Melsungen: On-Demand-Verkehr begeistert auch den Taxler

Das fahrplanlos verkehrende elektrische MEGmobil des Taxiunternehmers Jens Marggraf begeistert in Melsungen nach den ersten sechs Monaten nicht nur seine Auftraggeber, sondern auch ihn als innovativen Unternehmer.

Eine Zwischenbilanz zogen an dieser neuen Haltestelle (v.l.) Projektleiter Martin Weißhand, Jens Marggraf und sein Sohn Moritz, NVV-Geschäftsführer Steffen Müller und Bürgermeister Markus Boucsein. (Foto: Dietmar Fund)
Eine Zwischenbilanz zogen an dieser neuen Haltestelle (v.l.) Projektleiter Martin Weißhand, Jens Marggraf und sein Sohn Moritz, NVV-Geschäftsführer Steffen Müller und Bürgermeister Markus Boucsein. (Foto: Dietmar Fund)
Dietmar Fund

Seit Mitte Dezember 2019 ergänzt ein fahrplanlos zwischen Haltestellen verkehrendes Anruf-Sammel-Taxi namens MEGmobil einen seither im Halbstundentakt verkehrenden Stadtbus in Melsungen. Beide zusammen binden tagsüber alle wesentlichen Anlaufpunkte der Kleinstadt miteinander. Abends und an Wochenende tut das das MEGmobil alleine. Mit diesem Konzept hat der Nordhessische VerkehrsVerbund (NHH) vor Beginn der Corona-Pandemie bis zu 890 Fahrgäste im Monat über sein On-Demand-Angebot befördert. Während der Ausgangsbeschränkungen fiel diese Zahl zwar auf maximal 435 Fahrten pro Monat, aber im Juni 2020 waren schon wieder 820 Fahrgäste im MEGmobil zu verzeichnen.

Diese Zwischenbilanz zogen der Melsungener Bürgermeister Markus Boucsein, NVV-Geschäftsführer Steffen Müller, und NVV-Projektleiter Martin Weißhand am 2. Juli 2020. Sie wollten mit ihrer Pressekonferenz im Beisein des Taxiunternehmers Jens Marggraf an einer von fünf neu eingerichteten Haltestellen das MEGmobil samt Neuerungen in der Bevölkerung erneut ins Gespräch bringen.

Für den Bürgermeister und den NVV-Geschäftsführer ist die wieder anziehende Nutzung des elektrisch angetriebenen, sechssitzigen und barrierefreien LEVC TX des Taxiunternehmers ein Beleg dafür, dass es besser ist, mit Partnern aus der Region ein in den Öffentlichen Personen-Nahverkehr voll integriertes On-Demand-Angebot zu machen, als einen fremden Anbieter mit eigener App zu beauftragen. Das MEGmobil, das aus Kostengründen zunächst bewusst nur ein einziges ist, kann über die Fahrtwunschzentrale des NVV telefonisch, über dessen Homepage online und über eine App gebucht werden.

Wenn der Fahrgast seine Wunsch-Adressen und seine Wunsch-Abfahrtszeit angibt, teilt ihm das Callcenter oder die Software mit, wo die nächst gelegenen Haltestellen sind und wann er voraussichtlich abgeholt wird. Über die zwischengeschaltete Software von Eckardt Software Management (ESM) werden dann Fahrten in dieselbe Richtung gebündelt und der Fahrgast muss eventuell zwischen 15 Minuten und einer Stunde warten. Das Pooling kommt laut Jens Marggraf insbesondere an den gut ausgelasteten Samstagen sowie abends häufig vor.

Stammgäste können im Voraus buchen, was bei ähnlichen On-Demand-Angeboten oft noch nicht möglich ist. Auch bezahlen können die Fahrgäste noch bar im Fahrzeug, weil die Fahrten ins Tarifsystem des Verbunds integriert sind. Man braucht für die Nutzung also nicht unbedingt ein Smartphone wie bei Anbietern, die Städten hauptsächlich ihre Software verkaufen wollen.

Jens Marggraf hat sich nach den politischen Vorgaben bezüglich des Elektroantrieb und der Barrierefreiheit bewusst für das „London-Taxi“ entschieden, das nun auch von seinen Auftraggebern als werbewirksamer „Hingucker“ empfunden wird. Der im nahen Baunatal vertretene Volkswagen-Konzern als „regionaler“ Partner konnte nichts Entsprechendes bieten.

Marggraf hat für die Nutzung des Fahrzeugs eine Stundenpauschale verhandelt, die über die projektierte Zeit von sechs Jahren hinweg die durchschnittliche tägliche Fahrleistung von rund 100 Kilometern abdeckt und für den Unternehmer trotz höherer Fahrerlöhne interessant ist. Geladen wird das Fahrzeug immer nachts sowie zwischendurch, weil bei der hügeligen Topographie von Melsungen die Reichweite deutlich hinter der (sowieso nur knapp dreistelligen) Herstellerangabe zurückbleibt.

Einen detaillierten Bericht über das Projekt und über die Gedanken, die sich Jens Marggraf darüber macht, lesen Sie in Kürze in taxi heute.

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