Uber startet Petition gegen Mindestpreise in München

Eine Allianz aus Plattformbetreibern, Fahrdienst-Vermittlern und Lobbygruppen warnt aktuell lautstark vor Mindestpreisen für Mietwagenfahrten in München. Denn wenn – wie in der Petition des Verbandes wirfahren - von „Preiswahnsinn“ gesprochen wird, sollte man genauer hinschauen, wer da eigentlich spricht – und in wessen Interesse.

Uber mobilisiert gegen Mindestpreise für Mietwagen in München.| Foto: Uber
Uber mobilisiert gegen Mindestpreise für Mietwagen in München.| Foto: Uber

Die Petition warnt eindringlich vor einem Preisdiktat und der willkürlichen Verteuerung der Mobilität. Das klingt dramatisch. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich vieles als schlichte Polemik – und manches als Nebelkerze.

„Sozial ungerecht“?

„Mindestpreise treffen Menschen mit geringem Einkommen“, heißt es. Richtig ist: Dumpingpreise bei Plattformfahrten mögen kurzfristig günstig erscheinen. Langfristig jedoch untergraben sie jede Verlässlichkeit im System. Wenn ein Fahrer mit zehn Euro brutto in der Stunde abgespeist wird, kann er davon keine Miete zahlen – geschweige denn Steuern oder Sozialabgaben. Eine soziale Mobilität auf dem Rücken prekär Beschäftigter ist keine Lösung, sondern Teil des Problems.

Das Taxigewerbe kennt Tarifpflichten. Dort gibt es klare Preise, verlässliche Standards, Fahrer mit Krankenversicherung und Altersvorsorge. Mobilität darf nicht auf dem Prinzip basieren, dass der eine nur billig fahren kann, weil der andere schlecht bezahlt wird.

„Gefährdung von Arbeitsplätzen“?

Die Plattformen argumentieren, Mindestpreise würden Existenzen vernichten – insbesondere von Fahrern mit Migrationsgeschichte. Das wirkt zunächst mitfühlend, doch man sollte sich fragen: Wer genau profitiert hier eigentlich? Die Fahrer? Oder nicht eher die Vermittlungsplattformen, die keinerlei Arbeitgeberpflichten übernehmen wollen, aber bei jeder Fahrt mitverdienen?

Fahrer, die über Uber, Bolt oder FreeNow arbeiten, sind meist Soloselbstständige – ohne Rechte, ohne Sicherheit. Mindestpreise könnten helfen, diesen Wildwuchs zu ordnen und der prekären Realität etwas Verlässlichkeit entgegenzusetzen. Das Taxi ist kein Auslaufmodell – es ist ein sozial regulierter Gegenentwurf.

„Rückschritt für die Mobilitätswende“?

Auch die Klimakeule wird geschwungen: Mietwagen seien „durchgängig schadstoffarm“, wer sie verteuere, schade der Umwelt. Wirklich? Auch viele Taxis fahren längst hybrid, elektrisch oder gar mit Wasserstoff. In vielen Städten besteht sogar eine Pflicht zur Emissionsreduktion in der Taxiflotte. Das vermeintliche ökologische Argument ist eine Milchmädchenrechnung, die den eigentlichen Punkt verfehlt: Die Mobilitätswende braucht faire, integrierte Systeme – und keine Rabattschlachten auf Kosten der öffentlichen Ordnung.

„Innovation statt Regulierung“?

Besonders skurril wird es, wenn vom „reformunwilligen Taxigewerbe“ die Rede ist. Hier wird ein Zerrbild gezeichnet, das in seiner Abwertung fast schon populistisch wirkt. Die Realität sieht anders aus: Viele Taxiunternehmen nutzen längst digitale Buchungssysteme, Apps, digitale Bezahlung. Nur – und das ist der Unterschied – sie tun das unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Plattformen wie Uber hingegen zeigen immer wieder, dass ihnen Regulierung ein Dorn im Auge ist – wenn sie sich überhaupt daran halten.

„Spielregeln“ müssen für alle gelten!

Wer wie Uber und Bolt den Wettbewerb sucht, sollte sich auch an die Spielregeln halten. Mindestpreise sind kein Angriff auf die Mobilität der Zukunft – sie sind ein Schutzschild für faire Bedingungen in einem Markt, der zu oft zu Lasten der Schwächsten funktioniert. Das Taxi ist nicht perfekt. Aber es fährt verlässlich, kontrolliert und rechtskonform – auch nachts, auch bei Regen, auch ohne App. Denn ein System, das auf sozialer Verantwortung basiert, ist kein Auslaufmodell. Es ist die Basis für eine Mobilität, die mehr sein will als ein schneller Klick zum niedrigsten Preis.

Mindestpreise sind kein Wahnsinn – sondern überfällig!

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