Taxiprotest in Duisburg: Kampf gegen Dumpingpreise von Uber & Co.

Am Freitagnachmittag des 28. März 2025 verwandelte sich der Burgplatz vor dem Duisburger Rathaus in eine beeindruckende Versammlung von rund 80 Taxis. Die Fahrerinnen und Fahrer hatten sich dort eingefunden, um gegen den unfairen Wettbewerb durch Fahrdienstanbieter wie Uber und Bolt zu protestieren und die Einführung von Mindestpreisen für Mietwagen zu fordern.

 

Unten der Protest, oben im Rathaussaal tagen die Politiker. Immerhin konnte man sich dort oben schon auf die Einführung von Mindestpreisen einigen - aber: es wird noch dauern.| Foto: T. Kanzler
Unten der Protest, oben im Rathaussaal tagen die Politiker. Immerhin konnte man sich dort oben schon auf die Einführung von Mindestpreisen einigen - aber: es wird noch dauern.| Foto: T. Kanzler

Beeindruckendes Statement der Taxi-Unternehmer in Duisburg: Die Taxler demonstrierten am Rathausplatz gegen die ungleiche Konkurrenz durch Fahrdienstvermittler wie Uber und Bolt – und forderten Mindestpreise für Mietwagenunternehmen. Organisiert wurde die Protestaktion von der Funktaxi-Zentrale e.G., unterstützt von weiteren großen Duisburger Taxiunternehmen wie Taxi Süd, Ehrenberger, West, Homberg und Roto. Die Botschaft der Demonstranten prangte gut sichtbar auf den Fensterscheiben der Fahrzeuge: „Stop Sozialdumping von Uber & Co – Mindestpreise jetzt“.

David gegen Goliath auf Duisburgs Straßen

In Duisburg sind in etwa 270 Taxis gemeldet. Während die Zahl der Fahrzeuge in Hellelfenbein von Jahr zu Jahr abnimmt, steigt die Zahl der Uber Fahrzeuge dramatisch an. Etwa 200 Fahrzeuge des amerikanischen Plattformbetreibers sollen bereits in der Stadt auf Kundenfang sein. Die Duisburger Taxiunternehmen sehen sich zunehmend durch die Preisstrategien der digitalen Plattformen unter Druck gesetzt. Diese bieten Fahrten zu Tarifen an, die deutlich unter den festgelegten Taxitarifen liegen. Frank Wittig, Vorstandsmitglied der Taxi-Funktaxi-Zentrale e.G., betonte:

„Wir sind hier, um auf das Taxisterben aufmerksam zu machen. Es brennt bei uns." Sein Kollege Ilhan Koyuncu warnte: „Wenn sich nichts ändert, müssen wir 2024 auch dieses Jahr 20 bis 30 Prozent unserer Kollegen aufgeben."

Forderung nach Mindestpreisen

Die zentrale Forderung der Demonstrierenden ist die Einführung von Mindestpreisen für Mietwagenunternehmen. Im Gespräch sind 2,30 Euro pro Kilometer, während der aktuelle Taxitarif bei 2,50 Euro tagsüber und 2,70 Euro nachts sowie an Sonn- und Feiertagen liegt. Die Stadt Duisburg prüft derzeit die Umsetzung dieser Maßnahme. Wie der Vorstand der Duisburger Funktaxi-Zentrale, Fuat Cetin betätigte, will die Stadt zuerst ein Gutachten erstellen lassen. Die Umsetzung der Maßnahme sei aber nur noch eine Frage der Zeit.

Ein Kampf um Existenz und Fairness

Die wirtschaftliche Lage vieler Taxiunternehmen in Duisburg ist angespannt. Die Betriebskosten sind hoch, während die Konkurrenz durch Fahrdienstanbieter mit günstigen Tarifen wächst. Ein festangestellter Fahrer verursacht Fixkosten von rund 17 Euro pro Stunde – inklusive Lohn, Sozialabgaben und weiterer gesetzlicher Verpflichtungen wie Urlaubsgeld oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Damit sich der Betrieb rentiert, muss ein Fahrer je nach Auslastung zwischen 25 und 39 Euro pro Stunde erwirtschaften.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Gleichzeitig drängen die Plattformanbieter mit Niedrigpreisen auf den Markt. Ihre Geschäftsmodelle beruhen auf flexiblen Arbeitsverhältnissen, die kaum vergleichbaren Kosten unterliegen. Zudem wurde schon mehrfach bewiesen, dass sich viele der Unternehmer, die für den Plattformbetreiber Uber unterwegs sind, nicht „an die Regeln“ halten. Die Folge: steigender Druck auf Betriebe, die sich an geltende Tarif- und Sozialvorgaben halten müssen.

Die Demonstration in Duisburg reiht sich in eine bundesweite Debatte über die Regulierung von Fahrdienstanbietern ein. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. weist darauf hin, dass täglich fünf Taxiunternehmen aufgrund von Sozialdumping und unfairem Wettbewerb Insolvenz anmelden müssen.

Warum Mindestpreise?

Ein wegweisendes Gutachten des wissenschaftlichen Beratungsunternehmens IGES Mobility aus dem November 2024 empfiehlt die Einführung von Mindestpreisen für Fahrdienste. Prof. Dr. Kay Mitusch, einer der Autoren der Studie, betonte:

„Mindestpreise für Fahrdienste sind geeignet und erforderlich, wenn das Taxi als funktionsfähiger Teil des öffentlichen Verkehrssystems erhalten werden soll."

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM) unterstützt diese Forderung und ruft Städte dazu auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Auch der Taxi- und Mietwagenverband (TMV) fordert, endlich Mindestpreise flächendeckend umzusetzen. Auch die Arbeitsgemeinschaft Taxi bei Ver.di Berlin unterstützt die Forderung nach Mindestpreisen und beteiligt sich aktiv an Demonstrationen. Sie sehen Mindestpreise als Übergangsmaßnahme zur Eindämmung illegaler Aktivitäten im Taxigeschäft und fordern weitere Schritte zur Verbesserung der Transparenz und Qualifikation im Gewerbe.

Die Forderung nach Mindestpreisen erhält Unterstützung durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig vom November 2024. Es entschied, dass Städte Mindestpreise für Fahrdienstanbieter festlegen dürfen, um ruinösen Wettbewerb zu verhindern. Diese Preise müssten jedoch in einem angemessenen Verhältnis zu den Taxitarifen stehen.

Ein humorvoller Blick auf ernste Zeiten

Trotz der ernsten Lage bewiesen die Taxifahrer in Duisburg Humor. Ein Teilnehmer bemerkte schmunzelnd:

„Normalerweise kämpfen wir um jeden Fahrgast. Heute kämpfen wir gemeinsam für unsere Zukunft. Vielleicht sollten wir öfter zusammenkommen – aber hoffentlich nicht aus solchen Gründen.“

Klares Auftrag an die Duisburger Politik

Mit der Demonstration hat das Duisburger Taxigewerbe ein klares Signal an die Stadt gesendet. Nun liegt es an der Politik, ob und wie sie auf die Forderungen der Unternehmer reagiert. Klar ist: Ohne Regulierung werden viele Taxiunternehmen nicht überleben.

Die Situation in Duisburg ist kein Einzelfall. Bundesweit stehen Taxiunternehmen vor ähnlichen Herausforderungen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Politik, Gewerkschaften und die Taxiunternehmen gemeinsam Lösungen erarbeiten. Die Einführung von Mindestpreisen für Mietwagen sind ein wichtiger Schritt, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten und die Existenz des traditionellen Taxigewerbes zu sichern.

 

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