BVG testet autonome Kleinbusse – was bedeutet das für das Taxigewerbe?

(dpa/tk) Im Nordwesten Berlins beginnt in diesen Tagen ein Großversuch, der auch für das Taxigewerbe von Interesse sein dürfte: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) starten ihr bislang größtes Pilotprojekt zum autonomen Fahren. Fünf vollelektrische Kleinbusse werden in den kommenden Wochen auf den Straßen von Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf unterwegs sein – zunächst noch ohne Fahrgäste.

Der Schriftzug «Self-Driving-Vehicle» (Selbstfahrendes Fahrzeug) steht auf dem neuen Kleinbus nach der Vorstellung zur «autonomen Zukunft des Nahverkehrs» der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf dem BVG-Busbetriebshof Spandau. | Foto: Carsten Koall, dpa
Der Schriftzug «Self-Driving-Vehicle» (Selbstfahrendes Fahrzeug) steht auf dem neuen Kleinbus nach der Vorstellung zur «autonomen Zukunft des Nahverkehrs» der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf dem BVG-Busbetriebshof Spandau. | Foto: Carsten Koall, dpa

Die Fahrzeuge vom Typ VW ID. Buzz AD sind mit Sensoren, Kameras und umfangreicher Steuerungstechnik ausgerüstet. Sie bewegen sich auf einem sogenannten Autonomielevel 4, was grundsätzlich einen fahrerlosen Betrieb ermöglicht. Ganz ohne Menschen geht es vorerst aber nicht: Während der Testfahrten sitzt weiterhin eine Sicherheitsperson vorn, um im Notfall eingreifen zu können. Parallel überwacht eine Leitstelle den Betrieb.

Probebetrieb mit Fahrgästen ab 2026

Im ersten Halbjahr 2026 will die BVG den nächsten Schritt gehen und Testgruppen mitfahren lassen. Wer Interesse hat, kann sich ab Anfang kommenden Jahres bewerben. Die Kleinbusse sollen dann auf einer Gesamtstrecke von 55 Kilometern rund 80 Haltepunkte bedienen – von Bushaltestellen bis zu S- und U-Bahn-Stationen. Fahrgäste können ihre Fahrt per App buchen und werden während der Testphase montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr befördert.

Das Testgebiet umfasst rund 15 Quadratkilometer im Berliner Nordwesten. Ziel ist es, die Technologie in den öffentlichen Nahverkehr einzubinden und praktische Erfahrungen zu sammeln.

„Mit autonomen Fahrzeugen können wir perspektivisch ein völlig neues Mobilitätssystem schaffen, welches wirklich auf die persönlichen Bedürfnisse der Menschen in unserer Stadt eingeht“, sagte BVG-Chef Henrik Falk beim offiziellen Start.

Förderung und Partner

Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit 9,5 Millionen Euro gefördert. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nannte autonomes Fahren „den Schlüssel zur Mobilität der Zukunft“. Es stehe für mehr Effizienz und Teilhabe im Straßenverkehr. Projekte wie das Berliner seien „wegweisend für den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland“.

Neben der BVG sind mehrere Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt – unter anderem die Volkswagen-Tochter Moia, die bereits in Hamburg ein ähnliches Konzept umsetzt, die Technische Universität Berlin sowie das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM). Auch der Berliner Senat unterstützt das Vorhaben.

Perspektive bis 2027

Nach Abschluss der Testphase Mitte 2027 will die BVG den autonomen Fahrbetrieb ausweiten und verstetigen. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) betonte beim Start, man beginne bewusst im kleinen Rahmen, „um es dann großzumachen“.

Bedeutung für das Taxigewerbe

Für Taxiunternehmen dürfte das Projekt aufmerksam verfolgt werden. Während der ÖPNV mit autonomen Lösungen experimentiert, bleibt unklar, welche Rolle das Gewerbe künftig in einem stärker digitalisierten Mobilitätssystem spielt. Der Test zeigt: Öffentliche und private Anbieter bewegen sich zunehmend auf derselben Strecke – technologisch und organisatorisch.

Noch aber gilt: In Berlin fährt kein Shuttle allein. Und bis der Algorithmus den Fahrer ersetzt, dürfte es auch nach dem Abschluss dieses Projekts noch eine Weile dauern.

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