Robotaxis: Taxi-Branche fordert klare Regeln für autonomen Betrieb

Auf der Mobility Move in Berlin diskutieren Experten die Folgen autonomer Mobilitätsdienste. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen plädiert für kommunale Steuerung, Mengenbegrenzung und Preisregulierung.

Im Rahmen der begleitenden Messe blickte Oppermann über den Tellerrand des Taxigewerbes und nahm dabei auch in einem autonom fahrenden Holon (ioki, HVV) Platz. | Foto: BVTM
Im Rahmen der begleitenden Messe blickte Oppermann über den Tellerrand des Taxigewerbes und nahm dabei auch in einem autonom fahrenden Holon (ioki, HVV) Platz. | Foto: BVTM

Auf der Fachkonferenz Mobility Move des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen in Berlin haben Vertreter aus Wissenschaft, Kommunen, Mobilitätsunternehmen und Verbänden über die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs und autonomer Mobilität beraten. Im Mittelpunkt stand die Frage, unter welchen regulatorischen Bedingungen Robotaxis in deutsche Verkehrssysteme integriert werden können.

Modellierung sieht Verlagerungseffekte

Unter der Überschrift „Der Robo-Taxi-Case“ stellte Prof. Dr.-Ing. Martin Kagerbauer vom Karlsruher Institut für Technologie eine Modellierung für die Städte Mannheim und Friedrichshafen vor. Demnach verlagern Robotaxis in größeren Städten bei geringer Regulierung und niedrigen Preisen Verkehr aus dem sogenannten Umweltverbund, also aus Bus, Bahn, Fahrrad- und Fußverkehr, auf die Straße.

Die beschriebenen Effekte erinnern an Entwicklungen im Ride-Hailing-Markt. Auch dort lasse sich beobachten, dass günstige Angebote zusätzliche Verkehre erzeugten und bestehende Strukturen veränderten.

Taxi als mögliches Betriebsmodell

Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, stellte in der Diskussion klar, dass autonome Technologien nicht als Bedrohung verstanden werden sollten.

„Taxi und Mietwagen sind nicht das Gegenmodell zum autonomen Fahren, sondern ein mögliches Betriebsmodell dafür“,

betonte er. Bestehende Unternehmen verfügten bereits über operative Kompetenzen wie Überwachung, Disposition und Wartung und könnten autonome Flotten in bestehende Verkehrssysteme integrieren.

Zugleich forderte Oppermann einen klaren regulatorischen Rahmen. Kommunen müssten weiterhin steuern können, wo autonome Fahrzeuge eingesetzt werden, wie viele Fahrzeuge zugelassen sind und wie diese in lokale Mobilitätsstrategien eingebunden werden. Instrumente wie Mengensteuerung und Preisregulierung seien im Taxigewerbe seit langem etabliert und könnten auch für Robotaxis relevant sein.

Metropolen als erste Märkte

In der Diskussion wurde auch die Frage erörtert, ob Robotaxis perspektivisch eher im ländlichen Raum oder in großen Städten zum Einsatz kommen. Oppermann verwies darauf, dass viele Partnerunternehmen von Plattformanbietern ihren Sitz in Brandenburg hätten, ihre Fahrzeuge jedoch überwiegend in Berlin einsetzten. Daraus lasse sich ableiten, dass sich neue Angebote zunächst auf wirtschaftlich attraktive Metropolen konzentrieren dürften.

Lokale Betreiberstrukturen gefordert

Nach Auffassung des Bundesverbands Taxi und Mietwagen sollte die Einführung autonomer Mobilität nicht allein globalen Plattformunternehmen überlassen werden. Autonomes Fahren erfordere lokale Betreiberstrukturen mit Kenntnissen der regionalen Märkte sowie gewachsenen Beziehungen zu Kommunen und Auftraggebern. Technologieunternehmen könnten die technische Infrastruktur liefern, während der operative Betrieb in verantwortlichen lokalen Strukturen organisiert werde.

Internationaler Druck wächst

Zugleich wurde auf der Konferenz auf die internationale Dynamik hingewiesen. In den USA würden Milliardenbeträge in autonome Mobilität investiert, Robotaxi-Dienste seien dort bereits in mehreren Städten im Einsatz. Der Mobilitätsanbieter Transdev warnte vor einem schnellen Marktdurchbruch entsprechender Dienste.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder stellte keine zusätzlichen umfangreichen Förderprogramme für autonome Fahrzeuge in Aussicht. Angesichts begrenzter finanzieller Mittel solle der Weg in den Markt vor allem über Kooperationen, Modellregionen und regulatorische Anpassungen erfolgen.

Damit wurde auf der Mobility Move deutlich, dass sich die Branche zwischen technologischem Aufbruch und regulatorischer Ausgestaltung bewegt. Aus Sicht des Bundesverbands Taxi und Mietwagen steht fest, dass Robotaxis einen klaren rechtlichen Rahmen benötigen, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. (Quelle: BVTM)

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