Taxitarife steigen in zahlreichen Regionen Niedersachsens

(dpa/lni) Höhere Lohn- und Betriebskosten führen vielerorts zu neuen Tarifen. Während einige Kommunen bereits nachgebessert haben, stehen andernorts weitere Preisschritte bevor.

Die wirtschaftliche Situation der Taxibetriebe unterscheidet sich regional deutlich. Nicht überall geht die Zahl der Unternehmen zurück. | Foto: Ole Spata/dpa
Die wirtschaftliche Situation der Taxibetriebe unterscheidet sich regional deutlich. Nicht überall geht die Zahl der Unternehmen zurück. | Foto: Ole Spata/dpa

In zahlreichen Städten und Landkreisen Niedersachsens steigen die Taxitarife. Weitere Kommunen bereiten Anpassungen vor oder prüfen höhere Beförderungsentgelte. Als wesentlichen Grund nennen Städte und Landkreise die gestiegenen Personalkosten. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 1. Januar 2026 13,90 Euro je Stunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Viele Taxitarife waren zuletzt 2022 unter anderem infolge der Energiekrise angehoben worden und anschließend weitgehend stabil geblieben.

Tarife unterscheiden sich regional

Die Höhe und Struktur der Beförderungsentgelte unterscheiden sich zwischen den Kommunen erheblich. Im Landkreis Gifhorn zahlen Fahrgäste seit Mai einen Mindestpreis von sechs Euro statt zuvor 4,90 Euro. Für die ersten vier Kilometer beträgt der Kilometerpreis nun 2,90 Euro statt 3,70 Euro.

Im Landkreis Nienburg erhöhte sich der Grundpreis Anfang 2026 von 4,50 Euro auf acht Euro. Im Gegenzug ist der erste Kilometer jetzt bereits enthalten. Auch die Städte Lüneburg und Oldenburg sowie die Landkreise Hameln-Pyrmont und Diepholz haben ihre Preise erhöht, teilweise bereits 2025.

Weitere Erhöhungen stehen bevor

Weitere Kommunen haben bereits neue Tarifstufen beschlossen. In Göttingen erhöht sich der Grundpreis ab November um 1,30 Euro auf 5,80 Euro. Für die ersten drei Kilometer steigt der Kilometerpreis um 70 Cent auf 3,80 Euro.

Im Landkreis Schaumburg werden Grund- und Kilometerpreis im September jeweils um 20 Cent auf fünf beziehungsweise drei Euro angehoben. Im Landkreis Leer und in Wilhelmshaven wurden die Tarife bereits angepasst. Dort sollen 2027 weitere Erhöhungen folgen.

Auch in den Landkreisen Harburg und Goslar werden die Preise angepasst. Die Landkreise Wesermarsch, Rotenburg (Wümme) und Celle prüfen ebenfalls höhere Tarife.

Nicht überall steigen die Preise

Ein einheitliches Bild ergibt sich allerdings nicht. In Salzgitter und Osnabrück sowie den Landkreisen Hildesheim und Wolfenbüttel wurden die Preise seit 2022 nicht verändert. Im Landkreis Verden entfiel der Zuschlag für die Beförderung von Rollstuhlnutzern, während andere Tarifbestandteile angehoben wurden.

Mindestlohn erhöht Personalkosten

Als wesentlichen Kostentreiber nennen die Kommunen den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser stieg zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro je Stunde. Zum 1. Januar 2027 folgt eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro. Nach Angaben der Stadt Wolfsburg können Lohnkosten rund 65 Prozent der Kosten eines Taxiunternehmens ausmachen. Hinzu kommen höhere Benzinpreise und die allgemeine Inflation.

Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen hatte im März vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen im Taxi- und Mietwagengewerbe gewarnt. Nach Angaben des Landkreises Cloppenburg haben in den vergangenen Jahren zunehmend Unternehmen ihre Genehmigungen aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben. Der Landkreis Göttingen sieht insbesondere bei Nachtfahrten unter der Woche Probleme mit der Kostendeckung.

Die Situation unterscheidet sich jedoch regional. In den Landkreisen Harburg, Verden und Wittmund sowie in Wilhelmshaven ist die Zahl der Unternehmen stabil. Teilweise kommen neue Anbieter hinzu. Der Landkreis Leer sieht keinen Engpass beim Taxiangebot.

Nachfrage entwickelt sich unterschiedlich

Zur Entwicklung der Fahrgastzahlen liegen nur begrenzt Informationen vor. In Emden ist die Nachfrage rückläufig. Auch der Landkreis Rotenburg (Wümme) verzeichnet weniger Fahrgäste. Als Gründe nennt die Verwaltung höhere Tarife und ein seit der Corona-Pandemie verändertes Ausgehverhalten.

Im Landkreis Diepholz gehen reguläre Taxifahrten ebenfalls zurück. Gleichzeitig steigt dort die Nachfrage nach Sonderfahrten wie Krankenbeförderungen.

Mietwagen und bedarfsgesteuerter Nahverkehr als Alternativen

Neben klassischen Taxis stehen in einigen Regionen Mietwagenangebote zur Verfügung, die über Apps oder telefonisch vermittelt werden. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um Taxis. Für Mietwagen gelten andere Vorgaben. Sie dürfen beispielsweise nicht an Taxiständen auf Fahrgäste warten oder spontan Fahrgäste aufnehmen. Dafür unterliegen sie nicht der kommunalen Taxitarifpflicht.

Eine weitere Alternative sind bedarfsgesteuerte Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs. Im Umland von Hannover können Fahrgäste Kleinbusse des Angebots Sprinti buchen. Für die Nutzung genügt ein Nahverkehrs- oder Deutschlandticket. Vergleichbare Angebote bestehen mit Flexo in der Region Braunschweig sowie im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Land prüft einheitlichen Taxitarif

Die Höhe der Taxitarife legen die jeweiligen Städte und Landkreise fest, häufig auf Antrag des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen. Grundlage ist das Personenbeförderungsgesetz. Es sieht für Taxis unter anderem eine Tarifpflicht und ein Pflichtfahrgebiet vor.

Eine Sonderstellung nehmen Krankenfahrten ein. Dafür können Taxiunternehmen Vereinbarungen mit Krankenkassen schließen. Nach Angaben von Kommunen orientieren sich die entsprechenden Vergütungen allerdings an den Taxitarifen.

Das niedersächsische Verkehrsministerium prüft derzeit gemeinsam mit Branchenvertretern einen landesweiten Taxitarif. Dieser soll den Verwaltungsaufwand reduzieren und für mehr Transparenz sorgen. Dabei müssen allerdings unterschiedliche Anforderungen von Städten und Regionen berücksichtigt werden. Ob ein landesweit einheitlicher Tarif eingeführt wird, ist bislang offen. (Quelle: dpa)

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