Fahrbericht Mazda CX-6e: 50 % bestellen ihn in Violett!

Der Mazda CX-6e gehört unserer Meinung nach zu den schönsten elektrischen CUV am oberen Rand der Mittelklasse und punktet mit straffer Lenkung und viel Platz. Gewagt sind die neue Farbe Nightfall-Violet und das 26,25“-Display mit chinesischer Digitalisierung.

Neue Farbe, die bei den Kunden extrem gut ankommt: Nightfall violet. | Foto: G. Soller
Neue Farbe, die bei den Kunden extrem gut ankommt: Nightfall violet. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Als wir ihn das erste Mal live sahen, waren wir hin und weg! Diese Eleganz, gepaart mit feinen Details – eingehüllt in dunkles Violett, das sich bei der teureren Version Takumi Plus auch im Interieur wiederfindet. Ein violettes Auto? Nette Präsentationsfarbe, wird aber keine fünf Prozent der Ordereingänge ausmachen …

50 % der Vorbesteller orderten Nightfall-Violet-Black!

Wie man sich täuschen kann! FÜNFZIG Prozent der bisher 1.200 Vorbesteller orderten genau dieses Violett, das von einem Sonnenuntergang in Japan inspiriert gewesen sein soll! Und ohne Licht fast wie Schwarz wirkt. Und den CX-6e sehr elegant macht!

Und nein, der Mazda CX-6e ist kein kleines Elektro-SUV: Mit 4,85 Metern Länge, 1,94 Metern Breite und nur 1,62 Metern Höhe ist er eher ein flacher, ziemlich stattlicher Crossover. Mit Spiegeln oder den Kameras des Takumi Plus knackt er übrigens die Zwei-Meter-Marke deutlich. In Tiefgaragen nimmt man das wie den langen Radstand von 2,9 Metern zur Kenntnis.

Weniger zur Kenntnis nimmt man die 2,2 Tonnen Leergewicht, die durch eine straffe Dämpfung und Federung etwas erleichtert wurden – doch so „leicht“ wie ein Opel Grandland oder ein Volvo EX60 fährt er sich dann doch nicht.

Die Basis stellt auch hier Changan – produziert wird im chinesischen Nanjing

Unterm Blech steckt auch hier Changan: Der Elektromotor im Heck leistet 190 kW beziehungsweise 258 PS und 290 Nm. Damit geht es bei Bedarf in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Nicht absurd schnell, nicht langsam – aber genug, um den Familienhund nachhaltig Richtung Heckklappe zu schicken oder mal schnell eine Lücke im Verkehr zu nutzen. Bei 185 km/h wird elektronisch Feierabend gemacht – bei unserem Exemplar sogar schon bei 182 km/h. Was aber nur in Deutschland Thema ist …

Wirklich sparsam ist der CX-6e nicht

Den Strom liefert ein 78-kWh-LFP-Akku. Mazda verspricht damit bis zu 484 Kilometer WLTP-Reichweite; mit den größeren Rädern der Takumi-Plus-Version sind es bis zu 468 Kilometer. Der offizielle kombinierte Verbrauch liegt je nach Variante bei rund 18,9 bis 19,4 kWh/100 km, was nicht wirklich günstig ist. Tatsächlich landeten wir bei Testfahrten von Düsseldorf bis zur niederländischen Grenze mit hohem Landstraßen- und geringem Autobahnanteil am Ende bei 19,1 kWh/100 km netto, was ziemlich genau 21 kWh/100 km brutto wären. Also nicht wirklich sparsam. Was teils den großen Rädern und teils auch dem eher durchschnittlichen cW-Wert von 0,30 geschuldet sein mag. Und unseren Autobahnabschnitten, auf denen wir das Topspeed testeten.

Trotz 400-Volt-Plattform lädt er schnell

Dafür lädt er trotz 400-Volt-Plattform schnell: Klar, an der Wallbox nimmt der CX-6e dreiphasig 11 kW AC. Auf Langstrecke wird es interessanter: Am DC-Schnelllader verträgt er laut Mazda bis zu 200 kW und schafft 10 auf 80 Prozent in zügigen 24 Minuten. Was bedeutet, dass seine Ladekurve eher den Tafelberg Kapstadts imitiert als den Mount Fuji. Hier profitieren die Japaner von der Akku- und Ladekompetenz ihrer Nachbarn auf dem Festland.

Viel Platz auch im Fond

Doch steigen wir ein: Auf allen Sitzen gibt es viel Platz. Vorn könnten die Oberschenkelauflagen etwas länger sein, dafür kann man die Kopfstützen der Integralsitze weit nach oben ziehen. Passt! Und im Fond passt es noch besser: Selbst wenn vorn Zwei-Meter-Hünen thronen, passen noch mal zwei in Reihe zwei und können auch dort die Kopfstützen weit hochziehen und die Füße locker unter die Vordersitze schieben, selbst wenn die ganz unten stehen. Genug Bein- und Kopffreiheit gibt es obendrein!

Was etwas Kofferraum kostet: Hinten stehen 468 Liter Stauraum bis unters Dach zur Verfügung, bei umgelegter Rückbank maximal 1.434 Liter. Hier gibt Mazda eher vorsichtige Werte an, doch die Größe reicht für viermal mittleres Reisegepäck.

