MiD-Studie: Radverkehr stagniert, Auto dominiert - ADFC fordert Investitionen

(dpa/jr) Der Radverkehr ist in den letzten Jahren nicht gewachsen. Die Fahrrad-Lobby fordert Investitionen. Laut der MiD legt der Fußverkehr stark zu, das Auto ist leicht rückläufig, dominiert aber weiter.

Stillstand: Der Anteil des Radverkehrs ist laut der ersten Zahlen der neuen Befragung MiD nicht weiter gestiegen. Der ADFC kritisiert das und fordert Maßnahmen. | Foto: MiD
Stillstand: Der Anteil des Radverkehrs ist laut der ersten Zahlen der neuen Befragung MiD nicht weiter gestiegen. Der ADFC kritisiert das und fordert Maßnahmen. | Foto: MiD
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club fordert mehr Investitionen in den Ausbau der Radwege in Deutschland. Der Radverkehrsanteil stagniere bundesweit bei 11 Prozent, teilte der Verband mit. Er bezieht sich auf eine Erhebung des Bundesverkehrsministeriums zur Mobilität in Deutschland. Demnach sei der Radverkehr seit 2017 kaum gewachsen, im ländlichen Raum gehe er sogar zurück, so der ADFC.

Ziele des Nationalen Radverkehrsplans würden perspektivisch weit verfehlt. Die neue Bundesregierung müsse den Radverkehr im geplanten Sondervermögen Infrastruktur fest verankern und die Mittel auf die jährlich notwendige «Fahrradmilliarde» aufstocken, forderte ADFC-Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann. Besonderes Augenmerk brauche der ländliche Raum. Der von der Bundesregierung 2019 verabschiedete Radverkehrsplan sehe bis zum Jahr 2030 eine kräftige Steigerung des Radverkehrs vor. 

MiD-Studie: Fuß legt am meisten zu, MIV dominiert weiter

Wie das Bundesverkehrsministerium (BMDV) mitteilte, wurden in Berlin erste Ergebnisse der neuen Ausgabe der Verkehrserhebung Mobilität in Deutschland vorgestellt. Zwischen Mai 2023 und Juni 2024 seien dazu über 218.000 Haushalte und rund 420.000 Personen in ganz Deutschland zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt worden. Die Befragung soll Politik und Verwaltung bei verkehrspolitischen Entscheidungen unterstützen. Laut Studie hat der Fußverkehr die höchsten Zuwächse. Demnach wurde bundesweit mehr als jeder vierte Weg als reiner Fußweg zurückgelegt, die Zu- und Abwege zu anderen Verkehrsmitteln kommen noch hinzu. 

Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs liege im Verkehrsmittelmix im Jahr 2023 zwar etwas niedriger als im Jahr 2017, dennoch behalte er seine dominante Bedeutung für die Alltagsmobilität. Bürgerinnen und Bürger legten knapp drei Viertel aller Kilometer mit dem Auto zurück. Im ländlichen Raum bleibe das Auto für nahezu alle Verkehrsteilnehmer unverzichtbar. In Städten nehme die Nutzung von Fahrrädern und Fußwegen zu.

"Wir wollen Mobilitätsangebote, die sich an den Bedürfnissen und Wünschen unserer Bürgerinnen und Bürger orientieren. Das geht nur, wenn wir das Mobilitätsverhalten und die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen im Alltag besser verstehen. Die umfangreichen Daten der neuen MiD helfen uns dabei. Die MiD ist nicht nur eine elementare Datengrundlage für Wissenschaft und Forschung, sondern auch eine wichtige Entscheidungshilfe auf dem Weg in eine attraktive, klimafreundliche Mobilität der Zukunft", erklärte Hartmut Höppner, Staatssekretär im BMDV bei der Vorstellung.

Ergebnisse im Detail:

Die Entwicklung zeigt laut BMDV mit Blick auf die zurückgelegten Wege eine immer noch hohe Bedeutung des MIV und leichte Steigerungen des Wegeanteils des öffentlichen Verkehrs (10 Prozent im Jahr 2017 auf 11 Prozent der Wege im Jahr 2023) sowie Stabilität im Radverkehr (11 Prozent). Der Fußverkehr erlebt eine Renaissance und hat die höchsten Zuwächse (22 Prozent im Jahr 2017 auf 26 Prozent im Jahr 2023). Demnach wurde bundesweit mehr als jeder vierte Weg als reiner Fußweg zurückgelegt, die Zu- und Abwege zu anderen Verkehrsmitteln kommen noch hinzu.

Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs liegt im Verkehrsmittelmix im Jahr 2023 zwar etwas niedriger als im Jahr 2017, dennoch behält es seine dominante Bedeutung für die Alltagsmobilität: Der Anteil der Wege, den die Befragten selbst hinter dem Lenkrad fahren, liegt bei 40 Prozent (im Jahr 2017 43 Prozent), die Mitfahrt erreicht 13 Prozent (im Jahr 2017 14 Prozent). Noch deutlicher wird dies bei der zurückgelegten Wegstrecke: Bürgerinnen und Bürger in Deutschland legen knapp drei Viertel aller Kilometer mit dem Auto zurück. Im ländlichen Raum bleibt das Auto für nahezu alle Verkehrsteilnehmer unverzichtbar. Mehr als 80 Prozent der Wegstrecke entfallen hier auf den MIV.

In Städten mehr Rad- und Fußverkehr

In Städten hingegen nimmt die Nutzung von Fahrrädern und Fußwegen zu, während die Dominanz des Autos abnimmt. 31 Prozent der Wege legen die Bewohner der großen Metropolen zu Fuß zurück – fast so viele wie mit dem MIV (33 Prozent). Das Fahrrad erreicht in den Metropolen einen Wegeanteil von 15 Prozent, Bus und Bahn von 21 Prozent.
 

Pedelecs pushen

Der Radverkehr profitiert außerdem von einer immer größeren Zahl an elektrisch unterstützten Rädern. Der Anteil der elektrisch unterstützten Fahrräder (Pedelecs) hat zugenommen und macht bundesweit mittlerweile ein Drittel der Fahrrad-Kilometer aus. Die Fahrradflotte wächst von 75 Mio. Räder in 2017 auf 80 Mio. Räder in 2023, davon mittlerweile ein Viertel mit Elektroantrieb.

Deutschland-Ticket als Treiber

Gleichzeitig hat das 2023 von Bund und Ländern eingeführte Deutschlandticket den öffentlichen Nahverkehr wesentlich dabei unterstützt, seine coronabedingten Nachfrageeinbußen zu überwinden. Die Ergebnisse der MiD 2023 zeigen die Beliebtheit des Deutschlandtickets und bestätigen die Bedeutung des Deutschlandtickets für eine nachhaltigere und effizientere Mobilität in Deutschland.

Logobanner Liste (Views)