Tesla verliert – Volkswagen übernimmt: Europas E-Auto-Rangliste wird neu sortiert
Die Zahlen stammen von der Unternehmensberatung Jato Dynamics, die den europäischen Markt ausgewertet hat. Demnach verkaufte Volkswagen im vergangenen Jahr europaweit knapp 275.000 reine Elektroautos – ein Zuwachs von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Tesla dagegen kam auf rund 237.000 Fahrzeuge, was einem Rückgang von 27 Prozent entspricht.
VW profitiert vom Mittelklasse-Boom
Die Gründe für VWs Aufstieg liegen nicht nur in der Breite des Konzerns, sondern auch im Timing. Nach Angaben von Motortrader trieb vor allem die Nachfrage nach Mittelklassefahrzeugen wie dem ID 7 das Wachstum. Der Wolfsburger Konzern, lange als zögerlich beim Elektroantrieb kritisiert, profitiert nun davon, dass er sein Angebot in mehreren Segmenten platziert hat – und damit Käuferinnen und Käufer erreicht, die nicht zwingend ein SUV suchen.
Tesla hingegen hat laut Jato Dynamics ein strukturelles Problem: Die Angebotspalette sei vergleichsweise schmal, viele Modelle seien bereits seit längerer Zeit am Markt. Was in den frühen Jahren als Vorteil galt – wenige Fahrzeuge, klarer Fokus – wirkt im reiferen Markt zunehmend wie eine Lücke.
Model Y bleibt Bestseller – trotz Rückgang
Bemerkenswert ist: Trotz der Rückgänge bleibt Tesla bei den einzelnen Modellen vorne. Das Model Y ist weiterhin das meistverkaufte Elektroauto Europas, auch wenn die Verkäufe um 28 Prozent einbrachen. Auf Platz zwei folgt mit dem Skoda Elroq ein Vertreter aus der VW-Familie. Dahinter liegt das Tesla Model 3, das ebenfalls deutlich verlor – minus 24 Prozent.
Der Markt selbst wächst unterdessen kräftig. Die Zahl der E-Auto-Registrierungen in Europa stieg 2025 um 29 Prozent. Dass Tesla in diesem Umfeld zurückfällt, ist damit keine Frage der Nachfrage – sondern der Positionierung.
E-Autos erreichen 20 Prozent Marktanteil
Auch der Gesamtmarkt legte zu, allerdings deutlich moderater. Weil der Absatz von Benzinern und Dieselfahrzeugen schwächelte, ergibt sich für den europäischen Automarkt insgesamt ein Plus von 2,3 Prozent. Reine Elektroautos kommen inzwischen auf 20 Prozent Anteil an den Neuzulassungen.
Für Tesla bedeutet das: Der Markt bewegt sich in die Richtung, die das Unternehmen über Jahre propagiert hat – nur profitieren inzwischen andere stärker davon.
Konkurrenz aus China – und aus chinesischen Fabriken
Ein weiterer Faktor ist die wachsende Rolle Chinas im europäischen Angebot. Jato Dynamics sieht Teslas Flaute auch als Folge der gestiegenen Konkurrenz aus China. Dabei geht es nicht nur um chinesische Marken, sondern auch um Fahrzeuge europäischer Hersteller, die in China produziert werden.
Daniele Ministeri, Senior Consultant bei Jato Dynamics, formuliert es so: Die zunehmende Präsenz von in China produzierten Fahrzeugen auf dem Kontinent sei nicht nur Ausdruck des Aufstiegs chinesischer Marken, sondern spiegele auch die Zulassungen in China produzierter europäischer Modelle wider. Genannt werden Mini Cooper, Dacia Spring und Cupra Tavascan.
Musks Politik schadet in Europa
In Europa kommt noch ein Faktor hinzu, der sich kaum in Datenblättern messen lässt: Elon Musks Ausflug in die US-Politik. Gerade auf dem europäischen Markt habe die Nähe Musks zu Donald Trump die Verkäufe zusätzlich belastet. Parallel dazu verlor die Marke an Wert – der Markenwert brach um 36 Prozent ein.
An der Börse zählt etwas anderes
Interessant ist, dass Tesla an der Börse dennoch nicht abgestraft wurde – im Gegenteil. Der Aktienkurs entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung. Im Dezember 2025 erreichte die Tesla-Aktie mit 499 US-Dollar einen neuen Rekordwert.
Viele Investorinnen und Investoren setzen weniger auf das klassische Autogeschäft als auf Teslas Zukunftsversprechen: Robotaxis sowie den humanoiden Roboter Optimus. Während Tesla also im europäischen Tagesgeschäft Marktanteile verliert, bleibt die Erzählung an der Wall Street intakt.
Volkswagen wiederum zeigt, dass Elektromobilität in Europa längst nicht mehr nur von einem Hersteller geprägt wird. Die Rangliste hat sich verschoben – und sie dürfte sich weiter bewegen.
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