Unfallgefahr durch falschen Reifendruck: ACE fordert bessere Unterstützung

Falscher Luftdruck wirkt sich nicht nur auf die Fahrzeugstabilität aus, sondern kann auch technische Systeme wie die Scheinwerferneigung beeinträchtigen. Der ACE sieht deshalb Handlungsbedarf bei Herstellern und Infrastruktur, um Fahrzeugnutzende besser zu unterstützen.
Die regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks ist entscheidend für Fahrstabilität, Bremsweg und Reifenhaltbarkeit. Hier wird ein Pkw-Reifen mit einem Luftdruckprüfer überprüft. | Symbolbild: KI-generiert
Die regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks ist entscheidend für Fahrstabilität, Bremsweg und Reifenhaltbarkeit. Hier wird ein Pkw-Reifen mit einem Luftdruckprüfer überprüft. | Symbolbild: KI-generiert

Eine aktuelle Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zeigt deutliche Defizite bei der Reifendruckkontrolle. Demnach prüfen 44 Prozent der Befragten den Reifendruck seltener als alle drei Monate, 16 Prozent verzichten vollständig darauf. Der ACE Auto Club Europa betont angesichts dieser Ergebnisse die sicherheitsrelevante Bedeutung eines korrekt eingestellten Reifendrucks.

Unfallrisiko durch falschen Luftdruck

Laut Statistischem Bundesamt kommt es jährlich zu rund 1.000 Verkehrsunfällen aufgrund von Mängeln an der Bereifung. Ein falscher Reifendruck zählt dabei zu den möglichen Ursachen. Bereits ein Minus von 0,5 bar kann das Fahrverhalten beeinträchtigen – etwa durch unpräzise Kurvenfahrten, Untersteuern und verlängerte Bremswege. Zusätzlich erhöht sich der Rollwiderstand, was zu stärkerem Verschleiß und höherem Energie- beziehungsweise Kraftstoffverbrauch führt. Ein zu hoher Druck verursacht hingegen ungleichmäßigen Abrieb und vermindert den Fahrkomfort.

Regelmäßige Kontrolle empfohlen

Der ACE empfiehlt, den Reifendruck bei Pkw alle zwei bis vier Wochen zu kontrollieren, bei Motorrädern vor jeder Fahrt. Vor längeren Strecken und bei hoher Beladung sollte der Druck stets überprüft und angepasst werden. Je nach Beladungszustand können Unterschiede von bis zu einem bar erforderlich sein.

Auswirkungen auf die Scheinwerferneigung

Ein nicht angepasster Reifendruck kann auch die Fahrzeuglage verändern und damit die Ausrichtung der Scheinwerfer beeinflussen. Sinkt das Fahrzeugheck durch hohe Zuladung ab, strahlen die Scheinwerfer höher und können entgegenkommende Verkehrsteilnehmende blenden.

Orientierung und Messbedingungen

Angaben zum empfohlenen Luftdruck finden sich üblicherweise in der Tankklappe, im Türrahmen oder in der Betriebsanleitung. Hersteller bieten zudem Tabellen für verschiedene Beladungsszenarien an. Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) können helfen, ersetzen jedoch keine regelmäßige manuelle Überprüfung.

Der Reifendruck sollte grundsätzlich bei kalten Reifen gemessen werden. Eine Umgebungstemperatur von rund 20 Grad Celsius gilt als ideal. Temperaturveränderungen wirken sich direkt auf den Druck aus: Eine Abkühlung um 10 Grad verringert den Druck um etwa 0,1 bar, hohe Temperaturen erhöhen ihn entsprechend.

Vorgehensweise beim Befüllen

Für die Kontrolle wird die Ventilkappe entfernt und das Messgerät aufgesetzt. Nach Anzeige des aktuellen Drucks kann dieser über einen Kompressor angepasst werden. Das Verfahren ist für alle Reifen zu wiederholen, einschließlich des Ersatzrads. Die empfohlenen Druckwerte für Vorder- und Hinterachse können voneinander abweichen.

Verbesserungsbedarf bei Ausstattung und Information

Nach Einschätzung des ACE sind die Angaben der Fahrzeughersteller zum korrekten Reifendruck nicht immer klar genug, insbesondere für unterschiedliche Reifenarten und Beladungszustände. Zudem erschweren unzureichend gewartete, zu wenige oder kostenpflichtige Reifendruckgeräte an Tankstellen und Waschstraßen die regelmäßige Kontrolle. Der ACE sieht daher Bedarf, die Verfügbarkeit funktionstüchtiger und idealerweise kostenloser Prüf- und Füllgeräte beim Ausbau der Lade- und Tankstelleninfrastruktur stärker zu berücksichtigen. (Quelle: ACE)

Logobanner Liste (Views)