Mobilität neu gedacht: Alternativer ÖPNV-Gipfel rückt Taxis und On-Demand-Verkehre in den Fokus

Bus und Bahn gelten als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Doch vielerorts reichen klassische Linienangebote längst nicht mehr aus, um den Mobilitätsbedarf der Menschen abzudecken. Ein neuer Gipfel, veranstaltet vom BVTM, will deshalb die Debatte öffnen – und auch Taxis, On-Demand-Dienste und neue Mobilitätsformen stärker in den Fokus rücken.

Unter dem Leitmotiv „Moderner ÖPNV ist mehr als Linien“ bringt das neue Veranstaltungsformat des BVTM Expertinnen und Experten aus Mobilität, Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen.| Foto: BVTM
Unter dem Leitmotiv „Moderner ÖPNV ist mehr als Linien“ bringt das neue Veranstaltungsformat des BVTM Expertinnen und Experten aus Mobilität, Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen.| Foto: BVTM

Wer über öffentlichen Personennahverkehr spricht, denkt meist an Busse, Straßenbahnen oder Regionalzüge. Doch die Mobilität verändert sich. Schichtarbeit, alternde Gesellschaften, ländliche Räume mit dünner Besiedlung und der Wunsch nach individuellen Mobilitätsangeboten stellen das klassische Liniennetz zunehmend vor Herausforderungen. Genau an diesem Punkt setzt der Alternative ÖPNV-Gipfel an, der am 25. November 2026 erstmals in Berlin stattfindet. Unter dem Motto „Moderner ÖPNV ist mehr als Linien“ will der Bundesverband Taxi und Mietwagen (BVTM) eine Diskussion anstoßen, die über die traditionellen Grenzen des öffentlichen Verkehrs hinausgeht. Die Botschaft ist klar: Öffentliche Mobilität besteht längst nicht mehr ausschließlich aus Fahrplänen und Haltestellen.

Wenn der Bus nicht mehr jede Antwort liefert

Die Debatte kommt nicht von ungefähr. In vielen Regionen Deutschlands kämpfen Verkehrsbetriebe mit steigenden Kosten, Personalmangel und sinkender Auslastung auf einzelnen Strecken. Gleichzeitig wächst der politische Druck, Mobilität auch dort sicherzustellen, wo sich klassische Linienverkehre wirtschaftlich kaum noch darstellen lassen. Seit Jahren diskutieren Verkehrsexperten deshalb über neue Formen der Daseinsvorsorge. Rufbusse, On-Demand-Shuttles, digitale Buchungssysteme und Taxiverkehre werden zunehmend als Ergänzung des klassischen ÖPNV betrachtet. Besonders in Randzeiten oder im ländlichen Raum können flexible Angebote oft dort Mobilität schaffen, wo ein Linienbus leer durch die Landschaft fahren würde. Der Alternative ÖPNV-Gipfel greift genau diese Entwicklung auf.

Wissenschaft und Praxis an einem Tisch

Den Auftakt der Veranstaltung übernimmt Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr. Anschließend eröffnet der Mobilitäts- und Zukunftsforscher Prof. Dr. Stephan Rammler gemeinsam mit Gregor Beiner die inhaltliche Debatte. Bereits die Auswahl der Referenten zeigt den Anspruch der Veranstalter: Es geht nicht allein um die Perspektive einzelner Verkehrsträger, sondern um die Frage, wie Mobilität künftig organisiert werden kann.

Im ersten Themenblock „ÖPNV anders denken“ diskutieren die Mobilitätsexpertin Katja Diehl und der Verkehrswissenschaftler Prof. Andreas Knie darüber, wie sich das Verständnis öffentlicher Mobilität verändern muss. Im Mittelpunkt steht die Überlegung, ob der öffentliche Verkehr künftig stärker von den Bedürfnissen der Fahrgäste aus gedacht werden sollte – und weniger von starren Liniennetzen.

Welche Rolle spielen Taxis künftig?

