Autonomes Fahren im Nahverkehr stockt trotz Pilotprojekten

(dpa) Deutschland gilt als Vorreiter beim autonomen Fahren, doch eine Typgenehmigung für Level-4-Busse fehlt. Experten kritisieren einen Flickenteppich von Testprojekten und fordern Planungssicherheit für Hersteller und Verkehrsunternehmen.

Das autonome Fahrzeug «Kira» wird während eines Pressetermins vorgestellt. Das Fahrzeug soll sich künftig ohne Fahrer selbstständig im Verkehr bewegen und dabei von einer Leitstelle überwacht werden. | Foto: Foto: Boris Roessler/dpa
Das autonome Fahrzeug «Kira» wird während eines Pressetermins vorgestellt. Das Fahrzeug soll sich künftig ohne Fahrer selbstständig im Verkehr bewegen und dabei von einer Leitstelle überwacht werden. | Foto: Foto: Boris Roessler/dpa
Kathrin Köstner

In Deutschland sind aktuell rund 15 Modellprojekte mit fahrerlosen Bussen im Einsatz. Fahrgäste können die Fahrzeuge sowohl in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Leipzig nutzen als auch in kleineren Orten wie Herford und Monheim am Rhein in Nordrhein-Westfalen.

Die meisten Projekte, laufend und abgeschlossen, wurden bislang in München (neun Projekte), Hamburg (sechs) und Ulm (fünf) umgesetzt.

Technik auf Level-4-Standard

Zum Einsatz kommen überwiegend Systeme der Automatisierungsstufe 4. Diese Fahrzeuge können innerhalb festgelegter Gebiete unter definierten Bedingungen eigenständig fahren.

Deutschland gilt neben Frankreich als Vorreiter bei dieser Technologie. Ein Grund dafür ist, dass bereits rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Level-4-Fahrzeugen geschaffen wurden.

Fehlende Typgenehmigung

Eine offizielle Typgenehmigung für Level-4-Fahrzeuge gibt es in Deutschland bisher nicht. Fachleute kritisieren seit längerem, dass die Vielzahl an vom Bund geförderten Projekten kaum auf eine Verstetigung ausgelegt sei.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert daher, den Übergang vom Testbetrieb in den Regelbetrieb einzuleiten. Nötig seien Projekte mit höherer Fahrzeugzahl, um Herstellern verlässliche Abnahmemengen und Planungssicherheit für Produktionskapazitäten zu bieten.

Personalengpässe im ÖPNV

Der öffentliche Personennahverkehr sieht in der Technologie eine Möglichkeit, dem zunehmenden Fahrermangel zu begegnen. Laut einem aktuellen Branchenmonitor des Beratungsunternehmens PwC werden in Deutschland bis 2030 mehr als 50.000 Busfahrerinnen und Busfahrer fehlen – mehr als doppelt so viele wie heute.

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