Leider kann man die Rücksitzlehnen nur ein Drittel zu zwei Dritteln umlegen und es gibt kein Unterfach. Respektive nur eines, das so flach ist, dass es nur Abschleppösen und Dichtspray für die Reifen aufnehmen kann. Dafür gibt es für oben eine Filzbox, die man mit Schirmen, Jacken oder Sonstigem füllen kann – und über die man dann das Abdeckrollo ziehen kann. Ein weiteres Rollo gibt es übrigens zum Abdecken des Glasdachs.

Und weil wir gerade am Heck sind: Die elektrisch ausklappbare Anhängerkupplung darf bis zu 1,5 Tonnen an den Haken nehmen.

Mit vielen tollen Details: Der Frunk

Vorn gibt es einen sehr tiefen 80-Liter-Frunk. In den kann man eine weitere maßgeschneiderte Filztasche stellen und unter der gibt es einen Boden. Wenn man den rausnimmt, geht es noch tiefer – sodass man vorn auch zwei riesige Flaschen oder große Vasen senkrecht transportieren könnte. Und sollte was auslaufen, gibt es Ablaufstöpsel.

Doch fahren wir endlich los! Der CX-6e setzt sich dank Doppelverglasung in den sauber eingepassten rahmenlosen Scheiben lautlos in Bewegung und wir freuen uns über die grundsätzlich immer straffe Lenkung und erst mal grundsätzlich straffe Federung. Doch Letztere wurde mit der ebenfalls straffen Dämpfung auch so ausgelegt, dass das Gewicht kaschiert wird, und das macht den CX-6e auf groben Unebenheiten etwas ruppig und hibbelig. Ebenso wie der Spurhalteassistent, der eher rüde eingreift.

Die Bedienung ist zu touchlastig und bietet unendlich viele (nicht nur sinnvolle) Optionen

Kann man ebenso wie die Warntöne wegschalten, doch wo war das gleich wieder? Womit wir beim größten Schwachpunkt des CX-6e wären: der touchlastigen Bedienung, die man in ihren Grundzügen ebenfalls von Changan übernehmen musste. Und die zwar zigtausend Einstellmöglichkeiten für alles Mögliche bietet, aber eben auch viel in weitverzweigten Untermenüs versteckt. Die teils ganz anders aufgebaut sind als bei europäischen Modellen.

Und vom 26,25 Zoll großen Doppeltouchscreen hat auch der Beifahrer was. Schade nur, dass er seinen Teil nicht ganz ausschalten kann. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal die Sprachauffassung grottig ist: Radiosender kennt er nicht und auch klare Adressangaben ignoriert er weitgehend. Immerhin kann man Temperatur und Gebläse per Sprache einstellen. Und eben auch sonst sehr viel, wenn man sich an das Menü mal gewöhnt hat. Und schade, dass er sich beim Halten der DAB+-Sender (die es in China nicht gibt) so schwertut, denn das No-Name-Audiosystem mit 23 Speakern (!) kann den Fahrenden ganz gut was auf die Ohren geben. Und natürlich kann man auch hier etliche Ausspielvarianten von der Konzerthalle bis zum Studio wählen.

Trotzdem haderten beide Testfahrenden auch nach drei Stunden und 250 Kilometern „Eingewöhnungszeit“ noch mit dem System. Und dem Blinkerhebel, der, ebenfalls ein China-Phänomen, keine festen Rastpunkte hat. Sodass man oft sehr lange die Richtung anzeigt, obwohl man ihn nur kurz antippte, um dreimal zu blinken.

Der Takumi Plus kommt immer mit Außenspiegelkameras

Der Takumi Plus kommt dann immer mit Außenspiegelkameras, die unserer Meinung nach aber weniger klar anzeigen als die regulären Außenspiegel. Dazu kommt ein digitaler Innenspiegel mit breiterem Sichtfeld. Und klar kann man auch den Kamerafokus der Außenspiegel verstellen …

Der Takumi Plus kostet mit 52.990 Euro 3.000 Euro mehr als der Takumi, zu dem wir raten würden, da auch der schon gut ausgestattet ist und innen mit Stoffen an den Türen für mehr Wärme sorgt als der Takumi Plus mit seinen schicken hellen Kunststoffeinlegern und den violett-weißen Sitzen. Auch Leasingraten gibt es: im Business ohne Anzahlung ab 407 Euro im Monat über 48 Monate und 10.000 Kilometer pro Jahr. Oder privat ähnlich, aber mit 6.000 Euro Anzahlung (der Umweltprämie, so man die noch kriegen kann) und 371 Euro im Monat.

Und auch bei den Ausstattungen wundert sich Mazda über die Take-Rate der ersten Besteller: Die ordern zu 40 % den teureren Takumi Plus, der perspektivisch mit 20 % eingeplant war. Violette Wunder gibt es immer wieder!

Was bedeutet das?

Am Ende sind wir hin- und hergerissen: Der Mazda CX-6e punktet mit wunderbarem Design und cleveren Details sowie viel Platz. Fahrwerk, Antrieb und Akku gehen in Ordnung, setzen aber keine Maßstäbe. Doch bei den ADAS-Systemen und dem Infotainment sowie der touchlastigen Bedienung sollte Mazda unbedingt noch mal nachprogrammieren! Denn da könnten die einen oder anderen Kunden und Kundinnen schon mal Rot statt Violett sehen …

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