Für das Taxi- und Mietwagengewerbe ist diese Diskussion von besonderer Bedeutung. Während öffentliche Debatten häufig von Großprojekten, autonomen Fahrzeugen oder neuen Schienenverbindungen geprägt werden, erfüllen Taxis seit Jahrzehnten eine Aufgabe, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: Sie schließen Mobilitätslücken.

Senioren gelangen zum Arzt, Menschen ohne eigenes Auto erreichen Bahnhöfe, Schichtarbeiter kommen nachts nach Hause und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste erhalten Zugang zu Verkehrsangeboten, die anders oft nicht erreichbar wären.

Im zweiten Themenblock „ÖPNV anders machen“ geht es deshalb um die praktische Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte. Ab 16 Uhr diskutieren Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, Dr. Alexandra Bensler und Benjamin Pfeifer darüber, wie unterschiedliche Verkehrsträger sinnvoll miteinander verknüpft werden können.

Mehr als eine Branchendebatte

Für die Veranstalter steht dabei weniger die Verteidigung bestehender Strukturen im Vordergrund als die Suche nach neuen Lösungen.

„Wir wollen mit dem Alternativen ÖPNV-Gipfel ganz bewusst Menschen und Perspektiven zusammenbringen, die öffentliche Mobilität weiterdenken. Die Agenda zeigt, wie breit diese Diskussion sein muss: von wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Impulsen über konkrete Lösungen aus der Praxis bis zur politischen Debatte. Unser Ziel ist nicht, bestehende Strukturen einfach fortzuschreiben, sondern gemeinsam darüber zu sprechen, welche Angebote die Menschen künftig wirklich brauchen und wie wir sie sinnvoll miteinander verknüpfen können“, erklärt Floris Cooijmans, Organisator des Alternativen ÖPNV-Gipfels beim Bundesverband Taxi und Mietwagen.

Die Formulierung verweist auf einen Wandel, der sich in vielen europäischen Städten bereits beobachten lässt. Mobilität wird zunehmend als Netzwerk verstanden, in dem unterschiedliche Verkehrsmittel miteinander verbunden sind. Der Weg zum Ziel entscheidet dabei oft stärker über die Qualität des Angebots als die Frage, welches Verkehrsmittel im Einzelnen genutzt wird.

Blick auf die Mobilität von morgen

Zum Abschluss der Veranstaltung diskutieren Michael Donth, Dr. Wiebke Zimmer, Gregor Beiner und Martin Bill über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. Moderiert wird die Runde von Jana Kugoth, Redaktionsleiterin Verkehr & Smart Mobility beim Tagesspiegel Background. Die Themen reichen von sozial gerechter Mobilität über Barrierefreiheit bis hin zu autonomen Verkehrssystemen und digitalen Plattformen. Damit spiegelt der Gipfel eine Entwicklung wider, die die Branche in den kommenden Jahren prägen dürfte: Öffentliche Mobilität wird vielfältiger, vernetzter und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet sein müssen. Ob Bus, Bahn, Taxi, Shuttle oder autonomes Fahrzeug – die eigentliche Frage lautet nicht mehr, welches Verkehrsmittel gewinnt. Entscheidend wird sein, wie sie künftig zusammenspielen.

Der Alternative ÖPNV-Gipfel will genau darüber sprechen. Und damit eine Debatte anstoßen, die für Städte ebenso relevant ist wie für ländliche Regionen – und für eine Branche, die seit Jahren darauf hinweist, dass moderner öffentlicher Verkehr oft dort beginnt, wo die nächste Buslinie endet.

Der Alternative ÖPNV-Gipfel findet am Mittwoch, 25. November 2026, in Berlin statt. Beginn des Programms ist um 14 Uhr, das Networking mit Abendessen ist ab 19 Uhr vorgesehen.

Weitere Informationen und Anmeldung: https://bundesverband.taxi/termin/oepnv-gipfel-in-berlin/

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