit der Anpassung der 10. Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) im Mai 2024 wurde die Grundlage geschaffen, paraffinischen Diesel nach EN 15940 auch hierzulande flächendeckend anzubieten. Laut eFuelsNow gibt es in Deutschland aktuell 670 Stationen mit HVO100 an der Zapfsäule. Mit HVO-Beimischungen liegt die Zahl der Stationen bei fast 2.400. Damit hat jede sechste Tankstelle ein HVO-Produkt im Angebot.

Die komplett Studie mit vielen technischen Details finden Sie in unserem Anhang. (Quelle: eFuels Forum)

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