Der Mietwagen zieht aufs Land – über 1.600 Mietwagen im Landkreis Teltow-Fläming

Mittlerweile kommt im beschaulichen Landkreis südlich der Bundeshauptstadt rechnerisch auf 111 Einwohner ein Mietwagen! Solche Zahlen wirken auf den ersten Blick wie ein statistischer Ausreißer, sie sind aber in Wirklichkeit ein alarmierendes Signal für behördliche Untätigkeit und administratives Versagen.

Im Landkreis Teltow-Fläming sind aktuell etwa genauso viele Mietwagen zugelassen wie in Berlin –  Berlin hat allerdings etwa 22-mal so viele Einwohner! | Foto: TMV
Im Landkreis Teltow-Fläming sind aktuell etwa genauso viele Mietwagen zugelassen wie in Berlin – Berlin hat allerdings etwa 22-mal so viele Einwohner! | Foto: TMV

Im an Berlin grenzenden Landkreis Teltow-Fläming hat sich die Zahl der konzessionierten Mietwagen innerhalb von zwei Jahren vervielfacht. Ende 2023 waren dort nach Angaben des Taxi- und Mietwagenverbandes Deutschland (TMV) 240 Mietwagen registriert. Ende 2025 waren es bereits 1.357 Fahrzeuge. Inzwischen soll die Zahl auf mehr als 1.600 angewachsen sein. Parallel dazu stieg die Zahl der reinen Mietwagenunternehmen von 32 auf 76 Betriebe. Für den TMV ist diese Entwicklung kein gewöhnliches Marktwachstum. Der Verband sieht darin die Folge eines Problems, das sich zunehmend aus Berlin in das Umland verlagert.

„Wir erleben im Berliner Umland einen eklatanten Kontrollverlust der Behörden auf dem Rücken des ehrlichen Taxigewerbes“, sagt TMV-Präsident Thomas Kroker. „Es ist ein administratives Versagen sondergleichen, wenn eine Flotte von weit über 1.000 Fahrzeugen über Jahre von einer einzigen Teilzeitkraft verwaltet wird und praktisch unkontrolliert agieren kann.“

Und wie viele Mietwagen gibt es in Berlin?

Bemerkenswert ist, dass es in Berlin zu einem starken Rückgang der Mietwagen gegenüber dem Vorjahr gekommen ist. Innerhalb von zwölf Monaten sank die Zahl der konzessionierten Mietwagen in der Bundeshauptstadt von 2.335 auf 1.656 Fahrzeuge. Das entspricht einem Rückgang um rund 29 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Unternehmen von 436 auf 304. Der Rückgang steht in engem Zusammenhang mit den verschärften Kontrollen des LABO. Bereits Anfang 2025 berichteten Berliner Behörden, dass zahlreiche Mietwagenunternehmen ihre Konzessionen verloren oder Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Zahl der Mietwagen war damals bereits auf rund 2.900 Fahrzeuge gesunken, nachdem zuvor fast 4.500 Fahrzeuge registriert gewesen waren.

Die Flucht vor der Kontrolle

Während Berlin in den vergangenen Jahren also seine Kontrollen im Mietwagengewerbe deutlich ausgeweitet hat, geraten zunehmend die umliegenden Landkreise in den Fokus von Plattformunternehmen und Flottenbetreibern. Dabei wird die Genehmigung außerhalb Berlins beantragt, gefahren wird jedoch überwiegend innerhalb der Hauptstadt. Genau an diesem Punkt beginnt die juristische Diskussion. Denn Mietwagen unterliegen nach § 49 Personenbeförderungsgesetz der sogenannten Rückkehrpflicht. Nach Abschluss eines Fahrauftrags müssen die Fahrzeuge grundsätzlich an ihren Betriebssitz zurückkehren, sofern nicht bereits ein neuer Auftrag vorliegt.

