Dooring - wenn eine plötzlich geöffnete Tür zum Schicksal wird

Im Sommer 2025 ist der Berliner Fahrradfahrer Dirk Goldmann Opfer eines sogenannten Dooring-Unfalls geworden. Ein harmlos erscheinender Moment, ein unachtsames Öffnen einer Taxitür, veränderte sein Leben grundlegend. Ein Überblick über den Fall — und ein Appell an Taxifahrer, Autofahrer allgemein und Radfahrer.

Symbolbild: Wer die Fahrzeug-Tür öffnet, ohne sich zu vergewissern, dass ein Radfahrer sich nähert, riskiert einen schweren Dooring-Unfall. Bild: KI-generiert.
Symbolbild: Wer die Fahrzeug-Tür öffnet, ohne sich zu vergewissern, dass ein Radfahrer sich nähert, riskiert einen schweren Dooring-Unfall. Bild: KI-generiert.

Im Juni 2025 hielt ein Taxi verbotswidrig auf einer Sperrfläche — eine Praxis, die im hektischen Berliner Alltag immer wieder vorkommt. Eine Fahrgästin öffnete die hintere rechte Tür und stieg aus, offenbar ohne den nachfolgenden Fahrradverkehr zu beachten.

Tür auf — und alles kippt

Goldmann fuhr auf dem Radweg — und prallte gegen die Tür. Der Taxi-Fahrer setzte trotz des Unfallgeschehens seine Fahrt fort, die Frau hinterließ falsche Kontaktdaten. Seither bleibt Goldmanns Unfall-Verursacherin verschwunden — und mit ihr sämtliche Ansprüche auf Entschädigung und Hilfe.

Die Folgen sind gravierend: Die umfangreichen Verletzungen nötigten Goldmann zu mehreren Eingriffen und langwieriger Behandlung. Der operative Eingriff erforderte die Entfernung beschädigten Knorpels; seither reibt Knochen auf Knochen. Goldmann kann den Arm nicht mehr voll belasten, sportliche Aktivitäten erscheinen nun unwiederbringlich verloren. Dazu kommen die psychischen Belastungen: Angst vor dem Radfahren, Schlafstörungen, permanente Unsicherheit — bis hin zur Notwendigkeit beruflicher Neuorientierung. Auch die finanziellen Belastungen sind hoch: Krankenhaus- und Rehamaßnahmen, Medikamente, Gutachten, mögliche Einkommensausfälle. Ein Spendenaufruf nennt explizit die Belastung durch nicht erstattete Kosten; der zuständige Entschädigungsfonds sieht sich jedoch außerstande, ohne identifizierte Verursacherin zu helfen.

Rechtliche und soziale Leere hinter dem Unfall

Im Unterschied zu einigen prominenten Fällen — etwa einem 2023 in Berlin-Charlottenburg verunglückten Radfahrer, der bei einem ähnlichen Dooring-Unfall ums Leben kam und dessen Fall jüngst vor Gericht verhandelt wurde — stehen bei Goldmann weder Fahrer noch Fahrgast als Täter fest.

Die Tatsache, dass der Taxifahrer weiterfuhr und die Fahrgastin unter falscher Identität verschwand, hat zur Folge, dass Goldmann nun völlig allein dasteht. Ein Entschädigungsfonds, der eigentlich für genau solche „unbekannte Unfallverursacher“-Fälle eingerichtet wurde, lehnt in der Regel Zahlungen ab, wenn Unfallhergang und Beteiligte nicht eindeutig identifiziert oder nachgewiesen sind.

Verantwortung der Taxi-Branche

Wenn ein Fahrer weiterfährt und der Fahrgast unter falscher Identität verschwindet, gibt es für Opfer faktisch keine greifbare Stelle mehr, an die sie sich wenden können. Vor diesem Hintergrund wäre es zu überlegen, ob nicht Taxiunternehmen und Berufsverbände verbindliche Regeln einführen könnten — etwa Hinweise im Taxi, Orientierungen für Fahrgäste, Verhaltensregeln für Ein- und Aussteigen, vielleicht sogar technische Hilfsmittel oder Warnsysteme.

Auf den ersten Blick scheint die Branche aus der Verantwortung genommen. Trotzdem: Die fehlende Kontrolle über das Verhalten der Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen bleibt eine Lücke. Ein Lichtblick war 2024 da die Kampagne zur Vermeidung von „Dooring-Unfällen“ im Rahmen der Verkehrssicherheitsinitiative #MehrAchtung des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen (BVTM) mit der Taxen-Union Hamburg e.V. und die Hansa Funktaxi eG.

Dooring-Unfälle ist vermeidbar

Der Unfall von Dirk Goldmann mag auf den ersten Blick wie ein tragisches Einzelschicksal wirken. Doch er steht für ein strukturelles Problem — ein Risiko, das viele Radfahrende täglich eingehen, wenn sie sich in Städten bewegen, in denen Straßen, Parkplätze und Taxistände dicht, unübersichtlich und ungeschützt nebeneinander existieren.

Dass Goldmann heute auf Spenden angewiesen ist — und nicht auf Unterstützung von Seiten der Versicherer oder der öffentlichen Hand — offenbart eine Lücke. Wer Dirk Goldmann unterstützen und diese Lücke mit füllen möchte: hier geht es zum Spendenportal.

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