Selbstfahrende Shuttles in Norwegen: Wie Oslo ab 2026 auf MOIAs autonome ID. Buzz setzt

Autonome Shuttles sollen in Oslo bald zum regulären Stadtbild gehören. Die Verkehrsbehörde Ruter und der Betreiber Holo treiben das Thema seit Jahren voran. Nun holen sie sich mit dem Hamburger Mobilitätsunternehmen MOIA einen Partner ins Boot, der eigenes Fahrzeugdesign, Software und Betriebskompetenz verbindet. Ab Frühjahr 2026 sollen in der Hauptstadt selbstfahrende ID. Buzz im regulären Dienst unterwegs sein.

MOIAs selbstfahrende ID. Buzz sind speziell für geteilte Mobilitätsdienste entwickelt. | Foto: MOIA
MOIAs selbstfahrende ID. Buzz sind speziell für geteilte Mobilitätsdienste entwickelt. | Foto: MOIA

Die Kooperation markiert einen neuen Abschnitt für den On-Demand-Verkehr in der Region Groruddalen. Ruter verankert das Projekt in seiner langfristigen Mobilitätsstrategie, Holo bringt Erfahrung aus autonomen Testfeldern in Skandinavien ein, und MOIA liefert ein Paket aus Shuttle, Softwareplattform und App. Die drei Partner wollen Erkenntnisse gewinnen, die später in die Verkehrsplanung der Stadt einfließen.

MOIAs Fahrzeuge sind für geteilte Mobilitätsformen ausgelegt. Kameras, Radar und Lidar schaffen ein durchgehendes Rundumbild der Umgebung, Hochleistungsrechner bereiten die Daten in Echtzeit auf. Die Kabine erinnert eher an eine kleine Lounge als an ein klassisches Shuttle. Ein Passagiermanagementsystem übernimmt alltägliche Aufgaben, die heute Fahrerinnen und Fahrer ausführen: vom Einchecken bis zur Überwachung des Innenraums. Der Zugang über eine breite Schiebetür soll das Einsteigen erleichtern. In Verbindung mit der Buchungs-App entsteht ein Dienst, der sich nahtlos in die Verkehrsangebote der Stadt einfügen soll.

Lernen unter realen Verkehrsbedingungen

Bei Ruter sieht man darin eine Chance, den Menschen in Groruddalen zu zeigen, wie künftig ein städtischer Mobilitätsservice aussehen kann. CEO Bernt Reitan Jenssen spricht von einer Entwicklung, die das Kundenerlebnis verändert. Holo-Chef Stefan Krogh-Hansen verweist auf die fast zehnjährige Vorbereitung, in der sein Unternehmen Abläufe, Systeme und Einsatzkonzepte aufgebaut hat. Nun gelte es, unter realen Bedingungen weiter zu lernen. MOIA-Chef Sascha Meyer sieht in Oslo ein Testfeld, das durch Klima, Verkehrspolitik und topografische Vielfalt besonders geeignet sei.

„Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit Ruter und Holo an diesem wegweisenden Projekt zu arbeiten. Zusammen schaffen wir eine Blaupause für die Integration autonomer Mobilität in den öffentlichen Verkehr: mit einer europäischen Lösung, die zum Gemeinwohl Europas beiträgt. Oslo, mit seinen ambitionierten Klimazielen, fortschrittlichen Verkehrspolitiken und variablen Wetterbedingungen, ist ein ideales Umfeld für die Einführung nachhaltiger Mobilitätslösungen“, sagt Sascha Meyer, CEO von MOIA.

Erfahrungen aus Hamburg bilden den Kern

Für MOIA ist das Projekt zugleich ein Baustein der eigenen Europastrategie. Das Unternehmen kombiniert autonome Fahrzeuge, eine digitale Plattform und operative Dienstleistungen zu einem marktfähigen Gesamtangebot. Erfahrungen aus Hamburg bilden den Kern des Konzepts. Weitere Partnerschaften in Berlin und Hamburg sowie Testaktivitäten in München, Austin und Los Angeles sollen den Übergang zu fahrerlosen Flotten vorbereiten. 2027 strebt MOIA eine EU-Typgenehmigung für den selbstfahrenden ID. Buzz an.

„Wir freuen uns sehr, speziell entwickelte, selbstfahrende Fahrzeuge einzuführen, die uns einen bedeutenden Schritt näher an einen voll skalierbaren autonomen öffentlichen Verkehr bringen. Seit fast einem Jahrzehnt hat Holo Expertise, Systeme und operatives Know-how aufgebaut, um diesen Moment vorzubereiten. Gemeinsam mit MOIA und Ruter können wir die Technologie nun im realen Stadtbetrieb weiterentwickeln und die Erkenntnisse sammeln, die notwendig sind, damit autonome Mobilität künftig ein verlässlicher Service für alltägliche Fahrgäste wird“, sagt Stefan Krogh-Hansen, CEO von Holo.

Ziel: weniger private Fahrzeuge und weniger Emissionen

Oslo verfolgt ambitionierte Ziele: weniger private Autos, geringere Emissionen, ein flexiblerer ÖPNV. Die Kommunalpolitik setzt auf neue Dienste, um die Lücke zwischen klassischem Nahverkehr und individueller Mobilität zu schließen. Eine Studie der Stadt skizziert, wie sich Staus reduzieren ließen, wenn rund 30.000 autonome Fahrzeuge in das bestehende Netz integriert würden.

„Das ist unglaublich spannend – für uns und für die Bewohnerinnen und Bewohner der Groruddalen-Region. Die Zusammenarbeit mit MOIA ermöglicht es uns, Fahrzeuge und Technologie zu nutzen, die speziell für geteilte Mobilität entwickelt wurden, statt Lösungen, die von Privatfahrzeugen adaptiert sind. Das hebt sowohl das Projekt als auch das Kundenerlebnis auf ein neues Niveau und gibt unseren Fahrgästen einen noch klareren Eindruck davon, welchen zukünftigen Mobilitätsservice wir hier entwickeln“, sagt Bernt Reitan Jenssen, CEO von Ruter.

Seit 2023 testen Ruter und Holo bereits einen bedarfsorientierten autonomen Verkehrsdienst in Groruddalen. Das Pilotprojekt ist eingebettet in das EU-Konsortium ULTIMO, das Technologien und Einsatzmodelle für autonome Mobilität untersucht. Die Partner sehen den kommenden MOIA-Start als logische Fortsetzung dieser Arbeit. Nun soll sich zeigen, wie sich autonome Shuttles im Alltag einer wachsenden Stadt bewähren.

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