Eskalation im Nahen Osten verteuert Rohöl – ADAC rät zum frühzeitigen Tanken

Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat sich verschärft – und das zeigt sich bereits an den internationalen Rohstoffbörsen. Nach dem israelischen Angriff auf iranisches Staatsgebiet, bei dem auch Atomanlagen getroffen wurden, haben die Preise für Rohöl und Erdgas deutlich angezogen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland könnte das bald auch an der Zapfsäule spürbar werden.

Die steigenden Energiepreise könnten auch in Deutschland wirtschaftliche Spuren hinterlassen. | Foto: Engin Akyurt-pixabay
Die steigenden Energiepreise könnten auch in Deutschland wirtschaftliche Spuren hinterlassen. | Foto: Engin Akyurt-pixabay

Der ADAC geht davon aus, dass die aktuellen Entwicklungen zeitnah auf die Kraftstoffpreise durchschlagen.

„In der Regel lässt eine Preisanhebung an den Zapfsäulen nach einer kräftigen Ölpreisverteuerung nicht lange auf sich warten“, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel.

Mineralölkonzerne würden die gestiegenen Rohölpreise wahrscheinlich zügig an die Endkunden weitergeben.

Autofahrenden rät der Automobilclub daher, nicht zu lange mit dem nächsten Tankstopp zu warten. Wer noch zu den aktuell moderaten Preisen tanken wolle, solle dies besser bald tun, so Hölzel. Besonders in den Abendstunden ließen sich in der Regel günstigere Preise beobachten.

Preissprung auf dem Ölmarkt

An den internationalen Ölmärkten fiel die Reaktion auf die militärische Eskalation deutlich aus. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August stieg in der Spitze auf 78,50 US-Dollar – das war der höchste Stand seit Januar. Zwar gaben die Preise im Tagesverlauf wieder etwas nach, mit einem Schlusskurs von 74,73 Dollar lag Brent aber immer noch rund fünf Dollar über dem Vortagswert. Ähnlich verlief die Entwicklung bei der US-Sorte WTI: Nach einem Hoch von 77,62 Dollar wurde der Preis zuletzt bei 73,48 Dollar notiert.

Auch der Erdgaspreis reagierte empfindlich. An der Börse in Amsterdam kletterte der richtungweisende Terminkontrakt TTF für europäisches Erdgas zur Lieferung im Folgemonat auf 38,57 Euro je Megawattstunde – ein Plus von über fünf Prozent und der höchste Stand seit April.

Angespannte Versorgungslage befürchtet

Neben den unmittelbaren Preisreaktionen geht es den Analysten auch um die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Die Commerzbank rechnet damit, dass der Ölpreis kurzfristig mit erhöhten Risikoprämien gehandelt wird. Etwa ein Drittel des weltweiten Angebots stammt aus der Golfregion – entsprechend sensibel reagieren die Märkte auf die Eskalation.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Ölhandel. Eine Blockade dieser Meerenge durch den Iran – ob als direkte Reaktion auf israelische Angriffe oder im Zuge weiterer Eskalationen – könnte die Versorgungslage spürbar verschärfen. Ob sich die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen Irans tatsächlich auf Israel beschränken, bleibt abzuwarten.

Ökonomische Folgen für Deutschland

Die steigenden Energiepreise könnten auch in Deutschland wirtschaftliche Spuren hinterlassen.

„Private Haushalte reagieren besonders empfindlich auf die Entwicklung bei Benzin- und Dieselpreisen“, sagte Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Diese Preissteigerungen wirken oft direkter auf das Konsumverhalten als geldpolitische Entscheidungen der Europäischen Zentralbank.

Dabei ist der Konsum ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Erholung. Rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung in Deutschland geht auf private Ausgaben zurück. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht dennoch die internen Faktoren – etwa Lohnentwicklung, Inflation oder Investitionen – als entscheidender für die Konjunktur.

Trotz internationaler Risiken bleibe Deutschland also in der Verantwortung, die wirtschaftliche Erholung selbst aktiv zu gestalten. Die außenpolitischen Entwicklungen, etwa die Handelspolitik der USA oder geopolitische Spannungen im Nahen Osten, blieben allerdings ein Unsicherheitsfaktor. Während sich die Auswirkungen auf die Konjunktur noch im Rahmen halten könnten, sind Preissteigerungen an der Tankstelle in den kommenden Tagen wahrscheinlich. Wer derzeit tanken muss, sollte das besser früher als später tun – so lautet zumindest der nüchterne Rat des ADAC.

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