Warum Münchner Taxifahrer in Fürstenfeldbruck und Freising protestieren

Am Freitagvormittag rollte ein lautstarker Protest durch die Innenstadt von Fürstenfeldbruck: etwa 50 Taxis, die meisten davon mit Münchner Kennzeichen, fuhren im Korso um das Landratsamt. Und auch in Freising formierte sich Protest. Neben den lautstarken Protesten suchten die Taxler aber auch das klärende Gespräch mit den Behörden.

Eine Delegation der Taxi München eG suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen des Fürstenfeldbrucker Landratsamtes.| Foto: T. Kanzler
Eine Delegation der Taxi München eG suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen des Fürstenfeldbrucker Landratsamtes.| Foto: T. Kanzler

Mit anhaltendem Hupen und entschlossener Präsenz machten die Fahrer auf ein Problem aufmerksam, das sie zunehmend unter Druck setzt: die wachsende Zahl von Mietwagenanbietern aus den Landkreisen im Umland der Landeshauptstadt, die den Taximarkt in München verzerren. Schon länger ist zu beobachten: Immer mehr Fahrzeuge mit „FFB“, „FS“ oder „ED“-Kennzeichen nehmen in München Aufträge an – oft im Auftrag von Plattformen wie Uber.

Kritik an Billiganbietern – und an der fehlenden Kontrolle

Konkret richtet sich der Ärger gegen Anbieter, die als Mietwagenfirmen firmieren und damit anderen Regeln unterliegen als klassische Taxis. Besonders umstritten ist die sogenannte Rückkehrpflicht: Mietwagen dürfen nach dem Abschluss einer Fahrt nicht einfach auf den nächsten Kunden warten, sondern müssen zurück zum Betriebssitz – sofern keine neue Bestellung vorliegt. Dass sich viele nicht daran halten, ist bereits vielfach nachgewiesen worden.

„Die fahren faktisch wie Taxis – aber ohne deren Pflichten“,

so der Tenor auf dem kleinen Platz vor dem Landratsamt. Dort trafen sich Vertreter der Fahrer mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisbehörde, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Der Vorwurf: Wettbewerbsverzerrung, begünstigt durch eine Genehmigungspraxis, die nach Ansicht vieler zu lax ist.

„Wir haben in Deutschland freie Arbeitsplatzwahl. Wenn ein Unternehmer ein Mietwagen-Betrieb anmelden möchte, dann genehmigen wir das natürlich. Und wir sind hier in Fürstenfeldbruck nicht für die Situation in München verantwortlich“, erklärte die Sprecherin des Landratsamtes Fürstenfeldbruck, Dr. Ines Roellecke.

460 Anträge – in weniger als drei Jahren

Tatsächlich ist die Zahl der Mietwagenkonzessionen zum Beispiel im Landkreis Fürstenfeldbruck deutlich gestiegen. 2022 lag sie noch bei 140 – im Juni 2025 sind es bereits 460. Das hat Folgen für die Verwaltung. Denn wenn ein Antrag nicht innerhalb von drei Monaten bearbeitet wird, gilt er automatisch als genehmigt. In begründeten Fällen könne eine Verlängerung bei der Bearbeitungszeit des Antrages um weitere drei Monate erfolgen, dann sei der Antrag aber durch, erklärte Frau Roellecke weiter. Die Anforderungen seien formal hoch. Unter anderem müssten Zuverlässigkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Fachkunde geprüft werden. Doch mit dem Anstieg der Anträge wachse auch der Druck auf die Genehmigungsstellen.

„Die Stadt Fürstenfeldbruck ist in der Verantwortung, die Mietwagen-Unternehmen auch zu kontrollieren. Das Landratsamt FFB kann da doch nicht einfach sagen, dass sie nicht zuständig sei“, betonte Sezai Curuk, ein Taxi-Unternehmer aus München, der die Proteste mit organisierte.

Protest mit Regeln

Der Protestzug, der über mehrere Straßen rund um das Landratsamt führte, blieb friedlich. Die Route war im Vorfeld mit der Polizei abgestimmt worden – inklusive Einschränkungen beim Hupen. Anwohner sollten geschont, Schüler nicht gestört werden: Vor der Realschule galt aus Rücksicht auf laufende Abschlussprüfungen Hupverbot. Vor dem Landratsamt dagegen durften sich die Taxler Gehör verschaffen – was sie mit Nachdruck taten.

Ahnungslosigkeit und Überforderung

Am Freitag zeigte sich das Landratsamt Fürstenfeldbruck gesprächsbereit. Man werde das interne Prüfungsverfahren erneut unter die Lupe nehmen, hieß es. Zudem wurde ein Austausch auf Fachbereichsebene mit den Interessenvertretern der Taxibranche in Aussicht gestellt. Auch weiterführende Hinweise wolle man an die zuständigen Stellen weitergeben.

Dennoch war es erschreckend, wie wenig den Mitarbeitern zum Thema Taxi bekannt war. Die Bearbeitung der Anträge neuer Mietwagenbetriebe obliegt im Fürstenfeldbrucker Landratsamt einer Person. Laut den Mitarbeitern des Landratsamtes sei die Personaldecke zu dünn, um Kontrollen durchzuführen. Mit der jetzigen Situation (in der annähernd jeder Antrag durchgewunken wird) sei man bereits am Limit.

Dass grundlegende Informationen, wie die Rückkehrpflicht für Mietwagen an den Betriebssitz oder der ordnungsgemäße Nachweis eines Betriebssitzes, im Landratsamt für überraschtes Staunen sorgten, war allerdings bezeichnend.

Gregor Beiner, Taxi-Unternehmer und Mitglied des Vorstandes des BVTM, formulierte es so:

„Es herrscht eine große Ahnungslosigkeit bei den Behörden. Aber leider auch ein großes Desinteresse – wir vom Verband bieten regelmäßig Informationsveranstaltungen für Städte und Kommunen an. Aus Fürstenfeldbruck war da noch keiner da“

Trotz der lauten Kritik blieben die Demonstrierenden höflich. „Die Münchner waren sehr freundlich“, hieß es im Nachgang von Seiten der Behörde. So bleibt zu hoffen, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes Fürstenfeldbruck durch die Demo und die Gespräche etwas mehr für Nöte des Taxi-Gewerbes sensibilisiert wurden.

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