Uber drängt ins Taxigewerbe: Öffnet TAZ Stuttgart der Plattform die Tür zur Marktübernahme?

Die Taxi Auto Zentrale Stuttgart (TAZ) hatte erst im Januar die Zusammenarbeit mit dem Mobilitätsdienstleister Freenow beschlossen. Freenow Chef Alexander Mönch sprach von einem Vorbild für andere Städte Deutschlands. Nun hat TAZ-Vorsitzender Iordanis Georgiadis die Kooperation mit dem Plattformbetreiber Uber verkündet.

Uber drängt ins Taxi-Gewerbe. Und immer mehr Taxi-Unternehmer kooperieren mit dem Plattformbetreiber.| Foto: Uber
Uber drängt ins Taxi-Gewerbe. Und immer mehr Taxi-Unternehmer kooperieren mit dem Plattformbetreiber.| Foto: Uber

Lange standen sich das traditionelle Taxigewerbe und der Fahrdienstvermittler Uber unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite die Taxizentralen mit festen Tarifen und strengen Vorgaben, auf der anderen das amerikanische Tech-Unternehmen, das mit flexiblen Preisen und einer globalen Plattform Kunden anlockte und wiederholt damit auffiel, sich nicht an die rechtlichen Vorgaben zu halten. Demensprechend bestimmten Proteste, Bußgelder und gerichtliche Auseinandersetzungen die vergangenen Jahre.

Doch nun sieht es so aus, als nähern sich beide Seiten an – zumindest in einigen deutschen Städten. Stuttgart und München werden zu Versuchslaboren für eine neue Partnerschaft, die Chancen verspricht, aber auch Fragen aufwerfen.

Im November Freenow

Die im November 2024 eingegangene Zusammenarbeit wurde letztes Jahr als „Blaupause“ für andere deutsche Städte gesehen. Laut TAZ sei dies eine Win-Win-Situation. Denn die Fahrgäste profitierten nun von einer besseren Verfügbarkeit der Taxis, von kürzeren Wartezeiten und der zuverlässigen und Deutschlandweit verfügbaren und bekannten App des Mobilitätsdienstleisters. Laut Iordanis „Danis“ Georgiadis seien von den rund 950 Taxis in und um Stuttgart mehr als 830 über die TAZ vermittelt.

Alexander Mönch erklärte damals: „Das ist ein echter Gamechanger. Wir kombinieren das Beste aus beiden Welten: die digitale Reichweite von Freenow und das lokale Know-how der Stuttgarter Taxizentrale. Die Fahrgäste profitieren von mehr Taxis und noch besserem Service”

Jetzt auch noch Uber

In Stuttgart lassen sich seit Kurzem Taxis über die Uber-App buchen. Die Kooperation zwischen Uber und der Taxi Auto Zentrale Stuttgart (TAZ) gilt als Novum in Deutschland.

„Wir haben hier unglaublich viele Geschäftsreisende, aber auch viel Gastronomie und Lifestyle“, sagt Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber.

Die TAZ sieht das pragmatisch. Georgiadis, sieht die Vorteile vor allem in der verbesserten Transparenz für Fahrer und Fahrgäste: „Die Fahrer, aber vor allem auch die Kunden profitieren“, so Georgiadis.

„Es geht darum, neue Zielgruppen anzusprechen.“

Streit in der Münchner Taxi-Genossenschaft

In München bietet Uber seit März 2023 Taxiunternehmern Jahresverträge an. Rund 200 Fahrer haben sich darauf eingelassen. Doch nicht alle begrüßen diesen Schritt. Kritische Stimmen innerhalb der Branche warnen davor, dass Taxiunternehmer in eine finanzielle Abhängigkeit geraten könnten.

Zuletzt kam es in der Münchner Taxi-Genossenschaft zu Eklat. Die Taxi-München eG spricht sich deutlich gegen die Vereinnahmung durch die Plattformbetreiber Uber & Co. aus und verneint jegliche Zusammenarbeit. Als nun offenbar wurde, dass einige Mitglieder, die in Organen der Genossenschaft Verantwortung tragen, mit Uber zusammenarbeiten, war das Entsetzen der Vorstände Thomas Kroker und Patrick Nothhaft groß. (wir berichteten)

Kann Taxi mit Uber zusammenarbeiten?

Die Angst vor einer schleichenden Übernahme ist nicht unbegründet. Uber steht seit Jahren in der Kritik, den klassischen Taximarkt zu untergraben. Durch niedrigere Preise und eine aggressive Expansionsstrategie hatte das Unternehmen in vielen Städten weltweit das Taxigewerbe unter Druck gesetzt. Doch nun gibt sich Uber versöhnlich.

„Wir arbeiten schon lange darauf hin, mit Taxizentralen zu kooperieren“, sagt Unternehmenssprecherin Larissa Schröder.

Tatsächlich öffnete Uber im Juni 2024 seine Plattform für Taxiunternehmen in ganz Deutschland. „Wir wollen ein Partner der Branche sein“, betont Weigler. Die Digitalisierung biete neue Möglichkeiten, die Taxiunternehmen nutzen könnten.

Beim Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM) beobachte man die Entwicklungen laut Hauptgeschäftsführer Michael Oppermann genau. Die Verbandsvertreter warnen eindringlich davor, dass Uber langfristig die Bedingungen diktieren könnte. Der TMV (Taxi- und Mietwagenverband) äußerte sich noch direkter und fordert, die Uber-App zu verbieten.

„1.700 illegale Mietwagen in Berlin, Schwarzarbeit, Sozialversicherungsbetrug und Gefährdung der Kunden…aus Sicht des ehrlichen, mittelständischen Taxi- und Mietwagengewerbes in Deutschland (besteht) schon seit längerer Zeit Handlungsbedarf“, so der Hauptgeschäftsführer des TMV, Patrick Meinhardt.

Risiken – aber auch Chancen?

Für Uber bedeutet die Kooperation mit dem Taxigewerbe vor allem eines: Legitimität. Lange war das Unternehmen umstritten, nun könnte die Zusammenarbeit mit traditionellen Taxizentralen das Image verbessern. Gleichzeitig erschließt sich Uber eine neue Kundengruppe – Fahrgäste, die bisher bewusst auf die App verzichtet haben.

Für das Taxigewerbe ist die Kooperation hingegen mehr als nur ein Balanceakt. Die digitale Uber-Plattform könnte natürlich für mehr Buchungen und eine bessere Auslastung beim Taxi-Unternehmer sorgen. Andererseits droht die Gefahr, sich abhängig vom amerikanischen Konzern zu machen. Anfangs sind die n Gebühren, die an den Plattformbetreiber abzuführen sind, gering. Man weiß aber von den bestehenden Verträgen mit den für Uber fahrenden Mietwagen-Unternehmen, dass der Plattformbetreiber bis zu 30 Prozent des Umsatzes abzieht.

Wie geht´s in Stuttgart weiter?

Natürlich kann jeder Taxler selbst entscheiden, ob er mit Uber kooperiert. Nur muss dem Taxi-Unternehmer auch klar sein, dass seine Abhängigkeit von Uber sicher größer ist, als die des Plattformbetreibers von dem einzelnen Taxi-Unternehmer. Zudem arbeitet man da mit einem globalen Konzern zusammen, der sich bisher nicht durch Fairness oder sozialem Verhalten hervorgetan hat, sondern durch das rücksichtslose Ausnutzen von Gesetzeslücken und immensen Druck auf das Taxi-Gewerbe. Preiskämpfe erwarte er in Stuttgart zunächst nicht, so Georgiadis abschließend.

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