Diese Regel wird vielfach umgangen. Fahrzeuge verbleiben dauerhaft im Berliner Stadtgebiet und warten dort faktisch wie Taxis auf neue Aufträge. Der Situation ist nicht neu - neu sind allerdings die enormen Dimensionen.

Eine Behörde am Limit

Besonders kritisch bewertet der TMV die personelle Ausstattung der Genehmigungsbehörden.

Nach Angaben des Verbandes wurde das gesamte Antragsaufkommen in Teltow-Fläming während der Boomjahre 2023 und 2024 zeitweise von einer einzigen Teilzeitkraft mit 25 Wochenstunden bearbeitet. Gleichzeitig stieg die Zahl der Genehmigungen kontinuierlich an. Für eine intensive Prüfung der Unternehmen blieb offenbar wenig Raum. Nach Angaben des Verbandes fanden im gesamten Jahr 2024 lediglich vier Vor-Ort-Kontrollen statt. Die Folge sei ein erheblicher Vollzugsrückstand.

„Durch dieses absolute Defizit bei den Betriebsprüfungen wird ein zutiefst unfairer Wettbewerb plattformvermittelter Mietwagen staatlich toleriert, der die Existenz unserer regulären Taxibetriebe massiv bedroht“, sagt Kroker.

Tatsächlich steht die öffentliche Verwaltung vielerorts vor einem strukturellen Problem. Die Digitalisierung hat den Markteintritt neuer Anbieter erleichtert, während die personellen Ressourcen der Genehmigungsbehörden häufig nicht im gleichen Tempo gewachsen sind. Wo früher einige Dutzend Konzessionen verwaltet wurden, müssen heute teilweise mehrere hundert Fahrzeuge überwacht werden.

Wenn Grenzen verschwimmen

Während die Konzessionen im Brandenburger Umland ausgestellt werden, konzentrieren sich die Fahrten häufig auf die wirtschaftlich attraktiven Innenstadtlagen der Hauptstadt. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Zuständigkeiten der Behörden. Genehmigt wird in Brandenburg, gefahren wird in Berlin.

Genau dieses Spannungsfeld beschäftigt inzwischen auch die Politik. Der TMV steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit dem Berliner Abgeordneten Tino Schopf sowie der Brandenburger Landtagsabgeordneten Martina Maxi Schmidt. Ziel ist es, den politischen Druck auf beiden Seiten der Landesgrenze zu erhöhen. Denn: das Problem endet nicht an der Stadtgrenze.

Forderung nach Schwerpunktkontrollen

Der Verband fordert deshalb ein deutlich konsequenteres Vorgehen. Dazu gehören flächendeckende Schwerpunktkontrollen, die gemeinsam von Landkreisen, Polizei, Zoll und dem Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten durchgeführt werden sollen. Zudem drängt der TMV auf die schnelle Umsetzung einheitlicher Leitlinien für Genehmigung und Überwachung, die vom Brandenburger Landtag bereits beschlossen wurden. Ein weiterer Punkt betrifft die personelle Ausstattung der Behörden. Aus Sicht des Verbandes können die bestehenden Strukturen mit dem Wachstum des Marktes nicht Schritt halten. Vor allem sogenannte Briefkastenfirmen, die lediglich formale Betriebssitze unterhalten, müssten stärker überprüft werden.

Mehr als ein regionales Problem

Die Auseinandersetzung im Berliner Umland steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich auch in anderen deutschen Ballungsräumen beobachten lässt. Wo Plattformverkehre wachsen, geraten die klassischen Kontrollmechanismen des Personenbeförderungsrechts unter Druck. Die gesetzlichen Regelungen existieren zwar weiterhin, ihre praktische Durchsetzung wird jedoch zunehmend zur Herausforderung.

Für das Taxigewerbe geht es dabei vielfach ums Überleben. Viele Unternehmer sehen die Gefahr, dass ein Regelwerk, an das sie sich seit Jahrzehnten halten müssen, an Verbindlichkeit verliert, wenn Verstöße nicht konsequent verfolgt werden.

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