Stadt.Land.Netz erhält Millionen-Investment für digitale Schülerbeförderung

Die Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs beginnt oft dort, wo der Alltag besonders komplex wird: bei der Organisation von Schüler- und Sonderbeförderungen. Genau auf diesen Bereich hat sich das Dresdner Unternehmen Stadt.Land.Netz spezialisiert – und erhält nun frisches Kapital für weiteres Wachstum.

Schülerverkehre gehören in den meisten Kommunen zu den aufwändigeren Verwaltungstätigkeiten - hier hilft die Digitalisierung, Zeit und Ressourcen zu sparen.| Foto: taxi heute Redaktion / KI-bearbeitet
Schülerverkehre gehören in den meisten Kommunen zu den aufwändigeren Verwaltungstätigkeiten - hier hilft die Digitalisierung, Zeit und Ressourcen zu sparen.| Foto: taxi heute Redaktion / KI-bearbeitet

Die Digitalisierung des Schüler- und Sonderbeförderungen schreitet voran. An einer neuen Finanzierungsrunde im niedrigen siebenstelligen Bereich beteiligen sich nun die SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft, der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen (MBG) sowie Gigahertz Ventures. Ziel ist es, die Plattform „NovaHub“ weiter auszubauen und die internationale Expansion des Unternehmens voranzutreiben.

Digitalisierung der Schüler- und Personenbeförderung

Gegründet wurde Stadt.Land.Netz bereits 2016 in Dresden. Das Unternehmen gehört damit zu den frühen deutschen GovTech-Start-ups – also Firmen, die digitale Lösungen für Verwaltung und öffentliche Infrastruktur entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Digitalisierung der Schüler- und Personenbeförderung.

Was zunächst nach Nischensoftware klingt, betrifft in Deutschland Millionen Menschen. Nach Unternehmensangaben müssen allein hierzulande jedes Jahr für rund 1,5 Millionen Menschen Sonderbeförderungen organisiert werden. Dazu zählen Schülerverkehre ebenso wie Fahrten für Menschen mit Einschränkungen oder spezielle Beförderungsangebote öffentlicher Träger.

Genau dort setzt Stadt.Land.Netz mit seinen beiden Produktfamilien „NovaHub“ und „VIA“ an. Während „NovaHub“ operative Tourenplanung, Echtzeitsteuerung und Disposition bündelt, richtet sich „VIA“ stärker an öffentliche Verwaltungen und digitalisiert Antrags- und Genehmigungsprozesse. Das Ziel: Die gesamte Prozesskette soll digital abgebildet werden – von der Antragstellung bis zur tatsächlichen Durchführung der Fahrt.

Investoren sehen erhebliches Wachstumspotential

Zu den Kunden zählen inzwischen Kommunen, Landkreise und Verkehrsunternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum. Genannt werden unter anderem die Landkreise Bautzen und Görlitz, der Verkehrsverbund Mittelsachsen sowie die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Auch private Anbieter nutzen die Systeme, darunter die NETINERA-Tochter „sei mobil Verkehrsgesellschaft“ oder die Potsdamer „Movana Fahrdienste“.

Die Investoren sehen darin einen Markt mit erheblichem Wachstumspotenzial. Besonders die öffentliche Verwaltung steht zunehmend unter Druck, komplexe Beförderungsprozesse effizienter zu organisieren und gleichzeitig Kosten zu kontrollieren.

„Der SLN ist es gelungen, im Bereich Schülerbeförderungslösungen Marktführer zu werden und leistet einen wichtigen Beitrag zur dringend notwendigen Digitalisierung der Verwaltung“, sagt Paul Eppinger.

Mit dem neuen Kapital soll nun vor allem „NovaHub“ weiterentwickelt werden. Die Plattform soll künftig noch stärker als zentrale digitale Steuerungsplattform für Schüler- und Personenbeförderung fungieren. Parallel treibt das Unternehmen seine Internationalisierung voran.

„Das Investment gibt uns die Möglichkeit, das Wachstum von NovaHub nachhaltig zu beschleunigen. Wir erhalten bereits heute Anfragen aus weiteren Ländern“, erklären die Geschäftsführer Marcus A. Dawidjan und Lars Lehmann.

Bemerkenswert ist dabei die Struktur der Finanzierung. Die Runde wurde maßgeblich von der MBG als neuem Lead-Investor organisiert, unter Beteiligung des Programms „Innovationskapital Sachsen“ der Sächsischen Beteiligungsgesellschaft. Gleichzeitig bleiben bestehende Investoren an Bord. Der TGFS begleitet das Unternehmen bereits seit 2017. Für die Investoren geht es dabei längst nicht nur um klassische Verwaltungssoftware. Der Markt für digitale Mobilitätssteuerung wächst – auch weil Kommunen und Verkehrsunternehmen zunehmend unter Fachkräftemangel, Kostendruck und komplexen Genehmigungsverfahren leiden.

Sonderbeförderung bisher meist mit hohem Verwaltungsaufwand

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Schüler- und Sonderbeförderungen gelten vielerorts noch als organisatorisch schwerfällige Bereiche mit hohem Verwaltungsaufwand. Digitale Plattformen versprechen hier effizientere Abläufe, bessere Auslastung und mehr Transparenz. Auch aus Sicht der Kapitalgeber liegt darin ein entscheidender Faktor.

„Stadt.Land.Netz hat früh den Bedarf an digitalen Lösungen in diesem Bereich erkannt und erfolgreich in skalierbare Produkte übersetzt. Das unterstützen wir gern“, so Sven Halank.

Die Dresdner Firma bewegt sich damit in einem Markt, der lange kaum sichtbar war, inzwischen aber zunehmend an Bedeutung gewinnt: die digitale Organisation öffentlicher Mobilität jenseits klassischer Linienverkehre.

 

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