CleverShuttle stellt B2C-Betrieb ein und fokussiert auf den ÖPNV

Der On-Demand-Pionier fährt auch den Hub in Leipzig runter und konzentriert sich künftig im DB-Konzern vollends auf die Anbindung der Dienste an den ÖPNV. Die Pandemie reduzierte die Fahrgastzahlen drastisch.

Letzte Runde unter grüner Flagge: Der Ride-Pooling-Pionier CleverShuttle stellt den Betrieb unter dem eigenen Label auch in Leipzig ein, fokussiert sich auf die ÖPNV-Ergänzung. (Foto: CleverShuttle)
Letzte Runde unter grüner Flagge: Der Ride-Pooling-Pionier CleverShuttle stellt den Betrieb unter dem eigenen Label auch in Leipzig ein, fokussiert sich auf die ÖPNV-Ergänzung. (Foto: CleverShuttle)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der On-Demand-Mobilitätsdienst CleverShuttle hat im Zuge seiner strategischen Neuausrichtung die Einstellung des B2C-Geschäfts angekündigt und will sich künftig auf die Anbindung und Kooperation im ÖPNV konzentrieren. Der Schritt sei auch durch den pandemiebedingten Rückgang der Fahrgastzahlen begründet. Im Januar 2022 endet in Leipzig der eigenwirtschaftliche Betrieb des 2014 als Start-up gegründeten Dienstes. Statt direkt am Endkundenmarkt aufzutreten, will man künftig als Partner für Städte, Landkreise und öffentliche Verkehrsunternehmen aktiv bleiben. Die Einstellung des Fahrbetriebs erfolge im Einvernehmen mit dem Joint-Venture-Partner Madsack Mediengruppe.

„Wir wollen unseren elektrischen Ridepooling-Service künftig direkt mit dem ÖPNV verknüpfen. Damit erreichen wir mehr Fahrgäste und mehr für die Mobilitätswende. Unser Ziel: den ÖPNV mit On-Demand-Ridepooling flächendeckend attraktiv und flexibel verfügbar zu machen, indem wir Bedienungslücken schließen, die sonst nur mit dem privaten Auto zu bewältigen wären. So geben wir mehr Menschen Zugang zu emissionsfreier Mobilität. Dafür arbeiten wir verstärkt mit Partnern aus der Verkehrsbranche zusammen“, erklärt Bruno Ginnuth, Co-Gründer und CEO von CleverShuttle.

Im ersten Jahr seiner Neuausrichtung habe man bereits acht ÖPNV-integrierte On-Demand-Verkehre für kommunale Nahverkehrsunternehmen umgesetzt und sich als Deutschlands führender Betreiber von On-Demand-Ridepooling im ÖPNV etabliert, warb der Anbieter. Vier weitere Verkehre sollen im Frühjahr 2022 starten.

Corona-Krise: Bis zu 70 Prozent weniger Fahrgäste

In Leipzig habe neben der strategischen Neuausrichtung auch die anhaltende Coronakrise zur Entscheidung beigetragen. Die Fahrgastzahlen der vergangenen Monate waren um bis zu 70 Prozent geringer als im Vergleich zu Vorkrisenzeiten. Seit Dezember 2016 war CleverShuttle mit bis zu 64 Elektrofahrzeugen in Leipzig unterwegs. Insgesamt haben über eine Million Fahrgäste den Fahrservice genutzt.

Auch in Zukunft wolle man aber für die Fahrgäste in Leipzig aktiv bleiben: Als Betreiber des On-Demand-Angebots „Flexa“ verkehrt die DB-Tochter im Auftrag der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) weiterhin im Norden und Südosten der Stadt. Der per App und Telefon buchbare Quartiersverkehr ist in den MDV-Tarif integriert. Außerdem werde man den bestehenden Betriebssitz in Leipzig zu einem Regional-Hub ausbauen. Von dort aus will das Unternehmen zukünftig ÖPNV-integrierte On-Demand-Verkehre in Ostdeutschland steuern.

Standort Leipzig soll erhalten bleiben

Aktuell beschäftigt CleverShuttle rund 170 Mitarbeitende am Standort Leipzig, die frühzeitig über die Neuausrichtung des Standortes informiert wurden. Die Belegschaft am Betriebssitz wird unverändert weiterbeschäftigt. Für die betroffenen Fahrer:innen sucht das Unternehmen gemeinsam mit der DB und weiteren lokalen Partnerunternehmen nach Lösungen. Einen Teil von ihnen kann CleverShuttle in seinen ÖPNV-integrierten „Flexa“-Shuttleservice übernehmen, heißt es. Die DB hat in der Region zahlreiche Jobs für Fachkräfte und Quereinsteiger ausgeschrieben. Zudem würden Informations- und Beratungsangebote eingerichtet. Die Kundschaft will man in den nächsten Wochen über den genauen Zeitpunkt der Einstellung des Fahrbetriebs informieren.

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