Taxi heute in Lissabon: Offensives Auftreten der Plattformbetreiber – und Verdrängungs-Wettbewerb wie in Deutschland

Auch in Lissabon prallen zwei Systeme aufeinander, die sich zwar den gleichen Straßenraum teilen, aber unter völlig verschiedenen Bedingungen agieren. Das traditionelle Taxigewerbe und Plattformanbieter wie Uber, Bolt oder FreeNow stehen seit Jahren in einem angespannten Verhältnis. Die Konkurrenz ist hart, und der Markt verändert sich schneller, als die Politik reagieren kann.

Landet man in Lissabon ist die Werbung von Uber omnipräsent.| Foto: T. Kanzler
Landet man in Lissabon ist die Werbung von Uber omnipräsent.| Foto: T. Kanzler

Kommt man am Flughafen in Lissabon an, ist Werbung von Uber und auch Bolt zu sehen – Plakate, die fürs Taxi werben, sucht man vergeblich. Die Plattformdienste scheinen zu dominieren. Vor allem die Preisgestaltung schafft Reibung. Plattformfahrten sind im Durchschnitt deutlich günstiger als reguläre Taxis, zugleich aber stark von der Nachfrage abhängig. Die Stadt versucht, dem Preisdumping der Plattformdienste gegenzusteuern und unterstützt das Taxi-Gewerbe mit Programmen wie dem „Lisboa Taxi Voucher“, das vor allem Besucherinnen und Besuchern eine gewisse Preissicherheit bieten soll.

Das sogenannte „Surge Pricing“ der Plattformbetreiber sorgt allerdings auch dafür, dass Fahrgäste in Stoßzeiten bei den Plattformbetreibern plötzlich deutlich mehr zahlen müssen – etwa wenn Streiks den Verkehr lahmlegen oder abends am Flughafen Schlangen entstehen. Nur in solchen Momenten wird dann das klassische Taxi zur preiswerteren Alternative.

An Konflikten fehlt es nicht

Immer wieder protestieren Taxiunternehmen gegen die Plattformen, während Fahrerinnen und Fahrer der TVDE-Dienste – sie fahren Mietwagen im Auftrag der Apps – für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Ihr Vorwurf: Die Vergütungsmodelle seien kaum auskömmlich, die Abhängigkeit von den Plattformen groß. Streiks dieser Gruppen führten zuletzt dazu, dass die Preise für Fahrgäste kurzfristig in die Höhe schossen.

Rechtlich ist die Lage klarer, als es der Alltag vermuten lässt. Das portugiesische „Uber-Gesetz“ von 2018 verpflichtet Plattformdienste zu Lizenzen, Mindeststandards und Preistransparenz. Doch wie in auch in deutschen Städten bleibt die Kontrolle schwierig, Behörden berichten von irregulären Praktiken. Besonders am Flughafen Humberto Delgado häufen sich Hinweise auf Wucherpreise und zweifelhafte Vermittlungsangebote. Die Mobilitätsbehörde warnt regelmäßig vor Betrugsfällen und rät Reisenden zu offizieller Buchung über registrierte Taxistände.

Auch die Apps treiben die Nutzer zu den Plattformbetreibern

Aus Sicht vieler Nutzer überwiegt der Komfort der Plattformen. Die Apps sind übersichtlicher, Fahrten lassen sich schneller buchen, die Wartezeiten sind meist kürzer. Gleichzeitig kursieren Berichte über unzuverlässige Preisangaben im Fall hoher Nachfrage und vereinzelte Sicherheitsvorfälle.

Doch das Taxi erlebt in Lissabon eine Modernisierung: Die Stadt treibt digitale Buchungswege voran und versucht, die Attraktivität des Gewerbes zu erhalten. Lissabons Mobilitätsmarkt ist ein Abbild einer internationalen Entwicklung: Plattformanbieter gewinnen an Gewicht, klassische Taxis kämpfen um ihre Rolle. Die politische und arbeitsrechtliche Debatte darüber, wie ein fairer Zugang zum Markt aussehen soll, dürfte auch Lissabon noch länger begleiten.

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