Freenow-Chef Alexander Mönch: Verpasste Gelegenheit
Alexander Mönch, Deutschland-Chef des Mobilitätsanbieters Freenow, spart nicht mit Kritik. Die Stadt habe eine Chance vertan, so sein Vorwurf – eine Gelegenheit, „faire Regeln für alle Mobilitätsanbieter zu schaffen“. Stattdessen, so Mönch, lasse man ein ganzes Gewerbe im Stich.
Es sind Worte, die die Lage auf dem urbanen Mobilitätsmarkt recht klar benennen: Taxiunternehmen sehen sich zunehmend einem Wettbewerb ausgesetzt, der nach anderen Regeln spielt. Mietwagenplattformen wie Uber oder Bolt vermitteln Fahrten zu Preisen, die unterhalb dessen liegen, was viele Taxiunternehmer als wirtschaftlich tragfähig empfinden. Die Konsequenz: Ein Gefälle entsteht – ökonomisch, aber auch sozial.
Mönch spricht von einem „strukturellen Ungleichgewicht“. Von einem Markt, der nicht mehr im Gleichgewicht sei, weil er Regeln unterlaufe und Existenzen gefährde. Er beschreibt einen Wettbewerb, in dem sich nicht das bessere Angebot durchsetzt, sondern jenes, das mit weniger Verpflichtungen operiert – und mit niedrigeren Kosten. Mindestpreise seien in diesem System kein bürokratisches Hindernis, sondern eine „Grundlage für faire Einkommen“.
Der Rückzug von Freenow aus dem Mietwagengeschäft ist ein Statement – aber auch ein Warnsignal. Man wolle keine Plattform mehr sein für ein Geschäftsmodell, das „nur auf Kosten der Fahrer funktioniert“, sagt Mönch. Der Vorwurf richtet sich weniger an einzelne Anbieter als an die politischen Rahmenbedingungen, die ein solches Modell überhaupt ermöglichen.
Dass in der Branche Mietwagenfahrerinnen und -fahrer trotz voller Arbeitswochen mit prekären Einkommen zu kämpfen haben, ist kein Geheimnis. Mönch nennt es beim Namen: Demonstrationen, die nur dann stattfinden, wenn dafür gezahlt wird. Das ist kein demokratischer Diskurs, sondern ein ökonomischer Reflex.
Für Städte wie München stellt sich die Frage, welche Art von Mobilität sie künftig fördern wollen. Eine, die auf Innovation und Plattformlogik setzt – aber dabei soziale Standards ignoriert? Oder eine, die beides in Einklang bringt?
Die Entscheidung gegen Mindestpreise wird von ihren Befürwortern oft als Verzicht auf Regulierung gefeiert. Mönch sieht darin eher ein politisches Versäumnis. „Es geht nicht um Ideologie, sondern um wirtschaftliche Realität“, sagt er. Eine Realität, die nicht zuletzt auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wird, die täglich Menschen von A nach B bringen – nicht selten zu Bedingungen, von denen man kaum leben kann.
„Taxi ist kein Auslaufmodell“, sagt Mönch.
Doch um Teil eines fairen Mobilitätsmixes zu bleiben, brauche es politischen Rückhalt. Der scheint in München vorerst ausgeblieben zu sein. Ob das ein Signal für den Rest des Landes ist – oder ein Missverständnis mit Nachwirkungen – das wird sich zeigen.
Taxi-Fahrzeuge (Pkw) , Taxi-Newsletter, Taxameter, Taxi-Fahrer , BZP – Deutscher Taxi- und Mietwagenverband , Straßenverkehrsordnung (StVO) , Krankenbeförderung , Weiterbildung , Taxi-Konzessionen , Verkehrspolitik , Mietwagenbranche , Taxi-Apps , Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz BKrFQG) , Taxizentralen , Personal, Gehälter, Arbeitsschutz , Wirtschaftsnachrichten , Werbung , Taxi-Folierung , Taxi-Umrüster , Straßenverkehr , Elektromobilität, Taxifuhrpark und -flottenmanagement , Taxi-Versicherungen , Hybrid, Diesel, Erdgas , Taxi-Magazin