Krankenfahrten mit Uber - Plattformbetreiber greift nach dem letzten Rückgrat der Taxibranche

Mit der Einführung von „Uber Health“ in Deutschland hat der US-Plattformkonzern Uber ein neues Geschäftsfeld ins Visier genommen – und es ist ausgerechnet jenes, das für viele Taxiunternehmen überlebenswichtig ist: die Krankenfahrt.

Jetzt also auch noch die Krankenfahrten - Uber Health zielt auf das Hauptgeschäftsfeld vieler Taxi-Betriebe.| Foto: Uber
Jetzt also auch noch die Krankenfahrten - Uber Health zielt auf das Hauptgeschäftsfeld vieler Taxi-Betriebe.| Foto: Uber

Was als technologische Innovation verkauft wird, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt in Richtung systematischer Verdrängung lokaler, mittelständischer Anbieter. Die Taxibranche sieht sich einmal mehr mit einem mächtigen Gegner konfrontiert, der mit globaler Kapitalstärke und digitalem Know-how antritt – diesmal direkt im Versorgungsbereich des Gesundheitswesens.

Seit Jahren stemmen sich Taxiunternehmer gegen den Verlust ihrer Marktanteile. Der klassische Gelegenheitsverkehr ist längst unter Druck. Plattformunternehmen wie Uber, die selbst keine Fahrzeuge besitzen und keine Fahrer fest anstellen, haben ihn verändert. Mit niedrigen Einstiegshürden, einer aggressiven Preispolitik und dem konsequenten umgehen von Vorschriften haben Uber & Co. auf Kosten der regulierten Taxibetriebe große Marktanteile erobert.

Nun also auch noch die Krankenfahrten

Nun fällt der Blick auf ein Segment, das bislang als verlässlich galt: die planbare Beförderung von Patientinnen und Patienten, etwa zu Arztterminen, Dialysen oder Entlassungen aus dem Krankenhaus.

Gerade in kleineren Städten und im ländlichen Raum sichern Taxiunternehmen mit ihren Fahrdiensten oft die medizinische Grundversorgung. Diese Fahrten sind nicht nur gesetzlich geregelt, sondern unterliegen auch bürokratischen Anforderungen, etwa bei der Abrechnung mit Krankenkassen. Viele Betriebe haben sich auf diese Prozesse spezialisiert – und sie bilden nicht selten die wirtschaftliche Basis eines gesamten Unternehmens. Uber Health zielt nun genau auf diese Strukturen.

Was in der Pressemitteilung als digitale Infrastruktur zur „Reduktion der Fragmentierung“ beschrieben wird, bedeutet in der Praxis: Zentralisierung. Steuerung über ein Uber-Dashboard, Disposition ohne regionale Rücksichtnahme, Auswertung über die Plattform. Die angebliche Niedrigschwelligkeit – kein Smartphone, keine App notwendig – ist cleveres Marketing. Die Kontrolle über die Auftragsvergabe bleibt trotzdem bei der Plattform.

Politik muss eingreifen!

Die Taxibranche steht damit erneut unter Wettbewerbsdruck. Doch diesmal geht es nicht um den Preis eines Innenstadt-Kurzstreckenfahrten. Es geht um systemrelevante Mobilität. Wer heute den Transport zu medizinischen Terminen über eine Plattform laufen lässt, entscheidet morgen über die Existenz vieler kleiner und mittlerer Taxiunternehmen – gerade dort, wo sie längst Teil der Daseinsvorsorge geworden sind.

Natürlich: Digitalisierung ist auch im Gesundheitssektor notwendig. Doch sie darf nicht dazu führen, dass ein internationaler Plattformbetreiber de facto die Hoheit über Mobilitätsketten übernimmt, die bislang lokal, zuverlässig und rechtlich sauber organisiert waren. Die Politik ist nun gefragt. Sie muss klären, ob Krankenfahrten ein weiteres Experimentierfeld für Uber sein dürfen.

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