VW-Zukunft: Sparpaket fällt wohl durch - das Ringen um die Werke geht weiter

(dpa/jr) Sparpläne und sinkende Absätze: Ringen um VWs Zukunft geht weiter, auch wenn im Aufsichtrat das vom Vorstand vorgelegte Sparpaket wohl durchfiel. Es geht laut VW-Chef Blume um "die umfassendste Neuausrichtung der Konzerngeschichte".

Martialische Symbolik: Mit einem maskierten Sensenmann protestierten am Donnerstag nicht nur in Zwickau, sondern bundesweit die VW-Werker gegen die Sparpläne der Konzernspitze. | Foto: dpa/Jan Woitas
Martialische Symbolik: Mit einem maskierten Sensenmann protestierten am Donnerstag nicht nur in Zwickau, sondern bundesweit die VW-Werker gegen die Sparpläne der Konzernspitze. | Foto: dpa/Jan Woitas
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Das Ringen um die Zukunft von VW geht weiter. Auch wenn das Sparpaket des Vorstands am Donnerstag einem Bericht zufolge im Aufsichtsrat durchfiel, plant Konzernchef Oliver Blume weiter die "umfassendste Neuausrichtung der Konzerngeschichte". Die jüngsten Absatzzahlen des Konzerns verdeutlichen unterdessen die Dringlichkeit: Es läuft alles andere als gut für die Wolfsburger und ihre deutschen Töchter.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt".

Vorstand will weiter umbauen

VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. "Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf."

Blume sprach von der "umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte". Der Vorstand übernehme damit "Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens - in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht". Direkt nach der Aufsichtsratssitzung hatte er bereits angekündigt, Überkapazitäten abbauen zu wollen. Unter anderem soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel.

Immerhin: Der neue Einstiegs-Stromer kommt gut an

Gleichzeitig will man sich aufs Kerngeschäft fokussieren und die Produktionskapazitäten weiter reduzieren, von aktuell zehn auf dann neun Millionen Fahrzeuge. Allerdings vermeldete der Hersteller just verheerende Verkaufszahlen für das erste Halbjahr 2026, der Konzern liegt eher auf Kurs von 8,5 Mio. Fahrzeugen. Neben dem um ein Viertel geschrumpften China-Geschäft schwächeln auch die E-Auto-Verkäufe von VW, Porsche und Audi außerhalb Europas. Was wiederum ein Fragezeichen über die Kooperationen mit Xpeng in China und Rivian in den USA setzt.

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass der Konzern für die vier Elektro-Modelle auf der neuen, ja gar nicht mal so preiswerten Budget-Basis (Electric Urban Car Family, ab ca. 26.000 Euro) in der "Heimatregion" Europa hohes Interesse und bereits 54.000 unterzeichnete Kaufverträge vermeldet, obwohl erst drei der Modelle verfügbar sind. Der Auftragsbestand vollelektrischer Fahrzeuge in Europa sei gegenüber Ende letzten Jahres insgesamt um mehr als 50 Prozent gestiegen, machte Marco Schubert, Mitglied der Erweiterten Konzernleitung für Vertrieb, Mut. 

Finanzvorstand Arno Antlitz betont, man wolle weiter in E-Autos und Software investieren, "gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken." Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern. "Der Zukunftsplan ist dafür ein starker Hebel."

Unklarheit erbost Betriebsrat

Was konkret im abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Den Berichten zufolge droht aber heftiges: Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut "Bild" könnten es sogar 120.000 sein. Zudem sind vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sogar von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

Dass es so wenig Offizielles zu den Plänen gibt, erbost auch die Arbeitnehmervertreter. Der Betriebsrat hat der Konzernspitze inzwischen ein Ultimatum gestellt, im Laufe des Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung zu beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

Unternehmen gibt sich unerbittlich

Vom Ultimatum der Arbeitnehmerseite wollte sich das Unternehmen vor dem Wochenende nicht unter Druck setzen lassen und äußerte sich dazu nicht. Vielmehr betonte das Management, auch die Arbeitnehmerseite umfassend zu informieren. "Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unseren Mitarbeitenden und den Arbeitnehmervertretungen", sagte ein VW-Sprecher. Der Vorstand informiere fortlaufend, unter anderem über das interne Mitarbeiterportal und eine Mitarbeitenden-App. Das stoße auch auf hohes Interesse.

Die Arbeitnehmerseite zeigte sich angesichts der Spekulationen aber nach wie vor erzürnt und nannte die Kommunikation der Unternehmensseite in einem gemeinsamen Brief des Konzernbetriebsrats und der Führungskräftevertretung Volkswagen Management Association (VMA) "beschämend".

Die jüngsten Absatzzahlen sehen schlecht aus

Die jüngsten Absatzzahlen zeigen, wie schwer es der Konzern derzeit hat. Weltweit verkaufte er im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos. Das waren fast 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang beschleunigt sich damit: Von Januar bis März stand noch ein Minus von 4 Prozent. Vor allem in China lief es schlecht: Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel ein - auf nur noch 424.300 Fahrzeuge.

Und gerade die deutschen Marken im Konzern haben es derzeit schwer: Bei der Kernmarke Volkswagen gingen die Auslieferungen sogar um 14 Prozent nach unten auf 1,02 Millionen Fahrzeuge. Bei Porsche ging es sogar um 18 Prozent auf noch 61.300 Sport- und Geländewagen nach unten. Audi meldete ein Minus von gut 8 Prozent auf 367.000 Autos. Vor drei Jahren hatte Audi im zweiten Quartal noch fast eine halbe Million Autos ausgeliefert.

Nur Skoda macht Hoffnung

Positivere Zahlen gab es dagegen von Skoda, die tschechische Tochter steigerte ihren Absatz um fast 5 Prozent Plus auf knapp 284.000 Autos. Auch die anderen deutschen Autokonzerne leiden derzeit unter der Schwäche in China, mit Rückgängen um 5 und 6 Prozent kamen BMW und Mercedes allerdings etwas besser davon.

Zudem sorgt sich die deutsche Autoindustrie, dass die Chinesen auch bald auf dem europäischen Markt Wirbel machen und mit harten Bandagen für Konkurrenz sorgen. Angesichts des derzeit schwachen Marktumfelds in der Volksrepublik versuchen die dortigen Hersteller, ihre Autos verstärkt im Ausland abzusetzen - zuletzt hatten sie sich schon in Märkten wie Italien, Spanien und Großbritannien mit Plug-in-Hybriden zunehmend breitgemacht.

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