Minijobs unter Druck: Eine Reformdebatte ohne Fahrplan

Die politische Diskussion über die Zukunft der Minijobs nimmt an Schärfe zu – und stößt auf wachsenden Widerstand aus der Praxis. Besonders deutlich formuliert ihn der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland e. V. (TMV).

Minijobber sind gerade in ländlichen Gebieten ein wichtiges Element der Taxi-Versorgung.| Foto: TMV
Minijobber sind gerade in ländlichen Gebieten ein wichtiges Element der Taxi-Versorgung.| Foto: TMV

TMV-Präsident Thomas Kroker wirft der Politik vor, eine grundlegende Veränderung des Arbeitsmarktes zu diskutieren, ohne deren Folgen belastbar abzuschätzen.

„Die Politik spielt mit der Zukunft von Millionen Menschen – ohne Konzept, ohne Folgenabschätzung und ohne jede Rücksicht auf die Branchen, die tagtäglich die öffentliche Mobilität sichern“, sagt Kroker.

Tatsächlich ist die Dimension erheblich. Nach Angaben der Minijob-Zentrale arbeiten derzeit rund sieben Millionen Menschen in geringfügiger Beschäftigung. Ende 2024 lag ihre Zahl bei 6,96 Millionen, im Frühjahr 2025 bei 6,85 Millionen. Vor diesem Hintergrund wirken Forderungen nach einer Abschaffung oder Einschränkung wie ein Eingriff mit unklarem Ausgang.

Minijobs als „berufliche Sackgasse“?

Vorstöße kommen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Abgeordnete der Union plädieren dafür, Minijobs dort abzuschaffen, wo sie reguläre Beschäftigung verdrängen. Unterstützung erhalten sie von der Gewerkschaft ver.di, die Minijobs als „berufliche Sackgasse“ bewertet und eine Überführung in sozialversicherungspflichtige Arbeit fordert. Auch aus der SPD gibt es Zustimmung. Ein konkretes Anschlussmodell bleibt jedoch aus.

„Die Politik ist sich erstaunlich einig – nur nicht darüber, was konkret passieren soll“, sagt Kroker.

Ökonomische Institute mahnen zur Vorsicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt zu dem Schluss, eine Abschaffung würde Beschäftigten weniger Nettoeinkommen bringen, während die Sozialkassen kaum entlastet würden. Gleichzeitig steige der bürokratische Aufwand. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung warnt vor einem radikalen Schnitt: „Eine vollständige Abschaffung geht deutlich zu weit.“

Im Kern der Kritik steht eine einfache Rechnung. Wer bislang rund 603 Euro monatlich in einem Minijob verdient, behält diesen Betrag netto. Fällt die Sonderstellung weg und greift Steuerklasse VI samt Sozialabgaben, sinkt das Nettoeinkommen auf etwa 420 Euro. Ein Rückgang um rund 30 Prozent.

Für Kroker ist klar, welche Konsequenzen das hätte:

„Wer glaubt, Menschen würden für 180 € weniger netto pro Monat weiterhin Spät-, Wochenend- oder Frühschichten übernehmen, lebt in einem Paralleluniversum.“

Ohne Minijobs gibt es Versorgungslücken!

Besonders spürbar wären die Folgen im Verkehrssektor. Das Taxi- und Mietwagengewerbe nutzt Minijobs, um flexible Bedarfe abzudecken: bei Schülerverkehren, Kranken- und Behindertenfahrten, Rufbereitschaften oder nächtlichen Fahrdiensten. Gerade in ländlichen Regionen könnte ein Wegfall dieser Arbeitsform Versorgungslücken hinterlassen. Wie sich etwa die Schülerbeförderung organisieren ließe, bleibt offen.

Der Verband fordert daher eine grundlegende Kurskorrektur. Reformen seien nicht ausgeschlossen, müssten aber mit einem tragfähigen Konzept hinterlegt sein.

„Wenn über eine Abschaffung oder Reform von Minijobs nachgedacht wird, dann nur mit einem vollständig durchgerechneten, finalisierten Zukunftskonzept“, sagt Kroker. Dieses müsse gemeinsam mit den betroffenen Branchen erarbeitet werden. „Alles andere ist politischer Leichtsinn.“

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